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eSport-Event in Berlin: "Rocket League" war noch nie so spannend!

Beim "Veritas College Cup" bewies "Rocket League", dass E-Sport auch in Deutschland gut ankommen kann.
Beim "Veritas College Cup" bewies "Rocket League", dass E-Sport auch in Deutschland gut ankommen kann. (©TURN ON 2017)

In der Kultlocation Berlin Station jubelten Fans vor Ort und per Livestream beim bisher größten "Rocket League"-Turnier in Deutschland ihren Favoriten zu. Der "Veritas College Cup" war locker und lustig, aber auch richtig spannend. TURN ON hat vor Ort mitgefiebert.

"Rocket League" gibt es seit 2015. Entwickler Psyonix hat mit dem Game um Fußball spielende Autos einen echten Hit gelandet: Im ersten Monat wurde es vier Millionen Mal heruntergeladen, inzwischen zocken es mehr als 33 Millionen Spieler. Das Spiel ist leicht zu verstehen, aber schwierig zu meistern – also perfekt für E-Sports! Wir waren in Berlin beim bislang größten deutschen "Rocket League"-Turnier mit dem bisher größten Preisgeld am 18. November dabei.

Leidenschaftliche Fans beim Rocket League Veritas College Cup" in Berlin

Schon die Location passt: Die Station Berlin ist rustikal, es gibt geiles Licht, laute Musik, Burger und Bier (oder Limo) – Gamer-Style. Man kommt an und fühlt sich aufgehoben. Es ist wohl das gleiche Gefühl, das Fußball-Fans haben, wenn sie das Stadion ihrer Herzensmannschaft betreten. Das Publikum sitzt hier auf weich gepolsterten Stühlen, doch so richtig halten wird es sich darauf im Laufe des Abends nicht: Zu spannend sind die finalen Runden in "Rocket League".

In der Station Berlin steigt das bislang größte deutsche "Rocket League"-Turnier. fullscreen
In der Station Berlin steigt das bislang größte deutsche "Rocket League"-Turnier. (©TURN ON 2017)
Veranstalter Dorian Gorr mit dem Pokal, um den die Teams beim "Veritas College Cup" spielen. fullscreen
Veranstalter Dorian Gorr mit dem Pokal, um den die Teams beim "Veritas College Cup" spielen. (©TURN ON 2017)
Im Foyer tummeln sich die Fans an Spielstationen. fullscreen
Im Foyer tummeln sich die Fans an Spielstationen. (©TURN ON 2017)
Zu den virtuellen Autos gesellt sich auch ein echtes... fullscreen
Zu den virtuellen Autos gesellt sich auch ein echtes... (©TURN ON 2017)
...und ein paar gemalte, die als Live-Graffiti an die Wand gesprüht werden. fullscreen
...und ein paar gemalte, die als Live-Graffiti an die Wand gesprüht werden. (©TURN ON 2017)

Die Fans geben bei jedem Match alles, um die Spieler anzufeuern: Sie hämmern aufgeblasene Schlauchklatscher euphorisch aneinander, fiebern mit, leiden mit. Wenn der Ball nur den Pfosten trifft, raunt ein lautes "Ouhhhhhhh" durchs Publikum. Mann, war das knapp! Doch viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, zu gefährlich sind die schnellen Konter bei diesem Autofußball-Spiel. Die Fans kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen zum Event, wie sie uns erzählen. Manche wollen sich Tricks von den Profis abgucken, andere die Berliner Mannschaften anfeuern, ihre Lieblingscaster live sehen oder einfach "einen verdammt geilen Abend mit dem geilsten Spiel überhaupt haben".

Weil sich so viele Teams, die deutsche Universitäten vertreten, beworben haben, fanden im Vorfeld Qualifyings statt. Über den Streamingdienst Twitch konnten die Vorentscheide live mitverfolgt werden. Zum Turnier geschafft haben es am Ende acht Top-Mannschaften, unter anderem aus Berlin, Trier, München und Wuppertal. Insgesamt 16 Spieler wollten in Berlin unter Beweis stellen, dass sie das Zeug zum Pro-Gamer haben. Es geht um Preisgelder im Gesamtwert von mehr als 4000 Euro.

