Ex-BioWare-Autor: "Bessere Grafik sorgt für schlechtere Geschichten"

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Der ehemalige BioWare-Autor Drew Karpyshyn plaudert in einem neuen Podcast ein wenig aus dem Nähkästchen über seine ehemalige Arbeit bei dem Studio. Dabei sorgt er vor allem mit einer Aussage zum Zusammenhang zwischen hochwertiger Optik und mäßigen Game-Storys für Aufsehen.

Die enormen Kosten von grafisch aufwändigen AAA-Titeln sind mit dafür verantwortlich, dass das Stortelling in modernen Games leidet – diese interessante Behauptung stellt Karpyshyn, der als Autor an "Star Wars: Knights of the Old Republic" und den ersten beiden "Mass Effect"-Teilen beteiligt war, in dem Podcast The Inner Circle auf.

Kleine Änderungen kosten richtig viel Geld

Karpyshyn sieht vor allem in der Fokussierung auf atemberaubende Grafik ein Problem. Dank Motion-Capturing und detailreichen Animationen sähen Games-Charaktere zum Beispiel besser aus als je zuvor. Das habe aber seinen Preis: Wenn auch nur kleine Änderung in der Story gemacht wird, müsse etwa das Motion-Capturing wiederholt und der Text neu eingesprochen werden. Das koste enorm viel Zeit und Geld – Ressourcen, die in der Spieleproduktion besonders knapp sind. Deshalb fehlt es vielen Geschichten laut Karpyshyn an Tiefe und die Autoren hätten wenig Möglichkeiten, verschiedene Optionen auszuprobieren.

Hohe Kosten führen zu weniger Inhalten & weniger Entscheidungsfreiheit

Konkret hat das für das Storytelling von Spielen zwei Folgen: Zum einen wird der Inhalt eingekürzt, was sich häufig in einer eher kleinen Zahl von handelnden Charakteren wiederspiegelt. Zum anderen leiden die Entscheidungsmöglichkeiten.

Als Beispiel führt Karpyshyn "Baldur's Gate 2" an. Hier gibt es eine Mission, in der der Spieler entscheiden muss, ob er eine Insel über ein Portal oder ein Schiff verlassen möchte. Die Wahl eröffnet einen völlig neuen Handlungsstrang, den etwa 50% aller Spieler gar nicht zu sehen bekommen. Die Kosten für einen Geschichts-Zweig, den nur die Hälfte aller Spieler überhaupt spielt, sei heute für Studios nicht mehr tragbar – denn die Produktionskosten wären viel zu hoch.

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