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"Half-Life: Alyx" ist der bislang beste Grund für eine VR-Brille

"Half-Life: Alyx" wurde für die Virtuelle Realität gemacht. Das merkt man.
"Half-Life: Alyx" wurde für die Virtuelle Realität gemacht. Das merkt man.

"Half-Life: Alyx" markiert nicht nur die Rückkehr einer der legendärsten Spiele-Reihen aller Zeiten. Das VR-Spiel zeigt auch, warum Gaming in Virtual Reality vielleicht doch der ganz große Wurf sein könnte.

Sage und schreibe 13 Jahre sind vergangen, seit es mit "Half-Life 2: Episode Two" zum letzten Mal ein Lebenszeichen der "Half-Life"-Reihe gab. Kaum jemand hätte bis vor wenigen Monaten gedacht, dass sich das Entwicklerstudio Valve doch noch einmal in die Science-Fiction-Welt von Back Mesa und Hauptcharakter Gordon Freeman zurückwagen würde – und wohl niemand hätte damit gerechnet, dass ein neues "Half-Life"-Spiel den aufgestauten Erwartungen überhaupt gerecht werden könnte.

Und doch sitze ich nun hier an meinem Schreibtisch und schreibe über das Spiel, das mich in den letzten Tagen so sehr beschäftigt, begeistert und auch geängstigt hat wie seit Jahren keines mehr: "Half-Life: Alyx".

"Half-Life: Alyx" erfüllt die haushohen Erwartungen

"Half-Life: Alyx" ist nicht einfach nur die späte Fortsetzung einer Kult-Spielereihe (genau genommen ist es sogar ein Prequel zu "Half Life 2"), sondern markiert auch den Sprung der Reihe in die Virtuelle Realität. Tatsächlich ist es der größte und konsequenteste Sprung in VR, die bisher eine Mainstream-Spiele-Reihe gewagt hat. Denn: "Alyx" ist keine halbgare Umsetzung vom Monitor in die virtuelle Realität, sondern wurde von Grund auf als Spielerlebnis mit VR-Brille konzipiert.

Aber funktioniert das überhaupt? Ist "Half-Life: Alyx" ein gutes VR-Spiel? Ist es ein würdiger Nachfolger? Ist es überhaupt ein gutes Spiel?

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"Half-Life 2" erschien bereits 2004.

Die Antwort auf all diese Fragen, ist ein klares "Ja". Mit "Half-Life: Alyx" hat es Valve tatsächlich geschafft, die haushohen Erwartungen zu erfüllen, eine mehr als würdige Fortsetzung für die Serie zu produzieren und ganz nebenbei auch noch die Blaupause für gutes Spieldesign in VR abzuliefern.

Einen entsprechend potenten Rechner vorausgesetzt, sieht "Alyx" bombastisch aus und glänzt mit Animationen, Effekten sowie Licht-und Schatten-Verläufen, wie es sie bisher in noch keinem VR-Titel zu sehen gab. Hinzu kommen ein fantastischer Sound, toll geschriebene Charaktere und großartiges Level-Design. Das Ganze läuft je nach VR-Brille mit bis zu 90 oder gar 120 Hertz und zeigt eindrucksvoll, zu welcher Grafikleistung moderne PCs fähig sind, wenn sie mal richtig gefordert werden.

Die Rückkehr nach City 17

Wer, wie ich, die Vorgänger gespielt hat, für den wird sich die Spielwelt von "Half-Life: Alyx" schon nach kurzer Zeit sehr vertraut anfühlen. Handlungsort ist wie schon bei "Half-Life 2" die osteuropäische Großstadt City 17, die ihren Namen vermutlich von den Alien-Besatzern der Combine erhalten hat, die seit Jahren die Menschen auf der Erde unterdrücken.

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Willkommen zurück in City 17.

Ich bewege mich durch heruntergekommene Gassen, vorbei an alten Gebäuden. Überall mischt sich Alien-Technologie in die Szenerie und natürlich patrouillieren die Combine-Soldaten auf den Straßen. Generell herrscht eine klaustrophobische Atmosphäre. Ein noch trostloseres Bild gibt die sogenannte Quarantäne-Zone der Stadt ab: Dort wüten Seuchen und Alien-Parasiten breiten sich ungehindert aus.

Eine Welt zum Anfassen

Nahezu die komplette Spielwelt in "Half-Life: Alyx" ist nicht nur visuell, sondern auch haptisch erlebbar. Fast jeder Gegenstand lässt sich mit den virtuellen Händen anfassen und hochheben. Dabei haben alle Objekte nicht nur eine weitgehend glaubhafte Physik, sondern auch ein Gewicht. Kleine Gegenstände wie Cola-Dosen lassen sich beispielsweise problemlos durch die Gegend werfen, während große Kisten selbst mit zwei Händen kaum zu tragen sind.

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Die Hände sind das wichtigste Werkzeug in "Half-Life: Alyx".

Überall gibt es Schränke zum Durchwühlen, Schubladen zum Aufziehen, Schalter zum Drücken, Rädchen zum Kurbeln, Türen zum Öffnen. Alle Aktionen, die für das Gameplay wichtig sind, haben eine haptische Komponente, wie sie nur in einem VR-Spiel mit dedizierten VR-Controllern möglich ist. Du willst eine Leiter hochklettern? Tja, einen Button dafür gibt es nicht, also nimm deine Hände!

Selbst die kreativen Rätzel des Spiels sind grundlegend als VR-Erlebnisse konzipiert, erfordern räumliches Denken und Bewegen. Zumindest in dieser Form dürften sie kaum oder nur mit großen Abstrichen in einer flachen Monitor-Spielwelt funktionieren.

