Gaming-Headsets sind jetzt richtig gut – allen Vorurteilen zum Trotz

Bei TURN-ON-Redakteur Andreas haben sich über die Jahre einige Gaming-Headsets angesammelt.
Bei TURN-ON-Redakteur Andreas haben sich über die Jahre einige Gaming-Headsets angesammelt. (©TURN ON / Andreas Müller 2018)
Andreas Müller Hat im vergangenen Jahr so viele Smartphones getestet, dass er einen Orden verdient hätte.

Noch immer halten viele Audio-Liebhaber Gaming-Headsets für überteuerte Bass-Monster mit Nuschel-Mikrofonen. Doch die Zeiten haben sich geändert: Inzwischen sind hochwertige Gaming-Headsets mit sehr guten Mikros erhältlich – zu durchaus fairen Preisen. Es ist Zeit zum Umdenken.

Was ist ein "Gaming"-Kopfhörer? Ist das nur ein Begriff, der von Herstellern dazu missbraucht wird , "um entweder höhere Preise zu rechtfertigen oder um eigentlich schlechtere Eigenschaften noch als Features zu verkaufen", wie Igor Wallossek Anfang 2015 bei Tom's Hardware schrieb? Gamer sollten Wallossek zufolge lieber zu "ordentlichen Stereo-Kopfhörern samt externem Mikrofon" greifen.

Razer Kraken
Das alte Razer Kraken USB enttäuschte mit bassig-schwammigem Sound und billiger Plastik-Verarbeitung – das Razer Kraken Pro V2 ist schon viel besser.

PC Gamer sah das Ende August 2018 noch immer so: Die Verarbeitungsqualität der Gaming-Headsets sei "oft insgesamt weniger wertig", die Klangabstimmung "oft zu Bass-intensiv" und für den Markennamen verlangen die Hersteller auch noch einen Aufpreis.

Ich bin selbst jemand, der eine gute Soundqualität zu schätzen weiß und der schon einige Hi-Res-Kopfhörer hatte und hat. Ich besitze außerdem mehrere Gaming-Headsets. Und ich komme zu einer anderen Einschätzung.

Die Tage der schlechten Gaming-Headsets sind gezählt

Zwar waren Gaming-Headsets tatsächlich einst zum größten Teil überteuert und qualitativ fragwürdig, aber heute gibt es schon viele Exemplare, die sich nicht mehr vor guten Hi-Res-Kopfhörern verstecken müssen. Außerdem sind Gaming-Headsets erhältlich, deren spezifische Abstimmung für kompetitive Online-Spiele und für andere Zwecke echte Vorteile bieten und deren Klang eben nicht sinnlos "verfälscht" ist.

Das Astro A50 Wireless kann es mit Hi-Fi-Kopfhörern aufnehmen.

Es ist nicht nötig, mir das einfach zu glauben. Die US-Amerikaner von Rtings.com machen sehr aufwändige technische Tests von Kopfhörern mit zahlreichen Messungen, darunter von Gaming-Headsets. In der für Hi-Fi-Qualität relevanten Kategorie "Critical Listening" finden sich gleich mehrere Gaming-Headsets unter den Top-Modellen – direkt neben hochwertigen Stereo-Kopfhörern wie dem Beyerdynamic DT 1990 Pro.

Hi-Fi-Qualität ist kein Fremdwort mehr

So sollen das Astro A50 und das Plantronics RIG 800LX insgesamt etwa dieselbe Audioqualität in der Hi-Fi-Kategorie erreichen wie der Profi-Kopfhörer von Beyerdynamic. Sie klingen laut Rtings sogar minimal besser als die sündhaft teuren Audeze LCD2-Classic, die für 900 Euro angeboten werden. Klar, es gibt Unterschiede bei der Abstimmung und das Klangempfinden hängt auch vom individuellen Nutzer ab. Soweit sich das mit technischen Klangtests ermitteln lässt, schlägt sich so manches Gaming-Headset aber bereits hervorragend.

