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Darum ist "Warframe" das perfekte Wohlfühl-Spiel

Im Kampfanzug durch's Weltall: "Warframe".
Im Kampfanzug durch's Weltall: "Warframe".

Optisch schrill, unendlich groß, verstörend komplex – und erstaunlich entspannend: Das Online-Action-RPG "Warframe" hat sich schleichend zu dem Game gemausert, zu dem ich zwischen allen anderen Titeln immer wieder zurückkehre. Zeit für eine Liebeserklärung an ein faszinierendes Spiel, das einfach nicht langweilig werden will.

Im Jahr 2017 stolpere ich eher zufällig über einen Artikel des Polygon-Autors Ben Kuchera. "Warum hat mir niemand gesagt, dass 'Warframe' jetzt das perfekte Spiel ist?", lautet der Titel. Starkes Statement, aber ich werde neugierig, lese den Text, installiere das Gratis-Game auf Steam. Jetzt, gut eineinhalb Jahre später, stimme ich voll und ganz zu. "Warframe" ist, mit einem ganz dezenten Hauch von Übertreibung, tatsächlich perfekt. Zumindest für mich – und für alle anderen, die gern stilvoll endlosem Loot hinterherjagen.

Feinde in der Überzahl? Immer her damit!

"Warframe" in drei Worten: Weltraum, Ninjas, Loot

Die Grundidee des Online-Actionspiels vom kanadischen Studio Digital Extremes lässt sich übersichtlich und unspektakulär zusammenfassen. Du steigst in einen von mehreren außerirdischen Ninja-Kampfanzügen – die namensgebenden Warframes, die mächtige Fähigkeiten mitbringen und mit unterschiedlichen Waffen ausgerüstet werden können.

Der brachiale Valkyr-Warframe fackelt nicht lange. fullscreen
Der brachiale Valkyr-Warframe fackelt nicht lange.

So ausstaffiert, absolvierst Du allein oder im Online-Koop mit bis zu drei Mitspielern verschiedene Missionen, von klassischen Horde-Modi bis hin zu Spionage-Einsätzen. Die belohnen Dich mit reichlich Beute in Form von Geld und Materialien, aus denen Du wiederum neue Ausrüstung baust. So weit, so gewohnt.

Aber "Warframe" ist anders als vergleichbare Loot-Games – in vielerlei Hinsicht.

Die auffälligste Besonderheit ist wohl die Optik, die irgendwo zwischen Weltraum-Oper, Barock-Kathedrale, Fetisch-Messe und Großraumdisco rangiert: Viel Chrom, viel Licht, viel Lack, Leder und Glitzer. Am besten alles auf einmal – so schrill ist nicht mal das spacige "Destiny". Wer Gameplay-Videos schaut, wird erst einmal erschlagen von den optischen Eindrücken, den grellen Texturen, den großzügigen Partikeleffekten. Überraschenderweise ist "Warframe" beim Spielen aber alles andere als anstrengend.

Manchmal genieße ich auch einfach die Aussicht. fullscreen
Manchmal genieße ich auch einfach die Aussicht.

Entspannen mit außerirdischem Metzel-Zen

Im Gegenteil: Wenige Games wirken auf mich so beruhigend, was vor allem mit dem ausgefeilten Bewegungs-System zusammenhängt. In Third-Person-Ansicht manövriere ich durch Raumstationen und Militärbasen, Schusswaffe und Nahkampf-Klinge stets im Anschlag und blitzschnell einsatzbereit.

Dabei kann mein Weltraum-Ninja kann nicht bloß laufen und springen, sondern auch über den Boden rutschen, in Zeitlupe durch die Lüfte gleiten, sich mit Drehsprüngen voran katapultieren oder sich an Wänden festhalten. Und natürlich Fähigkeiten einsetzen, die je nach Warframe variieren: Manche Kampfanzüge speien Feuer, andere wechseln zwischendurch in Paralleldimensionen oder haben eine mit selbst komponierter Musik bespielbare Jukebox-Drohne dabei, die Verbündete stärkt. Kein Witz.

