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Games sind die Zukunft! 9 Ideen zum Videospiel von morgen

Wie werden wir in Zukunft spielen? Eines ist sicher: Längst nicht immer mit Gamepads!
Wie werden wir in Zukunft spielen? Eines ist sicher: Längst nicht immer mit Gamepads! (©Freepik/Flaticon.com 2017)

In Berlin wird die weltgrößte Sammlung von Computerspielen zusammengetragen, staatlich gefördert. Die Begründung: "Der Deutsche Bundestag unterstreicht mit seiner Unterstützung die große Bedeutung der Bewahrung dieses kulturellen Erbes." Aber was wird die Zukunft des Gamings bringen? Neun Thesen jenseits der Technik.

1. Du wirst immer spielen

 Wird Gaming in Zukunft zur Dauerbeschäftigung? fullscreen
Wird Gaming in Zukunft zur Dauerbeschäftigung? (© 2017)

Andrew Wilson, CEO von Electronic Arts, ist überzeugt: Es wird nicht mehr lange dauern, und dann werden Spiele personalisiert sein, wie die Playlist bei Spotify. Jede Fahrt im Auto wird die Skills bei "Need for Speed" verbessern, jedes gelungene Kochmenü die Punktezahl bei "Sims" steigern, Kampfsport die Fitness beim Lieblingsshooter verbessern und Fußballtraining Auswirkungen auf "FIFA" haben. Das Spiel, sagt er, wird in der Minute starten, in der man das Bett verlässt – aber vielleicht tankt der Kämpfer sogar neue Energie, während er schläft.

2. Du bist eine Frau

 Spielerinnen und weibliche Avatare werden im Gaming immer wichtiger. fullscreen
Spielerinnen und weibliche Avatare werden im Gaming immer wichtiger. (© 2017)

Obwohl heute drei Viertel aller Spiele-Entwickler männlich sind: Die Zukunft ist weiblich. Bereits jetzt hat sich der Anteil der Frauen in der Industrie verdoppelt. Mittlerweile gibt es sogar echte Stars unter ihnen, wie Jade Raymond, die "Assassin’s Creed" mitentwickelt hat, und "Uncharted"- Autorin Amy Hennig. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass Frauen mittlerweile auch Heldinnen in Spielen sind – etwa Aloy in "Horizon Zero Dawn".

3. Deine Konsole wird sterben

 Stirbt die Konsole wie wir sie kennen aus? fullscreen
Stirbt die Konsole wie wir sie kennen aus? (© 2017)

In zehn Jahren wird es Konsolen nicht mehr geben, sagt der Spieleproduzent Don Daglow. Grund sei, dass die Plattformen nicht flexibel auf neue Entwicklungen reagieren könnten. Allerdings würden Konsolen ihren Charakter ändern – und so eventuell neu auferstehen. Und auch, wenn viele der neuen Geräte auf den ersten Blick so aussähen: Es werde keine Next-Gen-Geräte mehr geben. Stattdessen aber regelmäßige Updates – wie beim Smartphone

4. Du bist frei

 Offene Welten sind schon heute ein Bestandteil vieler Games. fullscreen
Offene Welten sind schon heute ein Bestandteil vieler Games. (© 2017)

Weil die Entscheidungsfreiheit nur bis zu einem bestimmten Punkt gilt, finden viele bekannte Spiele heute in einer "Controlled World" statt, die Offenheit nur simuliert. Im Gegensatz dazu gibt es immer mehr Spiele, die in einer "Engaged World" stattfinden, etwa "Zelda". Der Spieler kann sich hier sogar überlegen, ob er die Aufgaben überhaupt so lösen will, wie vom Spiel vorgesehen. Das führt dazu, dass das Spiel selbst ein großes Abenteuer wird – und Spieler dort ihre eigene Geschichte schreiben können. So kann man zukünftig nicht nur Erfahrungen machen, die die Entwickler nicht vorhergesehen hatten, sondern das Spiel auch jahrelang spielen, ohne je alles erlebt zu haben.

5. Du bist Dein Avatar

 Wer wir im Spiel sein wollen, beeinflusst auch, wer wir im echten Leben sind. fullscreen
Wer wir im Spiel sein wollen, beeinflusst auch, wer wir im echten Leben sind. (© 2017)

Studien (unter anderem aus Stanford) belegen, dass übergewichtige Menschen schlanke Avatare wählen und sich danach tatsächlich schlank fühlen. Auch kleine Menschen, die große Avatare haben, treten in Verhandlungen selbstsicherer auf. Zudem sind Spieler, deren Avatare Superkräfte haben, nach dem Spiel empathischer und hilfsbereiter als diejenigen, deren Avatare einfach nur normale Typen waren. Immer mehr Südkoreaner versuchen daher, ihr eigener Avatar zu sein: Das Land hält den Pro-Kopf-Rekord in Schönheitsoperationen – die Avatar-Logik überträgt sich ins Reale.