Das Astro A50 ist für 300 Euro zu haben und das Plantronics-Headset für 170 Euro – zu teuer sind die Gaming-Headsets also nicht, im Gegenteil. Weit oben befindet sich auch das Hi-Res-zertifizierte SteelSeries Arctis Pro mit GameDAC für um die 220 Euro, das dieselbe Sound-Wertung erhielt wie die unter Audiophilen berühmten AKG Q701.

Das SteelSeries Arctis Pro mit GameDAC ist Hi-Res zertifiziert.

Aus eigener Erfahrung kann ich die hohe Soundqualität der SteelSeries Arctis 7 und der Sennheiser Game One bestätigen, die laut Rtings auf einem Niveau mit den beliebten Audio-Technica ATH-M50x liegen. Beide sind eben keine boomigen Bassmonster, sondern Hi-Fi-typisch neutral abgestimmt – sie geben Klänge detailliert und differenziert wieder. Wer sparen möchte: Die 80 Euro günstigen Logitech G433 haben dieselbe "Critical Listening"-Wertung von 7,9 Punkten kassiert.

Dann gibt es noch Gaming-Headsets wie die geschlossenen Sennheiser Game Zero, die einen schwachen Bass und angehobene Höhen bieten. Das hat beim Spielen einen praktischen Nutzen: So können Zocker von Online-Multiplayer-Ego-Shootern ihre Gegner besser im Raum orten und ihre Schritte hören. Bei einigen Gaming-Headsets wie bei meinem Skullcandy SLYR ergibt aber auch die Betonung von Bass und Mitten Sinn, weil so Action-Spiele und -Filme mehr Spaß machen.

Auch Surround-Simulation und Mikrofone überzeugen inzwischen

Der Gaming-Kopfhörerverstärker Sennheiser GSX 1000 liefert eine besonders gute Surround-Simulation.

Was die angeblich den Klang verfälschenden Surround-Simulationen angeht: Selbst Paul "The Audiophile Man" Rigby, der seine Zeit mit dem Testen von viele tausend Euro teurem Hi-Fi-Equipment verbringt, fand großen Gefallen an dem Kopfhörer-Verstärker Sennheiser GSX 1000, der virtuellen Srround-Sound liefert, und lobt explizit dessen "immersive Performance, die dem Gaming eine neue Dimension verleiht".

Gaming-Headsets wie das Beyerdynamic MMX 300 II sind mit tollen Mikros ausgestattet.

Die Mikrofone haben inzwischen ebenso ein hohes Niveau erreicht – man denke nur an das Konsensatormikrofon mit Nierencharakterisik, das Beyerdynamik an das Gaming-Headset MMX 300 2 geschraubt hat – bislang hat noch jeder Tester die gute Qualität der Sprachübertragung gelobt. Auch die Sennheiser-Mikros werden regelmäßig gewürdigt.

Im Übrigen: Sennheiser und Beyerdynamic sind etablierte Hersteller von Hi-Fi-Kopfhörern, also ist es kein Wunder, dass auch viele ihrer Gaming-Headsets überzeugen. Inzwischen hat sogar Nobel-Hersteller Audeze mit dem Mobius sein erstes Gaming-Headset mit magnetostatischen Hi-Fi-Treibern (!) auf den Markt gebracht.

Der Favorit von Andreas ist das Wireless-Headset SteelSeries Arctis 7 2019 mit Top-Leistung zum Preis von 180 Euro (UVP).Der Favorit von Andreas ist das Wireless-Headset SteelSeries Arctis 7 2019 mit Top-Leistung zum Preis von 180 Euro (UVP).
Der Favorit von Andreas ist das Wireless-Headset SteelSeries Arctis 7 2019 mit Top-Leistung zum Preis von 180 Euro (UVP).

Fazit: Zeit zum Umdenken!

Niedrige Qualität, schlechter Klang und zu hoher Preis? Während sich das von früheren Gaming-Headsets noch behaupten ließ, gibt es inzwischen viele hochwertige Modelle zu guten Preisen, die den Mythos zu Grabe tragen. Gaming-Headsets sind richtig gut geworden.

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