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Das erste Gameplay von der Xbox Series X enttäuscht – gut so!

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"Assassin's Creed Valhalla": Keine Panik, das wird schon! Bild: © Ubisoft 2020

Microsoft hat erstes Gameplay von der Xbox Series X gezeigt – und viele Reaktionen im Netz sind von Enttäuschung geprägt. Das ist nicht ganz unbegründet, hat aber sein Gutes: Es rückt die Erwartungen an die Next-Gen zurecht. Grafik-Revolutionen wird die neue Konsolen-Generation nämlich erst auf den zweiten Blick bieten.

Marketing in der Gaming-Industrie gleicht einem Hochseilakt: Klar will man die Zielgruppe möglichst heiß auf den Produkt-Release machen. Gleichzeitig legen die Fans jedes Wörtchen auf die Goldwaage.

Am 7. Mai mussten wir Gamer uns wieder ins Gedächtnis rufen, dass Spiele-Werbung auch nur Werbung ist, wie die für Autos oder Waschmittel. Microsoft hat "erstes Gameplay" versprochen, und das gab es zu sehen, wenn auch nur kurz. Selbst wenn Xbox-Manager Aaron Greenberg im Nachhinein zugab, dass es besser gewesen wäre, weniger Vorfreude zu schüren: In der Packung war drin, was drauf gestanden hat. Die Angst vor überhöhten Erwartungen ist vermutlich auch auf die oft übertriebene Geheimniskrämerei der Branche zurückzuführen – wie gesagt, es ist ein Hochseilakt.

"Assassin's Creed Valhalla" und das "Gameplay-Versprechen"

Vor allem von "Assassin's Creed Valhalla" hatten sich Fans mehr erhofft – das gezeigte Gameplay beschränkte sich auf ein paar Sekunden. War nicht eine richtige Enthüllung versprochen worden? Auch Creative Director Ashraf Ismail sieht mittlerweile ein, dass die Fans zurecht mehr fordern. Das gezeigte Material von der Xbox Series X fanden viele Kommentatoren zudem nur mäßig beeindruckend – dabei sollen die gigantomanischen 12 Teraflops Grafikpower doch laut Microsoft ein völlig neues Spielerlebnis bieten.

Ja, der Sprung auf die neue Konsolengeneration wird mit Xbox Series X und PS5 vermutlich spürbar sein – allerdings nicht so plastisch wie damals, als uns die erste PlayStation die dritte Dimension erschloss. Der große Schritt in Sachen Grafik wird zunächst wenig sichtbar sein. Gerade bei Launch-Titeln müssen wir unsere Erwartungen im Zaum halten, das lehrt auch die Erfahrung mit den vorherigen Generationswechseln: Als Xbox One und PS4 starteten, hielt sich der sichtbare Unterschied in den Spielen in Grenzen. Schon beim Sprung auf Xbox 360 und PS3 war allein der Wechsel zu HD-Auflösung ein größerer Hingucker.

Krassere Grafik: Der große Sprung braucht Zeit

Games wie "Far Cry 3" und das "Tomb Raider"-Reboot von 2013 hätte man mir auch auf der Xbox One unterjubeln können, obwohl es sich um späte Xbox-360-Spiele handelt. Die Cross-Gen-Remaster von "GTA 5" und "The Last of Us" unterschieden sich auf der PS4 nur im Detail von ihren PS3-Versionen.

Erst als die Spieleentwickler lernten, mehr und mehr aus der neuen Hardware herauszuholen, veränderte sich die Grafik sichtbar: "L.A. Noir" von Rockstar Games für die PlayStation 3 wäre auf der PS2 undenkbar gewesen. Und das PS4-Spiel "God of War" aus dem Jahr 2018 hätte sich, wenn überhaupt, nur mit erheblichen Abstrichen auf der vorherigen PlayStation realisieren lassen.

Wir haben das Beste noch nicht gesehen

Die Grafik auf der Xbox Series X und PS5 wird trotzdem besser aussehen als jetzt. Die Rechenleistung der neuen Generation ermöglicht mehr Details, realistischere Lichtverhältnisse durch Raytracing und vor allem mehr Leben in den Spielwelten. Der visuelle Realismus wird zudem auf subtile Weise angehoben, etwa durch minimierte Ladezeiten und deutlich besseren Sound. Einen abrupten Sprung in der Grafikqualität ab Ende dieses Jahres können sich Fans allerdings abschminken – oder?

Nun, eines haben wir bisher gar nicht gesehen: Gameplay aus Spielen von First-Party-Studios der Konsolenhersteller. Die Entwickler aus Microsofts und Sonys hauseigenen Softwareschmieden haben besseren Zugriff auf die neue Hardware, müssen zudem im Gegensatz zu Drittherstellern ihre neuen Spiele auch nicht auf möglichst vielen Plattformen zum Laufen bringen. Ihre Games sind optimal auf die individuellen Vorteile von Xbox Series X oder PS5 ausgelegt und holen dadurch aus der Hardware das Beste für die Software heraus.

Geduld ist eine Tugend

Microsoft hat bereits eine spezielle Präsentation mit Titeln der Xbox Game Studios für diesen Sommer angekündigt. Konkurrent Sony hält sich bedeckt, aber bisher waren die Exklusivspiele der Erfolgsgarant der PlayStation. Das wird sich mit der PS5 kaum ändern. Ich freue mich daher nach wie vor auf die kommende Konsolengeneration, die hoffentlich weit mehr als bessere Grafik bietet – und bleibe gespannt, was dieser in jeder Hinsicht außergewöhnliche Sommer bringt.

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