Handyspiel "Part Time UFO": Große Pixelkunst von den "Kirby"-Machern

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Putzig: Das Part Time UFO in seiner neuen Heimat, der Erde. (©HAL 2018)
Marc Binder Schaut zurzeit ganz gespannt die Serie "24" – gerade mal 15 Jahre zu spät.

Auch kleine UFOs, die auf der Erde gelandet sind, brauchen früher oder später einen Job. Ausgehend von dieser formidablen Prämisse hat das japanische Studio HAL mit "Part Time UFO" sein erstes Mobile Game entwickelt, das mir in den letzten Tagen erstaunlich viel Spaß gebracht hat.

Es kommt selten genug vor, dass ich in der U-Bahn laut ausrufe und die Blicke meiner Nebensitzer auf mich ziehe. Was war passiert? Ganz einfach: Beim Stapeln von Zirkusaffen auf einem Elefanten, der wiederum mit seinem Einrad auf einem Trapez balanciert, ist meinem kleinen UFO ein Affe aus dem Haken gerutscht. Ein ganz normaler Tag also.

"Part Time UFO": Gameplay, das Dich sofort catcht

Ein ganz normaler Tag jedenfalls im Leben von Mr. UFO, dem putzigen Titelhelden in "Part Time UFO". Als Spieler hilfst Du ihm dabei, seinen Lebensunterhalt auf der Erde zu bestreiten. Im Tutoriallevel etwa hievt Mr. UFO noch für einen freundlichen Farmer Orangen auf dessen Pick-up – später transportiert er dann auch die eingangs erwähnten Tiere in der Manege, stapelt Highschool-Cheerleader oder angelt im Ozean nach schlecht gelaunten Fischen.

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Glückliche Fügung: Mr. UFO erhält für seine Mühen beim Orangentransport die essenzielle Zeitschrift mit Jobangeboten.

Das Gameplay ist, wie es sich für ein Handyspiel gehört, simpel und tiefgehend zugleich. Du bewegst Mr. UFO per Wischgeste oder über einen virtuellen Joystick durch die wunderbar bunten 2D-Level, die vom Design her ein wenig an die guten alten Adventures von LucasArts erinnern. Per Knopfdruck löst Du den Kran aus und schnappst Dir die Gegenstände, die Du transportieren möchtest. Die Physik baut dabei auf den vor allem in Japan so beliebten Greifautomaten auf, die dort auch als "Crane Games" oder eben "UFO Catcher" bekannt sind.

Modernes Design alter Schule

HAL spitzt das simple Prinzip im Verlauf des Spiels immer weiter zu und streut regelmäßig unerwartete Abwechslungen ins Gameplay ein. In einem Level tauchen zum Beispiel plötzlich Ninjas auf, die den armen Mr. UFO mit Wurfsternen malträtieren. Lass Dich also nicht von der knuffigen Aufmachung blenden: An "Part Time UFO" habe ich mir teils wirklich die Zähne ausgebissen.

Aber – und auch das spricht für gelungenes Gamedesign bei einem Mobile-Titel – nach einiger Zeit dachte ich dann wieder: "Eine Runde noch, warum nicht?"

Der Entwickler: HAL Laboratory

  • Alte Hasen: HAL Laboratory existiert bereit seit 1980 und arbeitet seit jeher eng mit Nintendo zusammen – ohne aber je zum First-Party-Entwickler geworden zu sein.
  • Zu den großen Titeln des Studios zählen die "Kirby"-, "EarthBound"- und "Super Smash Bros."-Serien.
  • Satoru Iwata, der frühere CEO von Nintendo, begann seine Karriere einst bei HAL.
  • Für die Mobile-Game-Sparte haben HAL den Ableger HAL Egg gegründet, dessen erstes Projekt "Part Time UFO" ist.

Vollpreistitel mit Vollpreisvorteilen

Auf anderen Gebieten umschiffen HAL dann wiederum (ungeliebte) Konventionen von Mobile Games. Beispielsweise handelt es sich hier um einen Vollpreistitel ohne Mikrotransaktionen. "Part Time UFO" wirkt sehr "ausproduziert", mit klar definiertem Anfang und Ende. Bei HAL hält man anscheinend nicht viel davon, Spiele halbfertig zu veröffentlichen und sie im Nachhinein dann zu Ende zu patchen.

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Highschool, Zirkus, Museum: Der Alltag von Mr. UFO ist bunt.

Der In-Game-Shop, in dem Du neue Outfits für Mr. UFO kaufst (die seine Fähigkeiten aufwerten), kann dann sogar beinah als Kommentar eines alteingesessenen Studios wie HAL auf moderne Verhältnisse gelesen werden. Während des Scrollens durch das Angebot habe ich jederzeit Items erwartet, die echtes Geld kosten – die gibt es hier aber schlicht nicht.

Das größte Plus von "Part Time UFO" für mich persönlich ist jedoch, dass ich offline spielen kann. Der Online-Zwang war es, der mir zum Beispiel die Nintendo-Titel "Super Mario Run" und "Fire Emblem Heroes" madig machte.

Games als Kunst

Abgerundet wird das selbstbewusst produzierte Game durch einen hohen Grad an "Polish" und Detailreichtum. Überall sind verspielte Details zu entdecken, selbst die kleinsten Nebenfiguren, die Mr. UFO durch die Level hievt, wurden sehr liebe- und humorvoll designt. Heraus kommt große (Pixel-) Kunst, die das Game zusammen mit dem unglaublich eingängigen Soundtrack von Shogo Sakai ("Mother 3") auf ungeahnte Qualitätsebenen hebt. Alle reden über Games als Kunst. Dieses nischige Mobile Game ist ein kleines Kunststück – mindestens.

Quick-Facts zum Spiel

  • Genre: Mobile-Game, Puzzle, Geschicklichkeit
  • Plattform: Android, iOS
  • Preis: 4,49 Euro
  • Originaltitel: Hataraku UFO ("Arbeitendes UFO")
  • Gestestet auf: Samsung Galaxy S7
  • Testmuster: HAL
  • Erscheinungstermin: Erhältlich

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