Weil das so flüssig von der Hand geht, dass ich ganz nebenbei noch unzählige Gegner pulverisieren kann, stellt sich beim Spielen irgendwann ein Zustand fokussierter Entspannung ein. Dabei hilft, dass "Vorwärts" in "Warframe" die einzig valide Richtung ist: In Deckung verharren lohnt sich nicht, lieber weiche ich Geschossen behände aus und mähe mich mit akrobatischen Manövern durch Feindeshorden. "Außerirdisches Metzel-Zen" wäre ein treffender Begriff dafür.

Das Online-Game mit allem

Zugegeben: Es hat seine Zeit gedauert, bis ich diesen Zustand erreichen und wertschätzen konnte, denn für Einsteiger ist "Warframe" ein undurchdringliches Dickicht an Content. Das hängt mit seiner ungewöhnlichen Geschichte zusammen: 2013 startete das Spiel mit ziemlich begrenztem Umfang und war nur mäßig erfolgreich bei Kritikern und Spielern.

Doch Digital Extremes blieb dran und baute über die Jahre immer mehr Inhalte an: neue Warframes, neue Story-Stränge, Bossgegner, Missionstypen, Items, Spielsysteme, Fraktionen, Haustiere (Weltraum-Hunde! Und Weltraum-Katzen!), Nebenaktivitäten wie Angeln oder Bergbau und, und, und.

Gestatten? Dart, mein außerirdisches Haustier. fullscreen
Gestatten? Dart, mein außerirdisches Haustier.

Zu den größten Neuerungen der jüngsten Zeit gehören ein Battle-Pass in Form einer coolen interstellaren Late-Night-Radiosendung sowie zwei Open-World-Areale, die vollgestopft sind mit neuen Möglichkeiten, Waffen zu farmen und Aufträge zu erledigen. Bald wollen die Entwickler kooperative Kämpfe mit riesigen Raumschiff-Fregatten hinzufügen. Theoretisch gibt es sogar PvP-Modi, die allerdings nur von einem harten Spielerkern wirklich gezockt werden.

Generell gilt: Denk Dir ein beliebiges Feature von Online-Games oder MMOs und die Chance stehen gut, dass "Warframe" es hat.

Gut, Schlittenfahren gibt's noch nicht. Aber durch den Schnee rutschen kann man trotzdem! fullscreen
Gut, Schlittenfahren gibt's noch nicht. Aber durch den Schnee rutschen kann man trotzdem!

Sanftes Schweben durchs ewige Midgame

Wer erstmals ins Spiel startet, steht daher vor einem riesigen Berg aus Aktivitäten – und weil das Spiel nur sehr wenig wirklich gut erklärt, ist heillose Überforderung der Standard-Zustand von Neu-Spielern. Was soll ich hier bloß machen? Erst einmal neue Missionstypen freispielen? Einen weiteren von derzeit 40 unterschiedlichen Warframes (plus einige stärkere Varianten) freischalten? Eine von Hunderten Waffen mit Dutzenden Mods aufleveln?

So viel zu tun! Jeder Planet der Sternenkarte hält Dutzende von Missionen bereit. fullscreen
So viel zu tun! Jeder Planet der Sternenkarte hält Dutzende von Missionen bereit.

Zeitweise habe ich "Warframe" nur spielen können, wenn ich auf meinem zweiten Bildschirm das passende Wiki geöffnet und dadurch zumindest etwas Orientierung hatte. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber an die Vielzahl der ständig verfügbaren Möglichkeiten und versenkte mich ganz in das "Warframe"-Mindset, das ich gern als "ewiges Midgame" bezeichne: Während vergleichbare Loot-Spiele oft eine Kampagne voranschieben und ab einem bestimmten Level anspruchsvollere Endgame-Aktivitäten bieten, geht "Warframe" nach einer kurzen Tutorial-Phase in einen angenehmen Zustand ewigen und stetigen Fortschritts über.

Tod von oben: Die reine Fortbewegung durch die Levels ist in "Warframe" schon ein Highlight. fullscreen
Tödlich athletisch: Die reine Fortbewegung durch die Levels ist in "Warframe" schon ein Highlight.

Mehr Farming als im "Landwirtschafts-Simulator"

Hier geht es darum, alles Erdenkliche zu farmen, ständig neue Kampfanzüge zu meistern und nach und nach auch die letzten Aktivitäten freizuschalten. Während ich mit einem klassischen Endgame vor allem das Immer-Wieder-Erleben derselben Inhalte verbinde, arbeite ich in "Warframe" andauernd auf etwas ganz Neues hin – Stück für Stück, in meinem eigenen Tempo, aber ständig im Flow.

