Meinung

"Call of Duty" ohne Story, aber mit Battle Royale – geht's noch?

Die filmreif inszenierte Kampagne gehört zu "Call of Duty" seit den Anfängen dazu – und nun soll sie abgeschafft werden?
Die filmreif inszenierte Kampagne gehört zu "Call of Duty" seit den Anfängen dazu – und nun soll sie abgeschafft werden? (©Activision/TURN ON 2017)

Kann das sein? "Call of Duty: Black Ops 4" kommt ohne Story, dafür aber mit einem Battle-Royale-Modus? Entsprechende Gerüchte, die leider vielleicht sogar ernst zu nehmen sind, kursieren seit ein paar Tagen. Und ich bin reichlich geschockt: Das erste "CoD" ohne Solo-Modus wäre definitiv nicht mehr mein Game.

Seit das erste "Call of Duty" Ende 2003 auf den Markt gekommen ist, hat die Reihe viele Jahre vor allem durch die cineastische und teils überdreht bombastische Inszenierung der Story geglänzt. Man denke etwa an die Landung in der Normandie, die fast schon zu oft und immer wieder gleich inszeniert wurde, oder an "Call of Duty: Modern Warfare 3", wo der Trailer auch für einen aktuellen Action-Hollywoodkracher im Kino passend wäre.

Oft war es so, dass Kollegen und Freunde gestöhnt haben: "'Call of Duty', das ist doch nur die Eye-Candy-Inszenierung! Die Levels sind Schläuche, das Gameplay nur wieder Schießbude". Mag sein, das gilt für "Half-Life 2" aber eben auch – und das ist eines der besten Spiele aller Zeiten. Ich jedenfalls habe mich über den Actionfilm zum Mitballern jedes Jahr aufs Neue gefreut. Gut, bei "Infinite Warfare" war die Vorfreude zugegebenermaßen etwas gedämpft, und die Solo-Story bei "WW2" war auch reichlich kurz – aber ohne Zweifel wieder gut inszeniert.

Und damit soll jetzt Schluss sein? Das erste "Call of Duty" ohne Story?

Es gibt derartige Gerüchte und es ist wie immer schwer zu sagen, ob da was dran ist. Aber: Es kann durchaus sein und auch andere große Publisher wie Electronic Arts deuten immer wieder mal an, dass der Trend zum reinen Multiplayer geht – vor allem, weil damit eben anscheinend leichter mehr Geld zu verdienen ist. Dass es Spieler gibt, die nicht so gerne im Online-Multiplayer zocken, fällt dabei unter den Tisch.

Das MMO-Problem: Melkkuh oder Schlachtvieh?

Für jemand wie mich, der nie ein MMO-Spieler geworden ist, ist das fatal – vor allem aus zwei Gründen:

  1. Ich fühle mich den Herstellern komplett ausgeliefert: Ich lebe mich in ein Game rein, lerne die Mechaniken, finde einen Freundeskreis – und dann ändert der Hersteller ein paar Werte oder führt plötzlich Lootboxen ein, weil ein Finanzmensch beim Publisher findet, dass man aus dem Spiel mehr Geld herausquetschen sollte. Und dazu werden dann plötzlich und ohne Vorwarnung die Spieler gemolken, das Spiel wird dabei nicht selten total verändert. Ich will aber keine Melkkuh sein.
  2. Ich bin einfach zu schlecht:Es ist nicht so, dass ich keine Lust hätte, gut in einem Spiel zu werden. Aber ich spiele eben normalerweise viele Games parallel und habe selten die Zeit, mich so komplett auf eines einzulassen, dass ich im Multiplayer gut wäre. Ich will aber auch kein "Schlachtvieh" sein – also bleibe ich den Servern fern.
"Fortnite: Battle Royale" ist das derzeit erfolgreichste Spiel weltweit – aber nichts für mich. (© 2018 Epic Games)

Natürlich könnte ich jetzt fleißig üben und eben dann auch online gegen andere Mitspieler mehr reißen. Jetzt bin ich immer nach ein paar Minuten platt. Ein Kollege sagt: "Spiel doch Battle Royale". Stimmt, "Fortnite: Rettet die Welt" fand ich gut – aber mit der Battle-Royale-Variante kann ich so wenig anfangen wie mit "PUBG". Zumal ich eben dann auch wieder dem Lootbox-Irrsinn ausgeliefert bin.

Spannende Storys von Drehbuchautoren

Aber gerade für Multiplayer-Verweigerer wie mich gibt es ja die Solo-Storys – etwa bei "Assassin's Creed: Origins" oder auch "Mittelerde: Schatten des Krieges". Da haben sich die Entwickler viele Gedanken gemacht, zum Teil wurden teure Drehbuchautoren engagiert, die dann wirklich spannende Storys geschrieben haben. Dass jetzt ausgerechnet die Mit-Erfinder dieser Disziplin damit brechen wollen ist kaum zu glauben. Ein "Call of Duty" ohne Solo-Story gebe, weil die Zeit zu knapp ist – geht's noch?

Führt an Battle Royale (k)ein Weg vorbei?

Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich das Gerücht als Unsinn herausstellt. Aber an Battle Royale, diesem extrem einsteigerfreundlichen Modus für schnelle Pausen-Zocker, führt derzeit wohl kein Weg vorbei. Die erfolgreichsten Games weltweit geben den Takt vor, dem sich kein Hersteller verweigern kann. Hoffentlich rebellieren aber die Fans auch wegen dem Story-Modus, sollte er wirklich der grassierenden Online-Hysterie zum Opfer gefallen sein. Und nicht immer nur gegen die Lootboxen.

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