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E3 2020 ohne PlayStation: Was Sonys erneute Absage bedeutet

Leere Hallen? Auch 2020 ist PlayStation nicht auf der E3 vertreten.
Leere Hallen? Auch 2020 ist PlayStation nicht auf der E3 vertreten. Bild: © Christopher Duff Photographic 2018

Auch 2020 wird Sony der wichtigen Spielemesse E3 in Los Angeles fernbleiben – dabei bringt der japanische Hersteller in diesem Jahr doch eine neue Spielekonsole auf den Markt. Wie passt das zusammen und was bedeutet das alles für die Electronic Entertainment Expo?

Am Montagabend braute sich etwas zusammen: Der meist gut informierte Gaming-Journalist Jason Schreier von Kotaku deutete per Tweet an, dass Sony erneut der E3 fernbleiben würde. Ein weiterer Insider, Analyst Daniel Ahmad, ergänzte: Man würde noch am selben Tag mehr dazu hören. Wenig später folgte die Bestätigung des japanischen Konzerns gegenüber GamesIndustry.biz: "Nach gründlichen Überlegungen hat Sony Interactive Entertainment entschieden, nicht an der E3 2020 teilzunehmen."

Was bedeutet diese Ankündigung einerseits für den Launch der PS5, der zum Weihnachtsgeschäft erfolgen soll? Und was sagt sie über den Zustand der E3 aus, der ehemals wichtigsten Gaming-Messe der Welt, die in der Krise steckt?

Die E3 in der Krise: Schlechte Zahlen und schwindende Relevanz

Die Besucherzahlen der Electronic Entertainment Expo sind traditionell deutlich geringer als zum Beispiel die der Gamescom in Köln. Die E3 war bis vor Kurzem keine Publikumsmesse, sondern ausschließlich Fachpublikum vorbehalten, erst seit 2017 dürfen in Los Angeles auch Fans die neuesten Spieletrends erleben. Die Eintrittskarten sind deutlich teurer als auf anderen Events dieser Art, dafür ist die E3 auch keine Massenveranstaltung. Zum Vergleich: Zur Gamescom 2019 kamen etwa 373.000 Besucher, zur Paris Games Week 2018 316.000, die E3 2019 zählte 66.000 Besucher.

Sony begründete die Entscheidung gegen die E3 im letzten Jahr damit, dass sich die Welt der Videospiele geändert habe: Seit 1995 war die E3 eine Messe für Fachpresse und Händler. Die Hersteller präsentierten Produkte, die im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft wichtig wurden. "Mittlerweile machen wir im Februar ein Event für den Handel, da die Einkäufer unserer Partner bereits dann die wichtigsten Entscheidungen fällen", so Shawn Layden, damals Chef der Sony-Entwickler-Studios. Eine E3-Präsentation ist da schlicht überflüssig.

Neue Trailer gibt es auch auf anderen Events zu sehen

Auch für die Presse ist die E3 mittlerweile weniger wichtig, da Gaming-News mit dem Aufkommen des Internets rund um die Uhr verfügbar geworden sind. Premieren wichtiger Trailer für neue Spiele gibt es nun auf verschiedenen Events, etwa den immer beliebter werdenden Game Awards im Dezember, auf der Gamescom im Herbst oder einfach zwischendurch – in Formaten wie Nintendos Direct-Präsentationen, Microsofts Inside Xbox oder Sonys State of Play.

Nach der Ankündigung von Sony, auch 2020 nicht an der E3 teilzunehmen, beeilte sich Konkurrent Microsoft auf die eigene Präsentation zur Spielemesse hinzuweisen. Genau genommen hat sich der Xbox-Hersteller allerdings bereits seit einigen Jahren vom E3-Gelände verabschiedet. Stattdessen wird die Microsoft-Show abseits der Messe in einem separaten Gebäude inszeniert. Electronic Arts macht es ebenso, Activision hatte 2019 ebenfalls auf einen eigenen Stand verzichtet.

Datenleck statt Neubeginn

2019 war kein gutes Jahr für die E3. Mäßigen Besucherzahlen folgte ein hausgemachter Skandal: Eine Tabelle mit privaten Adressen und Telefonnummern von über 2.000 Journalisten, Influencern und Fachbesuchern konnte ungeschützt von der Internetseite der Messe heruntergeladen werden. Die Daten wurden auf YouTube und in Online-Foren geteilt, Betroffene berichteten von Belästigungen. Der Messeveranstalter ESA entschuldigte sich daraufhin für die "unangenehmen Umstände".

Dabei sollten Influencer und Presse eigentlich dabei helfen, die E3 wiederzubeleben: Ein geleaktes Konzept zeigt Erlebniswelten für Spiele-Fans und interaktive Zonen. Die Messe soll mit frischen Ideen zu einem Community-Event umgebaut werden, um neue Zielgruppen anzuziehen. Nach dem Sicherheitsleck werden viele Fachbesucher überlegen, ob sie sich erneut anmelden.

Nach der Absage von Sony setzt die ESA aber laut einem Statement trotzdem auf Neubeginn: "Die E3 2020 wird eine aufregende, energiegeladene Show mit neuen Erlebnissen, Partnern, Ausstellungsflächen, Betätigungen und einem Programm, das neue sowie erfahrene Besucher unterhalten wird." Viele Beobachter fürchten aber, dass der Umbau zu einem Event für die Gaming-Community zu spät kommt.

Was bedeutet die Absage für Sony und die PS5?

Bei Sony war man unzufrieden mit den Zukunftsplänen der E3: "Wir haben nicht das Gefühl, dass die Vision der E3 2020 der richtige Ort für das ist, auf das wir uns in diesem Jahr konzentrieren." Stattdessen soll die Präsenz des PlayStation-Konzerns auf "Hunderte von Consumer-Events auf dem Globus" verteilt werden, man will näher an den Spielern dran sein.

"Unser Fokus liegt darauf, dass die Fans sich als Teil der PlayStation-Familie fühlen und Zugang zu ihren favorisierten Inhalten haben", so Sony. "Wir haben ein fantastisches Line-up an neuen Spielen für die PS4, und mit dem kommenden Start der PS5 freuen wir uns auf ein tolles Jahr mit unseren Fans."

Die neue Konsole könnte Sony daher schon sehr bald auf einem eigenen Event vorstellen. Die Japaner sind nun nicht mehr an die E3 im Juni als bisherigen "Pflichttermin" gebunden. Gerüchte sprechen von einer PS5-Enthüllung Anfang Februar, bevor sie im Herbst in den Verkauf geht. Ob die nächste PlayStation auf der Gamescom 2020 in Köln bereits spielbar sein wird, ist aber noch unbekannt.

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