Meinung

In "Generation Zero" ist die Robo-Apokalypse glaubwürdig wie nie

In "Generation Zero" wird die Welt von Kampfrobotern überrannt – und wir müssen uns ihnen entgegenstellen.
In "Generation Zero" wird die Welt von Kampfrobotern überrannt – und wir müssen uns ihnen entgegenstellen. (©THQ Nordic 2018)

Kürzlich fand der erste geschlossene Beta-Test zu "Generation Zero" statt – dem neuen Spiel der "Just Cause"-Macher Avalanche, das die Spieler in eine von Killer-Robotern überrannte Dorfidylle in Schweden versetzt. Wir waren dabei und haben ein Game erlebt, das mit einer glaubwürdigen Endzeit-Atmosphäre punkten kann – auch, wenn es noch lange nicht fertig ist.

Drei Dinge bleiben nach der Beta von "Generation Zero" hängen: Die Stille, die Leere – und der Nervenkitzel, wenn sich beides in einen hektischen Tumult aus Lichtern, Explosionen und Machinengewehrfeuer auflöst. Willkommen in der Apokalypse, wie sie sich ein schwedischer Krimi-Autor ausdenken würde. Oder eben das schwedische Studio Avalanche.

(Fast) ganz allein in der schwedischen Wildnis

Die Story des Survival-Shooters in Ego-Perspektive, der auch schon auf der diesjährigen Gamescom zu sehen war, ist angenehm unkompliziert: Ich spiele einen Jugendlichen, der Ende der 1980er-Jahre von einem Ausflug auf eine der zahlreichen Inseln vor der schwedischen Küste zurückkommt. Unterwegs wird mein Boot beschossen, ich rette mich auf eine der Inseln – und muss feststellen, dass keine Menschenseele mehr da ist. Alle Häuser stehen leer, in Eile verlassene Autos parken mitten auf der Straße, vor brennenden Panzern liegen tote Soldaten. Was ist hier passiert?

Alle weg: In "Generation Zero" hat die Apokalypse gerade erst stattgefunden.
Alle weg: In "Generation Zero" hat die Apokalypse gerade erst stattgefunden. (© 2018 THQ Nordic)

Nachdem ich mich aus dem erstbesten Haus mit einem Fernglas, einer Karte, einer Taschenlampe und einer alten Pistole bewaffnet habe, erkunde ich die verlassene Gegend. Von den Bewohnern der Insel zeugen nur noch Anrufbeantworter-Aufnahmen und Notizen, die auf eine Flucht in Bunkeranlagen und zu Evakuierungs-Punkten hinweisen. Es ist Nacht, neblig und totenstill.

Da taucht ein flackerndes rotes Licht auf, kommt immer näher – und auf einmal steht eine seltsame Kreuzung aus Industrieroboter und Dobermann vor mir, die aus einem Maschinengewehr das Feuer eröffnet. Und die Maschine ist nicht allein ...

Bewaffnete Roboter-Hunde durchstreifen in Rudeln das Land.
Bewaffnete Roboter-Hunde durchstreifen in Rudeln das Land. (© 2018 Avalance Studios)

Eighties-Hype trifft Endzeitstimmung

Mit seinem Setting einer Roboter-Apokalypse im ländlichen Schweden der Achtziger klappert "Generation Zero" gekonnt eine ganze Reihe populärer Popkultur-Themen ab: Survival-Games boomen, die Mystery-Serie "Stranger Things" hat jugendliche Helden in Kleinstädten und Synthwave-Soundtracks zum Hit gemacht und tierähnliche Roboter gehen immer – wie unter anderem "Horizon Zero Dawn" bewiesen hat. Aus diesen Einflüssen macht Avalanche ein Spiel, das selbst im Beta-Zustand schon mit toller Atmosphäre und glaubwürdiger Endzeit-Stimmung besticht.

Metaller, Punker und Slacker vereint gegen die Maschinen – "Generation Zero" legt viel Fokus auf kosmetische Items, mit denen sich die Spielfigur auf Achtziger stylen lässt.
Metaller, Punker und Slacker vereint gegen die Maschinen – "Generation Zero" legt viel Fokus auf kosmetische Items, mit denen sich die Spielfigur auf Achtziger stylen lässt. (© 2018 YouTube/Generation Zero)

Schon jetzt ein Hit: die malerische Open-World

Die Spielwelt, die ich alleine oder im Online-Koop mit bis zu drei anderen Kids im knalligen Eighties-Look durchstreife, gehört dabei  zu den glaubhaftesten Open-World-Umgebungen, die ich bisher gesehen habe. Das liegt am Tag-Nacht-Zyklus, dem wechselnden Wetter und der detailreichen Grafik, vor allem aber daran, dass die Welt ziemlich leer ist – so leer, wie eine dünn besiedelte Insel mit vereinzelten Bauernhöfen, einer 300-Seelen-Ortschaft, einem Industriehafen und ein paar unterirdischen Bunkern eben ist, wenn alle Menschen weg sind.

Die Spielwelt beeindruckt auch im frühen Stadium bereits.
Die Spielwelt beeindruckt auch im frühen Stadium bereits. (© 2018 YouTube/Generation Zero)

Improvisieren gegen Roboter-Hunde

Dass Waffen selten sind und wirklich mächtige Werkzeuge gegen die Roboter erst später in Militär-Einrichtungen auftauchen, trägt zum Gefühl bei, als unbedarfter Halbwüchsiger in eine gruselige Terminator-Vision gestolpert zu sein. Vom alten Jagdgewehr über Feuerwerkskörper bis zur Boombox muss ich alle Mittel nutzen, um gegen die überlegenen Feinde anzukommen.

Feindkontakt ist in "Generation Zero" allerdings eh selten, was angesichts der Größe der Spielwelt schon wieder einen gewissen Realismus hat. Taucht ein Rudel Robo-Hunde aus dem Nebel auf, ist dafür schnell die Hölle los und bei manchen Gegnern hilft nur noch Weglaufen. Durch eine malerische Landschaft zu streifen und doch jederzeit in einen Kampf geraten zu können, macht den Reiz von "Generation Zero" aus – zumindest theoretisch.

Jetzt bloß keinen Fehler machen: Wer gegen große Roboter bestehen will, muss gut mit anderen Spielern zusammenarbeiten.
Jetzt bloß keinen Fehler machen: Wer gegen große Roboter bestehen will, muss gut mit anderen Spielern zusammenarbeiten. (© 2018 THQ Nordic)

Stand der Beta: Noch viel Balancing nötig

Am Feinschliff hapert es nämlich noch. Der Beta-Test zeigt viel Potenzial, das aber (noch) nicht ausgeschöpft wird: Die reizvolle Leere der Spielwelt weicht noch zu oft der Langeweile, weil insgesamt dann doch zu wenig passiert. Hier treffen die Entwickler hoffentlich noch die Mitte zwischen Realismus und notwendigen Zugeständnissen an die bedrohliche Grundstimmung eines Survival-Games.

Release erst für 2019 geplant

Noch hat Avalanche ja Zeit: Der Release für PC, PS4 und Xbox One soll irgendwann im Jahr 2019 stattfinden. Wenn die Macher an den richtigen Stellschrauben drehen, hat "Generation Zero" das Zeug zum Hit – vor allem im Koop-Modus. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Ausflug in die Roboter-Apokalypse, die dann hoffentlich noch ein bisschen nervenaufreibender ist.

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