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"FIFA"- oder "PES"-Fan? Dann schau Dir dieses Buch unbedingt an

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"Fußballgames" zeichnet die Geschichte von Sport-Simulationen wie "FIFA" und "PES" nach.

Im September rollt endlich wieder der virtuelle Ball: "FIFA 20" und "eFootball PES 2020" erscheinen. Möchtest Du auch bei Deiner Lektüre nicht auf "FIFA" und "PES" verzichten? Dann haben wir einen Buchtipp für Dich: "Fußballgames" von Markus Böhm und Danial Montazeri, erschienen bei – Reclam.

Reclam – ist das nicht dieser Verlag mit den kleinen gelben Bändchen, die Du im Deutschunterricht immer lesen durftest? Genau. Neuerdings hat der Verlag aus Ditzingen bei Stuttgart aber auch grüne Büchlein im Angebot: die "100-Seiten-Reihe". Hier geht es nicht um Literaturklassiker, sondern um ein bestimmtes Thema, auf 100 Seiten. Zum Beispiel: Gladiatoren, der Ötzi – und seit Kurzem auch Fußball-Videospiele.

"Anekdoten und Fakten, die selbst langjährige Zocker überraschen dürften"

"Fußballgames" heißt eine der neuesten Ausgaben aus Reclams 100-Seiten-Reihe, laut Klappentext das erste Buch über das Phänomen "FIFA" und "Pro Evolution Soccer" überhaupt. Neben einer Beschreibung des Lebensgefühls "FIFA" versprechen die Autoren Markus Böhm und Danial Montazeri von Spiegel Online auch "Anekdoten und Fakten, die selbst langjährige Zocker überraschen dürften".

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The One and Only: "International Superstar Soccer Deluxe" fürs Super Nintendo.

Zur Zielgruppe der interessierten Zocker würde ich mich durchaus zählen. Mein erstes Fußballgame, das ich intensiv zockte, war Mitte der 1990er-Jahre "International Superstar Soccer Deluxe" auf dem Super Nintendo. Der wegweisende Konami-Titel, wohl für immer mein All-Time-Lieblingsspiel, kommt völlig zurecht auch regelmäßig im Buch vor. Seitdem habe ich Fußballgames aller Art gespielt und das Geschehen in der und um die Bundesliga verfolgt.

Entsprechend neugierig war ich, was mir "Fußballgames" noch Unbekanntes zum Thema erzählen könnte. Wie sich herausstellte: eine ganze Menge!

Genre-Geschichte: Als "FIFA" noch unwichtig war

Standesgemäß eröffnet wird das Buch durch die Historie des Genres Videospiel-Fußball. Zwischen Episoden rund um die lustigen ersten Gehversuche auf Heimcomputern und Co. wird dieses Kapitel stellenweise auch überraschend ernst.

Einige Passagen, zur Entstehung des ersten "FIFA" etwa, haben mich an "Blood, Sweat, and Pixels" von Kotaku-Autor Jason Schreier erinnert (das in "Fußballgames" auch als Lektüretipp vorkommt). Ähnlich wie Schreier beschönigen Böhm und Montazeri den teils grausigen Alltag eines Game Designers nicht.

Fußball-Videospiel-Cartridges fürs Super-Nintendo: "Kick Off", "FIFA", "Lothar Matthäus Super Soccer", "Sensible Soccer", "Super Soccer", "International Superstar Soccer Deluxe". fullscreen
In den 1990ern war die Welt des Videospielfußballs divers: Hier eine Auswahl an Fußballgames fürs Super Nintendo, darunter das erste "FIFA", eine Version des altehrwürdigen "Sensible Soccer", der SNES-Launchtitel "Super Soccer" sowie der Exot "Lothar Matthäus Super Soccer" (in England veröffentlicht als "Manchester United Championship Soccer").

Entwickler Jan Tian zum Beispiel war maßgeblich am allerersten "FIFA" (1993) beteiligt. Im Buch berichtet er, wie ihn die endlose Arbeit am Game geistig und körperlich an seine Grenzen führte. Zeitweise habe der Release sogar auf der Kippe gestanden: "FIFA" hatte bei Publisher EA damals wenig Priorität, so Tian. Heute undenkbar.

Joypad-Philosophie: Warum zocken wir "FIFA" und "PES"?

Die Autoren Böhm und Montazeri stellen in "Fußballgames" auch die Frage, warum wir schon seit gut 25 Jahren jedes Jahr aufs Neue dem virtuellen Gekicke frönen. Eine der vielen Beobachtungen hierzu fand ich besonders bemerkenswert – sie stammt aus dem eigenen Leben der Autoren und dürfte für viele Gamer hohen Wiedererkennungswert haben.

Die Autoren erzählen, dass sie sich als Schüler und Teenies selten nur zum Quatschen getroffen hätten. Stattdessen brauchte es immer eine Unternehmung, einen Plan. Und dieser hieß oftmals: Fußball-Videospiele zocken. Während der harten Matches kam es dann natürlich zu Gesprächen – über Fußball, Gaming und nicht selten über eigene Sorgen und Nöte. Böhm und Montazeri nennen das: "Games als Schmiermittel".

Für den Couch-Smalltalk: 5 kuriose Fakten rund um "Fußballgames"

  1. Lionel Messi feierte nach dem Sieg der Champions League 2011 im Flieger nicht mit den Kameraden, sondern spielte PlayStation.
  2. Die PC-Version von "FIFA 2000" enthält einen Cheat-Code, nach dessen Aktivierung die Spieler willkürlich von einem Ufo entführt werden.
  3. Shinji Kagawa bezwang einst einen "PES"-Programmierer, Nuri Sahin sogar Pro-Gamer Michael "MegaBit" Bittner.
  4. "FIFA 14" gibt es für 13 Plattformen, "FIFA Soccer '95" dagegen war ein Sega-Exclusive und erschien nur für Mega Drive und Game Gear.
  5. "Pro Evolution Soccer 2007" gab es nie.

Fazit: If it's in the Game, it's in the Book!

Selbst beim Überfliegen dieses Artikels dürfte deutlich werden: Ich habe die Lektüre von "Fußballgames" sehr genossen und kann das Buch nur jedem und jeder auch nur halbwegs Interessierten empfehlen.

Es gibt einfach viel zu entdecken im Buch, auch zusätzlich zur erwähnten Genre-Geschichte und philosophischen Erörterungen rund um die Frage "Warum zocken wir 'FIFA'?".

"Fußballgames" beleuchtet unter anderem den ewigen Kampf "FIFA" gegen "PES", den Mythos Momentum oder die Faszination "Ultimate Team". Spannende Themen sind auch der schwierige Stand von "FIFA" und "PES" als E-Sport-Titel und Ausflüge in die verrückte Social-Media-Welt von "FIFA". Die typisch kompakte Reclam-Haptik rundet den Lesespaß ab.

Danke an dieser Stelle auch an die Autoren Markus Böhm und Danial Montazeri, die uns selbst ein Rezensionsexemplar des Buchs sowie zahlreiche Bilder schickten.

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