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Epic vs. Apple: Warum es dabei nicht (nur) um "Fortnite" geht

Epic Games hat den Rauswurf seines Spiels "Fortnite" aus dem Google Play Store und dem App Store von Apple provoziert und Klage gegen deren Betreiber eingereicht. Andere Unternehmen wie Spotify solidarisieren sich mit dem Hashtag #freefortnite – der Battle-Royale-Shooter ist im Kampf der Milliarden-Unternehmen aber nur ein Hebel.

Auf den ersten Blick erscheint Epic Games gierig: Mit "Fortnite" hat das Unternehmen laut Sensortower in zwei Jahren etwa eine Milliarde Dollar in Apples App Store umgesetzt, im Google Play Store liegen die Umsätze seit April bei knapp einer Million Dollar. Epic muss 30 Prozent der Einnahmen an die Store-Betreiber abführen und fühlt sich dadurch ungerecht behandelt. Beim Rauswurf aus den App Stores und dem eskalierenden Streit mit den Betreibern geht es aber nur zum Teil um "Fortnite".

Das ist zuvor passiert
  • Epic Games hat überraschend eine neue Zahlungsfunktion in die Mobile-Versionen von "Fortnite" integriert: Spieler können die Ingame-Währung V-Bucks nun direkt bei Epic kaufen.
  • Das Update wurde nicht zur Prüfung bei Apple und Google vorgelegt. Es ermöglicht Verkäufe, bei denen sich Epic die vorgeschriebene Gebühr von 30 Prozent an die App-Store-Betreiber spart.
  • Beides verstößt gegen die Richtlinien der Plattformen. Apple und Google sperrten "Fortnite" daraufhin in ihren App Stores.
  • Epic Games reagierte vorbereitet auf die Sperrung, reichte fast zeitgleich Klage ein und veröffentlichte das "#freefortnite"-Video nach dem Vorbild eines bekannten Apple-Werbespots.

Kartellrecht: Monopolvorwürfe an Apple und Google

Die Sperrung bei Apple und Google und die konzertierte PR-Kampagne mitsamt aufwendiger Persiflage auf einen legendären Apple-Werbespot von Regisseur Ridley Scott scheinen von langer Hand vorbereitet: Millionen enttäuschter Spieler wird bald wegen fehlender Updates der Zugang zu "Fortnite" verwehrt – bis dahin soll klar sein, wer auf der Seite der Verbraucher steht. Epic Games benutzt "Fortnite" als Hebel, um einen Präzedenzfall zu schaffen, und erhebt in seinen Klagen gegen die Plattformbetreiber kartellrechtliche Vorwürfe:

  • Apple benachteilige bestimmte Anbieter und bevorzuge eigene Produkte, was aufgrund seiner Monopolstellung den freien Wettbewerb verhindere – schließlich kontrolliere Apple den Zugang zu Milliarden von Geräten.
  • Google habe die Android-Smartphone-Hersteller LG und One Plus gezwungen, Software-Verträge mit Epic Games abzulehnen, die den Bezug von "Fortnite" ohne Play Store ermöglichen.

Auch andere Unternehmen haben Ärger mit App Stores

Unternehmen wie Spotify und Telegram, die ebenfalls mit der App-Store-Politik von Apple Probleme hatten oder haben, stellen sich hinter Epic Games. Wegen kartellrechtlicher Bedenken laufen gegen Apple zurzeit Untersuchungen vor der EU-Kommission und dem US-Kongress. Ein Vorwurf: Apple nutzt seine Richtlinien, um Apps, die in Konkurrenz zu eigenen Diensten stehen, massiv zu benachteiligen.

Ein Spotify-Sprecher gab gegenüber Macrumours an: "Wir begrüßen die Entscheidung von Epic Games, gegen Apple Stellung zu beziehen, und den Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Apple zu beleuchten. Die unfairen Praktiken von Apple haben Mitbewerber und Verbraucher viel zu lange benachteiligt."

Epic Games klagt nicht auf Schadenersatz und will ausdrücklich keine Ausnahmeregelung. Der zentrale Vorwurf lautet, dass Apple und Google willkürlich entscheiden, was in ihren App Stores angeboten werden darf und Regeln ungleich anwenden. 2016 bot der iPhone-Hersteller Amazon laut Bloomberg einen stark vergünstigten Hinterzimmer-Deal an, um die App Prime Video auf iOS zu bekommen.

Die bei Apple und Google übliche Verkaufsprovision von 30 Prozent ist laut Epic außerdem unverhältnismäßig hoch, vor allem angesichts der hohen Gewinne durch Hardware-Verkäufe. Epic Games hatte im Streit um die Gebühren des PC-Spiele-Marktplatzes Steam einen eigenen Shop etabliert, der statt 30 lediglich 12 Prozent Anteil von verkauften Games verlangt. Steam passte daraufhin seine Verkaufsbedingungen an.

Streit um Cloud Gaming: Unfairer Schutz für Apple Arcade?

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Tim Sweeney, Gründer von Epic Games, zu einem offenen Schlagabtausch zwischen Microsoft und Apple geäußert: Der iPhone-Hersteller blockiert den Zugang zum Xbox Game Pass via Cloud Gaming auf iOS-Geräten, angeblich weil es nicht möglich ist, die angebotenen Spiele einzeln zu prüfen. Auch andere Cloud-Gaming-Apps sind deswegen auf iOS gesperrt. Gestreamte Inhalte von Netflix und Spotify werden allerdings auch nicht einzeln von Apple überprüft. Sweeney wirft Apple ebenfalls vor, Drittanbieter zu benachteiligen, um eigene Produkte, hier Apple Arcade, vor Konkurrenz zu schützen.

Uneigennützig ist das Vorgehen von Epic Games nicht: Selbstverständlich wäre eine niedrigere App-Store-Provision für den "Fortnite"-Anbieter sehr attraktiv. Außerdem würde dessen Unreal Engine, eine Software, die auch zur Programmierung von Mobile-Games genutzt wird, für Entwickler bei niedrigen Gebühren attraktiver – die müssen nämlich zusätzlich zur Verkaufsgebühr fünf Prozent Anteil an Epic Games abführen.

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