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Die Nintendo Wii U ist am Ende: 5 Gründe für ihr Scheitern

Die Produktion der Wii U wird womöglich Ende 2016 eingestellt.
Die Produktion der Wii U wird womöglich Ende 2016 eingestellt. (©picture alliance / dpa Themendienst 2015)

Die Meldung ist ein Hammer: Schon Ende des Jahres könnte Nintendo die Produktion der Wii U einstellen. Wirklich überraschend käme das leider nicht, denn die Konsole hatte von Anfang an mit großen Problemen zu kämpfen.

Gehen wir mal davon aus, diese Meldung stimmt und Nintendo stellt die Produktion seiner aktuellen Flaggschiff-Konsole tatsächlich zum Jahresende ein. Dann wäre die Wii U offiziell die Nintendo-Konsole mit der kürzesten Lebensspanne und ganz klar die mit dem geringsten Erfolg. Und das Ende käme nicht einmal überraschend. Schon seit Langem zeichnet sich ab, dass die Wii U ein gescheitertes Experiment ist.

Anders als die Wii, die für Nintendo ein großer Erfolg war, hat sich die Wii U mittlerweile zu einem echten Flop für das Unternehmen entwickelt. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben sich im Laufe der letzten drei Jahre summiert. Allerdings möchte ich hier keine wissenschaftliche Analyse des Scheiterns liefern, sondern vielmehr einen sehr subjektiven Eindruck davon vermitteln, warum die Wii U meiner Meinung nach von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

1. Der falsche Name

Was ist die Wii U? Diese Frage stellten sich zu Beginn viele Gamer. Mit der Namensgebung der Konsole hatte sich Nintendo mal direkt ein Eigentor geschossen. Natürlich wollte der Hersteller die Kunden an die sehr erfolgreiche Wii erinnern. Allerdings gelang es Nintendo nicht, die Wii U vor dem Verkaufsstart als eigenständige Konsole zu positionieren. Auf viele User wirkte das Konzept einfach wie ein optionaler Tablet-Controller für die alte Wii. Dass es sich wirklich um eine neue Konsole mit einem ganz neuen Ansatz handelt, verstand damals nicht jeder. Schon das Marketing stand damit unter keinem guten Stern.

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Die Wii war im Gegensatz zum Nachfolger ein großer Erfolg. (©Nintendo 2015)

2. Der Tablet-Controller

Das erste Mal hatte ich Gelegenheit die Nintendo Wii U zu testen, kurz nachdem diese im November 2012 ihren Release gefeiert hatte. Schon damals beschlich mich der Verdacht, dass sich der Tablet-Controller – also DAS zentrale Feature der Konsole – als großer Design-Fehler entpuppen könnte. In der Theorie mochte die Idee, einen Touchscreen mit zusätzlichen Bedienmöglichkeiten zu belegen, gut klingen, in der Praxis war sie das aber selten.

Ein klassischer Controller bietet den Vorteil, dass sich der Spieler mit beiden Augen voll und ganz auf das Geschehen auf dem Fernseher konzentrieren kann, weil ihm die Sticks und Buttons auch ohne hinzusehen jederzeit ein haptisches Feedback bieten. Ein Touchscreen mit seinen virtuellen Buttons lässt sich hingegen nur bedienen, wenn auch der Blick auf diesen gerichtet ist.

Von vorn herein waren Spieler bei der Wii U deshalb gezwungen, ihren Blick vom eigenen Spielgeschehen auf dem TV abzuwenden, um das Spiel steuern zu können. Doch warum eigentlich? Einen echten Mehrwert bietet der zweite Bildschirm auf dem Tablet nicht. Oft werden dort nur Menüs abgebildet, die sich sonst jederzeit über das Drücken des Start- oder Home-Buttons aufrufen lassen. Lediglich einige zaghafte Konzepte, wie das als Launch-Titel veröffentlichte "Zombie U", versuchten seither, aus diesem Korsett auszubrechen.