6. Du denkst wie ein Spiele-Designer

 Games gehorchen ihren eigenen Regeln. Wenn Videospiele immer wichtiger werden, müssen wir diese Regeln verstehen lernen. fullscreen
Games gehorchen ihren eigenen Regeln. Wenn Videospiele immer wichtiger werden, müssen wir diese Regeln verstehen lernen. (© 2017)

Geschichte wird wesentlich durch Kulturgeschichte bestimmt, also Literatur, Theater und schließlich Kino. Das wichtigste Medium von morgen ist das Videospiel. Der Videospiele-Designer Eric Zimmerman rät deshalb: Wir müssen lernen, wie Spiele-Entwickler zu denken, um die Welt um uns herum noch zu verstehen. Denn die bisherigen Medien würden ausschließlich rezipiert, Spiele dagegen müsse man aktiv gestalten. Sie seien das erste interaktive System, das der Mensch entwickelt habe. Da der schnelle technologische Wandel aber nie zur Stabilität des Systems führen werde, sei es unerlässlich, sich ständig an neue Gegebenheiten anzupassen.

7. Du bewegst Dich an echten Orten – auf dem Sofa

 Die VR-Brille ist erst der Anfang ... fullscreen
Die VR-Brille ist erst der Anfang ... (© 2017)

Bisher hat Virtual Reality ein Problem: Sie sieht falsch und erfunden aus. Eben wie eine Computeranimation. Die Fotogrammetrie wird das ändern: Sie bildet reale Orte so ab, wie sie sind, ohne bloß eine Fototapete zu sein. Die Methode ist über einhundert Jahre alt und wird eigentlich in der Archäologie benutzt, um die räumliche Lage und dreidimensionale Form von Objekten anhand von Fotos zu bestimmen. Dazu muss der Ort Hunderte Male überlappend abfotografiert werden – mit einer normalen Kamera. Die Software, die das deutsche Start-up realities.io entwickelt hat, rechnet die Bilder in ein 3D-Modell um. Irgendwann sollen sich die Nutzer mit Realities durch die ganze Welt bewegen können. Neben der Zentrale in Berlin hat das Unternehmen auch ein Büro im Silicon Valley.

8. Du wirst in der Kneipe spielen

 Arcade-Maschinen halfen einst, Gaming zum Massenphänomen zu machen. Gehört ihnen auch die Zukunft? fullscreen
Arcade-Maschinen halfen einst, Gaming zum Massenphänomen zu machen. Gehört ihnen auch die Zukunft? (© 2017)

Davon ist zumindest Edwin Schlossberg überzeugt. In New Jersey hat er das "ESC Game Theater" gegründet, in dem dutzende Spieler gleichzeitig Basketball spielen oder versuchen, einen Bienenstock zu organisieren. Moderne Games, sagt er, seien leider darauf angelegt, Spielern tolle Erlebnisse nur allein zu bieten. Aber Social Gaming bestehe nicht darin, online mit anderen zu spielen, sondern direkt zu seinem Mitspieler in die andere Ecke des Raumes zu gehen. US-Medien nennen seine Spielhalle "Arcade of the Future" oder "The Future of Entertainment".

9. Indie ist der neue Blockbuster

 Entwickler und Gamer kommunizieren immer direkter miteinander. fullscreen
Entwickler und Gamer kommunizieren immer direkter miteinander. (© 2017)

Seiten wie itch.io boomen: Dort gibt es nicht nur Spiele für jeden Geschmack, sondern viele werden auch in einem "Zahl, was es dir Wert ist"-Modell angeboten. Und obwohl itch.io im letzten Jahr knapp 400.000 Dollar an Entwickler ausbezahlt hat: In Zukunft wird es immer weniger teure Großproduktionen geben. Im Gegenzug werden kleinere Projekte für kleinere Zielgruppen den Markt bestimmen, die individuelle Vorlieben bedienen.

Diese und weitere Geschichten findest Du auch in der aktuellen Ausgabe des TURN ON Magazins 05/17, das in allen SATURN Märkten kostenlos ausliegt.

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