Meinung

Bei "Dying Light 2" fällt jede Entscheidung schwer ins Gewicht

Die Welt in "Dying Light 2" wird durch Deine Entscheidungen geformt.
Die Welt in "Dying Light 2" wird durch Deine Entscheidungen geformt. (©Techland 2018)

Auf der Gamescom 2018 konnte ich endlich einen genaueren Blick auf "Dying Light 2" vom polnischen Entwickler Techland werfen. Während andere Studios häufig mit der umwerfenden Grafik oder dem enormen Umfang ihrer Spiele prahlen, stellte Techland dabei ein ganz anderes Feature in den Mittelpunkt – die "Narrative Sandbox".

Spätestens seit dem Erscheinen von "Mass Effect" kam es immer mehr in Mode, Entscheidungsmöglichkeiten in Spiele einzubauen, die den gesamten Verlauf der Handlung beeinflussen. Auch dieses Jahr waren mit "Cyberpunk 2077" oder "Biomutant" Spiele auf der Gamescom vertreten, in denen (moralische) Entscheidungen eine deutliche Auswirkung auf die weitere Geschichte haben. In einem Ausmaß wie bei "Dying Light 2" habe ich die Verwendung dieses Features aber bisher noch nicht erlebt.

Deine Entscheidungen – deine Welt

 Entscheidungen nehmen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Stadt in "Dying Light 2". fullscreen
Entscheidungen nehmen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Stadt in "Dying Light 2". (©Techland 2018)

Während die Entscheidungen, die ich in den "Mass Effect"-Teilen oder der "The Witcher"-Reihe treffen kann, nur unwesentliche Änderungen in der Story auslösen oder etwa den Liebhaber bestimmen, nehmen die eigenen Handlungen in "Dying Light 2" sichtbaren Einfluss auf die gesamte Welt.

Die kurze Vorführung, die ich auf der Gamescom sah, zeigte einen Spielausschnitt, der auch schon auf der E3 im Juni präsentiert wurde: Ein Wasserturm wird von zwei Gaunern kontrolliert. Wasser ist in der postapokalyptischen Welt von "Dying Light 2" eine wichtige Ressource. Ein Mitarbeiter von Techland kletterte im Spiel mit waghalsigen Parkour-Moves bis zur Spitze des Turms, wo er auf die beiden NPCs traf, mit denen er dann eine Diskussion führte.

Daraufhin hatte er die Wahl: Verurteilt er das Vorhaben der Gauner, überteuertes Wasser an die Menschen zu verkaufen oder soll er mit in ihr Geschäft einsteigen. Er entschied sich gegen die Halunken und machte mit beiden kurzen Prozess. Um die Konsequenzen seines Handelns zu zeigen, wurde dann ein Speicherstand geladen, der einige Tage später spielte.

"Dying Light 2": Handlungen geben der Spielwelt ein neues Gesicht

Ich war total verblüfft: Seine Entscheidung führte dazu, dass die Peacekeeper, eine der größeren Fraktionen im Spiel, die Kontrolle über das Viertel der Stadt übernahmen, was die ganze Spielwelt veränderte: Auf den Dächern wehten die Banner der Peacekeeper, Menschen erhielten kostenlosen Zugang zu Wasser und unser Spielcharakter profitierte ebenfalls von der Entscheidung: Die Fraktion reparierte Brücken die neue Gebiete zugänglich machten und stellte neue Ausrüstung zur Verfügung.

Aber nicht alles wurde besser: Die Peacekeeper regieren mit eiserner Hand, kleinere Straftaten werden drakonisch bestraft und die Täter werden öffentlich gehängt. Danach zeigten die Entwickler mir eine alternative Entwicklung, in der ein Deal mit den Gangstern eingegangen wurde:

Der Spieler bekommt einen schönen Anteil am Geschäft mit dem Wasser, dafür leidet der Rest der Bevölkerung. Außerdem eröffnet ein Schwarzmarkt in der Nähe, auf dem starke Waffen erhältlich sind. Dafür sind die Straßen sichtlich unsicher, da sich die nun herrschenden Fraktionen nicht um Recht und Ordnung kümmern. So hat jede Spielentscheidung seine Vor- und Nachteile.

"Fallout" & "The Witcher": Geschichten aus den Federn von Veteranen

 Beim ersten Stehlen ist die Hand ab, beim nächsten Mal wird man gehängt – bei Straftaten kennen die Peacekeeper keine Gnade. fullscreen
Beim ersten Stehlen ist die Hand ab, beim nächsten Mal wird man gehängt – bei Straftaten kennen die Peacekeeper keine Gnade. (©Techland 2018)

Für die Story von "Dying Light 2" haben sich die Polen niemand geringeren als Chris Avellone als Narrative Designer mit ins Boot geholt, der besonders für seine Arbeit an "Pillars of Eternity" oder "Fallout: New Vegas" bekannt ist. Und auch durch die weiteren Autoren, die bereits bei der "The Witcher"-Reihe mitgewirkt haben, dürfte uns wohl eine tolle Geschichte auf hohem Niveau erwarten.

Weitreichende Konsequenzen statt Pseudo-Entscheidungen

Als ich damals das erste Mal "Mass Effect" gespielt habe, fand ich die Dialogoptionen und Entscheidungen, die Einfluss auf den Verlauf der Geschichte haben, wirklich cool. Aber ich fragte mich auch: Ist das wirklich schon alles? Die Auswirkung meiner Entscheidungen hatten keine wirklich große Reichweite. Ich will die "Mass Effect"-Reihe gar nicht an den Pranger stellen, denn sie ist wirklich einzigartig. Vielmehr geht es mir darum, dass man in vielen Spielen nur "Pseudo-Entscheidungen" treffen darf.

Mein Einfluss ist nämlich meist stark begrenzt: Häufig bestimme ich meinen nächsten Liebhaber, mit wem ich Bündnisse eingehen kann oder ob eine Figur stirbt oder nicht. Mir fehlt bisher die echte Auswirkung auf die weitere Spielwelt. Wo "Mass Effect" und die "The Witcher"-Spiele schon in die richtige Richtung gingen, zeigt "Dying Light 2" nun, dass noch deutlich mehr drin ist: Sichtbare Veränderungen der Spielwelt, neue Ausrüstung, Verschiebung der Machtverhältnisse von Fraktionen – das sind einflussreiche Konsequenzen. Bei der Vorführung der Demo hatte ich dadurch das Gefühl, dass mein Handeln wirklich etwas bewirken kann.

Neugierig auf mehr: Release ist für nächstes Jahr geplant

Neben der beeindruckenden "Narrative Sandbox", also einer Spielwelt, die ganz selbstständig eine Geschichte erzählt, überzeugte mich "Dying Light 2" noch mit zeitgemäßer Grafik, einer guten Atmosphäre und den flotten Parkour-Elementen. Nicht so gut fand ich dagegen, dass es neben ausgeprägten Nahkampf-Elementen wohl nur wenige Schusswaffen im Spiel geben wird. Das lässt sich aber verschmerzen – Action gibt es schließlich auch so genug.

Ich freue mich bereits jetzt auf den Titel, der voraussichtlich 2019 für PS4, Xbox One und PC erscheinen wird.

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