3. Die schwache Hardware

Als die Wii U Ende 2012 auf den Markt kam, befand sich die Konsole leistungstechnisch gerade einmal auf dem Niveau von PlayStation 3 und Xbox 360. Beide Systeme befanden sich da aber schon am Ende ihrer Lebenszyklen und sollten bald durch neue, viel leistungsfähigere Konsolen abgelöst werden. An dieser Stelle verpasste Nintendo die Chance, zum technischen Vorreiter zu werden. Anstatt neue Games für die Wii U zu produzieren, konzentrierten sich Drittentwickler deshalb darauf, Umsetzungen für ihre PS3- und Xbox 360-Titel anzubieten. Da Sony und Microsoft zu diesem Zeitpunkt schon jeweils rund 70 Millionen Konsolen an den Mann gebracht hatten, genossen diese natürlich bei den Entwicklern den Vorrang vor der Wii U. Spätestens als Ende 2013 dann PlayStation 4 und Xbox One in den Startlöchern standen, mochte sich schon kaum noch jemand mit der Wii U beschäftigen. Acht Jahre nach dem Launch der Xbox 360 waren die Gamer hungrig auf den nächsten großen grafischen Sprung. Mit der Wii U war er nicht zu machen.

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Abseits des Tablet-Controllers bietet die Wii U keine besonders beeindruckende Hardware. (©Nintendo 2015)

4. Die Mangelnde Anpassung der Spiele

An die Punkte 2 und 3 schließen sich quasi alle weiteren Punkte an. Durch den ungewöhnlichen Controller und die relativ schwache Hardware war es für Programmierer von vornherein schwierig, passende Spiele für die Wii U zu entwickeln. In den meisten Fällen bekam die Konsole nur Umsetzungen älterer PS3- oder Xbox 360-Titel geboten. Da diese natürlich in erster Linie an klassische Controller angepasst waren, beschränkte sich der Mehrwert des Tablet-Conrollers fast immer auf einige ausgelagerte Menüs.

Selbst in etlichen First-Party-Titel von Nintendo konnte das Tablet keinen echten Mehrwert bieten. Im Gegenteil: Durch die ungewöhnliche Hardware vergrößerte sich für Programmierer die Hürde, ihre Spiele optimal an die Konsole anzupassen. Mehr und mehr Publisher wandten sich von der Wii U ab, was uns direkt zu Punkt Nummer 5 führt.

5. Zu wenig Support durch Drittentwickler

Der Star auf den Nintendo-Konsolen war schon immer Nintendo selbst. Die hervorragend programmierten Titel der Japaner locken in jeder Generation Millionen von Gamern vor die Bildschirme. Doch abgesehen von den obligatorischen Nintendo-Titeln gibt es auf der Wii U leider kaum Spiele - erst recht keine System-Seller. Schon Mitte 2013, also gerade mal ein halbes Jahr nach dem Launch der Konsole, hatte der Entwickler Electronic Arts angekündigt, die Plattform nicht weiter mit Spielen zu unterstützen. Die Abverkäufe der Konsole und das Interesse der Kunden waren einfach zu schwach.

2014 folgte dann Ubisoft mit einem Quasi-Rückzug, indem der Publisher erklärte, nur noch sehr spezielle Titel für die Wii U zu veröffentlichen. Die beiden populären Publisher sind dabei aber nur Beispiele, denn spätestens seit 2015 ist der Support der Wii U durch Drittentwickler fast vollständig zum Erliegen gekommen. Das war umso bitterer, da selbst die betagten Konsolen PS3 und Xbox 360 zu diesem Zeitpunkt noch regelmäßig mit neuen Games versorgt wurden. Ab diesem Zeitpunkt starb die Wii U quasi einen langsamen Tod, denn eine Konsole ohne Spiele ergibt schlichtweg keinen Sinn.

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Abseits von Nintendo finden sich kaum noch Entwickler für die Wii U. (©CC: Flickr/Farley Santos 2015)

Keine rosige Zukunft für die Wii U

Ganz egal welche Zukunft Nintendo tatsächlich für die Wii U geplant hat, besonders rosig dürfte sie nicht aussehen. Ähnlich wie auch die Xbox One, die beim Launch mit ihrem ursprünglichen Always-Online-Konzept für Verwirrung gesucht hatte, erlebte die Wii U einen schwachen Start. Anders als Microsoft ist es Nintendo jedoch nicht gelungen, die Konsole anschließend wieder auf Kurs zu bringen. Im Gegenteil: Die konzeptionellen Fehler, die der Hersteller zu Anfang gemacht hatte, haben im Laufe der Jahre immer weitere Probleme nach sich gezogen – vor allem was die Spiele-Versorgung anbelangt. Aktuell befinden sich kaum noch große Titel für die Konsole in Planung und angesichts der kommenden Nintendo NX ist es wohl unwahrscheinlich, dass Nintendo in Zukunft noch viel Energie in den glücklosen Wii-Nachfolger investieren wird.

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