Diese Teams waren beim "Rocket League Veritas College Cup" dabei:

  • SRD
  • Tenacity
  • chilled 2s
  • TMA-eSport
  • Supersonic Avengers
  • teamspirit
  • Team Firewall
  • Team Rocket Science

Gespielt wird 2 gegen 2, Best Out of Five. Heißt: Ein Match geht höchstens über fünf Runden. Wer die meisten Runden gewinnt, kommt im Turnier weiter, der Verlierer scheidet aus. Moderiert werden die Spiele professionell von bekannten Castern wie FisHC0p, Mori09, Baithoven oder Wolverous. Unterstützung gibt es zwischendurch von RLCS-Profis wie Paschy90 oder Freakii.

"Rocket League": Ballakrobaten am Steuer

Vor jedem Spiel werden die Teams professionell mit einem Videoclip vorgestellt und erzählen über ihre Leidenschaft für "Rocket League" und ihre Spielstärken im Team, bevor sie zu Applaus und Dunst aus der Nebelmaschine die Bühne betreten. Dann zeigen sie, was sie drauf haben: Da wird der Ball beim Flug über das gesamte Spielfeld mit Fingerspitzengefühl auf der Motorhaube gedribbelt, Bälle so präzise angeschnitten, dass sie ins Eck gezwirbelt oder in letzter Sekunde mit dem Heck aus Kasten gefischt werden. Ein Rückstand von 4 Toren? Kein Problem in "Rocket League"! Gewonnen hat man erst nach dem Abpfiff, wenn der Ball wieder den Boden berührt. Wahrscheinlich sind die Games auch deshalb so spannend, weil jederzeit alles möglich ist.

Team Firewall verlor das Viertelfinale gegen den späteren Sieger chilled2s, war aber mit Leidenschaft dabei. fullscreen
Team Firewall verlor das Viertelfinale gegen den späteren Sieger chilled2s, war aber mit Leidenschaft dabei. (©TURN ON 2017)
Expertentalks zwischendurch: RLCS-Profi Paschy90 zwischen den Castern FisHC0p (links) und Baithoven (rechts). fullscreen
Expertentalks zwischendurch: RLCS-Profi Paschy90 zwischen den Castern FisHC0p (links) und Baithoven (rechts). (©TURN ON 2017)
Super spannendes Halbfinale zwischen SRD und Tenacity. Die Aerials beider Teams konnten sich sehen lassen. fullscreen
Super spannendes Halbfinale zwischen SRD und Tenacity. Die Aerials beider Teams konnten sich sehen lassen. (©TURN ON 2017)

Die Viertelfinales waren schon ein guter und rasanter Einstieg, doch beim Halbfinale zwischen SRD und Tenacity bebt schließlich die Halle. Nach dem zweiten Match steht es 1:1, in Match Nummer drei entscheiden sich beide Teams für ein enorm offensives Spielverhalten, was dazu führt, dass fünf Mal hintereinander erst der Pfosten auf der einen Seite getroffen, der Ball dann auf der anderen Seite noch auf der Linie geklärt wird und es wieder zurück geht. "So viel Spannung hat keine Steckdose" sagt Kommentator Mori und trifft es damit. "So muss Rocket League sein, so muss E-Sports sein". Am Ende zieht Tenacity knapp aber verdient ins Finale ein.

Das Finale: Tenacity gegen Chilled2s

Gegen Tenacity steht Chilled2s im Finale. Unter großem Beifall kommen die Spieler auf die Bühne. Von der ersten Minute an ist das Match spannend, viele Torschüsse gehen knapp vorbei, doch ebenso viele treffen den Kasten. In der ersten Runde geht es nach einem 4:4 in die Overtime, Tenacity schafft das Golden Goal nach knapp einer Minute. Die Fans werden lauter, klatschen rhythmisch, feuern beide Teams an, die hier ein großartiges Match hinlegen.

 Finale! Die Spieler betreten unter großem Applaus die Bühne. fullscreen
Finale! Die Spieler betreten unter großem Applaus die Bühne. (©TURN ON 2017)

Runde 2: Chilled2s legt vor, Tenacity rettet kurz danach auf der Linie den zweiten Gegentreffer, nur um einen schnellen Konter einzuleiten und den Ausgleich zu erzielen. Chilled2s kommt danach so richtig in Fahrt und knallt Tenacity zwei präzise Treffer direkt ins Eck. 3:1, noch zwei Minuten auf der Uhr. Anschlusstreffer Tenacity, der Druck auf die Spieler wird größer, beide Teams kämpfen um jeden Ball, um jeden Boost. Noch 30 Sekunden auf der Uhr, Chilled2s spielt auf Zeit und schlägt viele hohe Bälle. Die Strategie geht auf, die Uhr tickt runter, Punkt für Chilled2s. Es steht 1:1.