Apropos Flow: Es gibt sogar Hoverboards in "Warframe". fullscreen
Apropos Flow: Es gibt sogar Hoverboards in "Warframe".
Und Jetpacks auch! fullscreen
Und Jetpacks auch!
Apropos Flow: Es gibt sogar Hoverboards in "Warframe".
Und Jetpacks auch!

Nach über 300 Spielstunden habe ich gerade mal einen Bruchteil der verfügbaren Warframes und Waffen ausprobiert und in das Erstellen wirklich effizienter Builds bin ich noch nicht mal eingestiegen. Genau dieses Wissen um die noch unerschlossenen Bereiche von "Warframe" und die Missionen, die zwischen wenigen Minuten und einer guten Stunde dauern können, lassen mich selbst nach längeren Pausen immer wieder zu dem Spiel zurückfinden.

Ich komm wieder, keine Frage

Denn natürlich kann ich nicht all meine verfügbare Spielzeit in ein Game versenken. Es gibt viel zu viele gute Spiele, die ich – beruflich wie privat – spielen will oder muss. Manchmal vergehen Wochen, in denen mich mein treuer KI-Begleiter Orbis in "Warframe" nicht zu Gesicht bekommt. Doch irgendwann kommt immer der Punkt, an dem ich mich wieder einlogge – und jedes Mal wieder erschlagen bin von den Möglichkeiten, mit denen ich meine Zeit als Weltraum-Ninja rumbringen kann. Aber: Ich finde auch jedes Mal wieder ein Projekt, auf das ich hinarbeiten kann.

Mein treuer Warframe Inaros wartet schon. fullscreen
Mein treuer Warframe Inaros wartet schon.

Also: Warframe bewaffnen, Sternenkarte öffnen, rein ins Getümmel, Kopf aus – schon hat mich der entspannendste Farming-Loop der Galaxie wieder am Wickel.

6 'Warframe'-Tipps für Einsteiger

"Warframe" klingt wie ein Spiel für Dich? Mit diesen Tipps fällt Dir der Einstieg ein bisschen leichter:

  1. Spiel die Sternenkarte frei: Am Anfang solltest Du alle verfügbaren Missionen einmal spielen – denn dann schaltest Du nach und nach immer mehr Planeten und damit Missionen und Aktivitäten frei.
  2. Such Dir ein Projekt: Guck Dir eine Waffe oder einen Warframe aus, die Du haben willst und farme gezielt die nötigen Materialien – so vermeidest Du Überforderung und hast immer ein Ziel vor Augen.
  3. Besser mit Wiki: Es gibt gut gepflegte Fan-Wikis und Ratgeber-Seiten zu "Warframe". Nutze sie um zum Beispiel herauszufinden, wie Du welche Rohstoffe oder Teile am besten farmst.
  4. Keine Angst vor den anderen: Die "Warframe"-Community ist ein unerwartet herzliches Grüppchen. Hab keine Scheu, Fragen im Ingame-Chat zu stellen – meist bekommst Du sofort eine hilfreiche Antwort. Viele Spieler stehen auch gern bereit, um Dir bei Missionen zu helfen, wenn Du nett fragst.
  5. Nutze Dein Startkapital richtig: "Warframe" ist free-to-play und finanziert sich über eine Echtgeld-Währung namens Platin, mit der Du fast alle erspielbaren Items auch kaufen kannst. Du hast zu Beginn ein kleines Startkapital an Platin, das Du aber nicht für Items ausgeben solltest. Kaufe stattdessen Waffen-Slots und Warframe-Slots für Dein Inventar, damit Du mehr Raum für Deine erspielten Wummen und Kampfanzüge hast.
  6. Lerne handeln: Eine sehr spielerfreundliche Besonderheit von "Warframe" ist, dass Du Platin mit anderen Spielern handeln kannst. Es gibt zwar kein Ingame-Auktionshaus, aber die inoffizielle Website Warframe Market, auf der Du Items feilbieten und Dich dann im Spiel mit Deinen Handelspartnern verabreden kannst.

"Warframe" ist gratis für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch erhältlich.

Welche zukünftigen Updates warten wohl noch im endlosen Weltraum? fullscreen
Welche zukünftigen Updates warten wohl noch im endlosen Weltraum?

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