Der Kram, den man in der VR braucht

Auch Bewegungen und Gunplay fühlen sich in "Half-Life: Alyx" wirklich natürlich an. Die Steuerung insgesamt ist dabei recht simpel gehalten. So gibt es im ganzen Spiel nur drei Waffen, die sich dafür nach und nach mit Mods aufwerten lassen. Das klingt erstmal wenig, fällt aber gar nicht negativ ins Gewicht. Im Gegenteil: Durch das überschaubare Waffenarsenal entfällt das fummelige Bedienen eines komplizierten Inventar-Systems.

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Das Gunplay fühlt sich hervorragend an.

Apropos Inventar: Neben den Waffen und der zugehörigen Munition sowie den Polymer-Teilchen zur Waffen-Aufwertung lassen sich maximal zwei Zusatzgegenstände verstauen. Das hat immerhin einige Spieler schon zu kreativen Lösungen animiert: Dank der realistischen Physik-Engine packen sie ihre Items einfach in eine Kiste, die sie irgendwo im Level gefunden haben, und schleppen sie auf die Art mit sich herum.

Willkommen im virtuellen Spaß-Labor

Rund um das sehr gute und polierte Kern-Gameplay eröffnet die Physik-Engine in Kombination mit der VR-Welt ein riesiges Experimentier-Labor, in dem eine ganze Menge Unfug anstellen lässt, den es so noch nie in einem Videospiel gab.

Nur durch Zufall habe ich beispielsweise entdeckt, dass ich die Headcrabs, jene kleinen Krabbelviecher, die wie eine Mischung aus "Alien"-Facehugger, Spinne und gerupftem Huhn aussehen, im Sprung fangen und anschließend mit gezielten Schüssen aus kurzer Distanz erledigen kann. Das ist zwar super-eklig, weil die Headcrabs super-eklig sind, aber es funktioniert. Andere Spieler schlagen die Viecher einfach mit diversen Gegenständen quer durch die Level.

Beim Aufbau seiner Welt, bei der Art und Weise, wie man als Spieler mit dieser interagiert und bei den Möglichkeiten zum Spielen, Kämpfen und Spaß haben, die sich daraus ergeben, setzt das Spiel neue Maßstäbe. Die Messlatte für künftige VR-Spiele wandert damit ein gutes Stück nach oben.

Der Horror, von dem man nicht genug bekommt

Dabei ist das Kern-Gameplay von "Half-Life: Alyx" eigentlich gar kein spaßiger Bummel durch die Stadt, sondern über weite Strecken ein knallhartes Horror-Spiel. Zombies und dunkle Gänge gehören dabei noch zu den harmloseren Stilmitteln. Für mich am schlimmsten sind die Headcrabs. Sie tauchen immer wieder auf, fauchen, springen mir mitten ins Gesicht und sehen dank der hoch-detaillierten Grafik mindestens zehn Mal realistischer aus, als in "Half-Life 2". Ich wiederhole mich hier, aber es muss sein: Super-eklig!

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"Half-Life: Alyx" dürfte auch Horror-Fans ansprechen.

Die Headcrabs gibt es in zahlreichen Variationen, von denen jede neue noch schlimmer ist, als die vorherige. Diese kleinen nervigen Viecher ließen meinen Stresslevel beim Spielen regelmäßig in die Höhe schnellen. Ich hasse sie! Dass ich trotzdem immer wieder Lust habe, in diesen Horror abzutauchen, spricht eindeutig für das Spiel.

"Alyx" löst das Versprechen ein, das uns mit VR gegeben wurde

Für mich ist "Half-Life: Alyx" mindestens ein ebenso gutes Spiel, wie es seinerzeit das erste "Half-Life" und sein Nachfolger waren. Es ist ein auf Hochglanz poliertes und optimiertes Erlebnis, dass zeigt, welches Potenzial in technischer sowie kreativer Hinsicht in der aktuellen Hardware steckt. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass "Alyx" endlich das Versprechen einlöst, das uns seit vielen Jahren von VR gegeben wird. Endlich sind wir in der Lage, das Potenzial dieser Technologie wirklich zu nutzen!

Abgesehen von Leuten mit einer ausgeprägten Headcrab-Phobie lege ich diesen Titel deshalb ausdrücklich allen ans Herz, die über eine VR-Brille verfügen. Im Ernst: Kauf Dir dieses Spiel, denn genau dafür hast Du Dir wahrscheinlich überhaupt erst das Headset gekauft.

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VR-Brillen sind gefragt wie nie - und leider gerade knapp.

Für Leute, die noch nicht in der VR unterwegs sind, aber schon lange mit der Technik geliebäugelt haben, ist das Game zudem der richtige Anlass um den Sprung in die VR zu wagen. "Alyx" funktioniert beinahe mit jeder VR-Brille, die aktuell erhältlich ist – inklusive der nagelneuen Vive Cosmos Elite. Eine umfassende Übersicht über die Brillen, mit denen sich "Half-Life: Alyx" spielen lässt, hat Kollege Meru zusammengestellt.

Aktuell spricht viel dafür, dass der VR-Trend keineswegs am Ende ist, sondern gerade erst Fahrt aufnimmt. So ist "Alyx" nach hervorragenden Spielen wie "Asgard's Wrath" von Oculus, "Stormlands" von Insomniac und "The Walking Dead: Saints & Sinners" nur ein vorläufiger Höhepunkt. Die Tatsache, dass für die meisten VR-Headsets mittlerweile tage- oder gar wochenlange Lieferzeiten bestehen, sagt jedenfalls einiges aus: Die Nachfrage übersteigt aktuell eindeutig das Angebot.

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