Nervenkitzel bis zum Schluss

Auch Runde 3 ist absolut ausgeglichen, jeder Angriff ist superknapp. Beide Teams schaffen je ein Tor. Als nur noch eine Sekunde auf der Uhr steht, schafft es der mit 16 Jahren jüngste Spieler des Turniers, SiiZLoo von Chilled2s, den Ball zu versenken. Vielleicht waren die Jungs danach noch zu beflügelt von diesem klasse Treffer, denn zu Beginn von Runde 4 steht ihr Tor komplett leer, sodass Tenacity nur einschieben muss, um in Führung zu gehen. Doch es dauert kaum 30 Sekunden, bis Chilled2s diesen Fehler wieder ausgleicht. Wir sehen durchdachte Angriffe, grandiose Torschüsse. Chilled2s verwandelt, 2:1, 3:1. Jetzt geht es nur noch darum, wer die besseren Nerven hat. Es sind noch drei Minuten zu spielen als Tenacity zum 3:2 aufschließt.

Chilled 2s sichert sich den Sieg

Doch dann zittern die Nerven. ImaginE von Tenacity will klären, doch er trifft den Ball nicht richtig, Eigentor. Es steht 4:2. Nach einem präzisen Angriff kann Chilled2s seinen Vorsprung auf 5:2 ausbauen. Tenacity kämpft, doch die Luft ist raus, der Spielfluss gebrochen. Chilled2s erhöht auf 6:2, dann 7:2. Das ist bitter für die Münchner von Tenacity, die sich nun doch geschlagen geben müssen. Chilled2s gewinnt den ersten Veritas College Cup und sichert sich damit 2000 Euro Preisgeld. "Wir sind so erleichtert", sagen die Jungs nach ihrem Sieg und atmen auf. "Der ganze Druck fällt ab, unser Ziel ist erreicht". Glücklich stemmen sie ihren großen Pokal in die Höhe. Bisher haben sie sich keine Gedanken darüber gemacht, wo sie die Trophäe hinstellen. Aber was sie mit dem Geld anstellen, wissen sie schon: "Ich werde auf jeden Fall meinen Eltern etwas abgeben", sagt SiiZLoo. Sein Teamkollege Gnagflow06 LFT möchte sich davon den Führerschein finanzieren.

Das Finale zwischen Chilled2s und Tenacity war ausgeglichen und sehr spannend. fullscreen
Das Finale zwischen Chilled2s und Tenacity war ausgeglichen und sehr spannend. (©TURN ON 2017)
Der Moment des Sieges: Chilled2s sind erleichtert, der Druck fällt ab. fullscreen
Der Moment des Sieges: Chilled2s sind erleichtert, der Druck fällt ab. (©TURN ON 2017)
Siegerfoto mit Pokal: SiiZLoo und Gnagflow06 LFT von Chilled2s. fullscreen
Siegerfoto mit Pokal: SiiZLoo und Gnagflow06 LFT von Chilled2s. (©TURN ON 2017)

Hat "Rocket League" das Potenzial zum Massensport?

Insgesamt waren etwa 500 Fans in der Station zu Gast. Das ist noch keine riesige Zahl, doch die Stimmung war super. Hier entsteht etwas, das groß werden könnte. Das "Rocket League"-Event war das erste Turnier, das Veritas Entertainment, eine neue E-Sports-Agentur aus Berlin, veranstaltet hat. "Wir haben heute gesehen, dass 'Rocket League' als E-Sport in Deutschland funktioniert", so Dorian Gorr, CMO von Veritas Entertainment gegenüber TURN ON. "Unsere Firma gibt es erst seit zwei Monaten, doch es hat sich total gelohnt, volles Risiko zu gehen und das Event groß aufzuziehen. Was uns die Fans heute an Stimmung und Enthusiasmus zurückgegeben haben, ist unbeschreiblich." Die Firma hat ein klares Ziel: E-Sports in Deutschland groß machen. "Das Turnier war erst der Anfang. Bald eröffnen wir eine eigene E-Sports-Location mitten in Berlin. Außerdem werden wir drei bis vier große Turniere pro Jahr starten. Dann geht es nicht mehr nur um 'Rocket League', sondern auch um andere große E-Sports-Games."

Wir sind gespannt, wie es weiter geht. Dass da was geht, hat der erste College Cup in Berlin schon einmal deutlich gezeigt.

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