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Interview: So soll "DCL – The Game" Drohnen-Rennen revolutionieren

In der Drone Champions League DCL liefern sich Drohnen-Piloten waghalsige Wettrennen mit ferngesteuerten Quadrocoptern. "DCL – The Game" bringt den Sport ab Mitte Februar auch als Simulation auf PC, PS4 und Xbox One. Wir haben mit Liga-Gründer Herbert Weirather über das Spiel gesprochen, das Fans demnächst als Einstieg zu echten Drohnen-Wettbewerben dienen soll.

Pfeilschnelle Fluggeräte rasen über einen Parcours, doch die Piloten sitzen nicht im Cockpit. Beim Drohnen-Rennen nehmen sie mit einer Fernsteuerung und einer Videobrille neben der Strecke Platz. So sehen die Athleten das Geschehen durch die Bordkamera ihrer Drohne aus der Ego-Perspektive, wenn sie mit bis zu 160 km/h über die Strecke jagen.

Herbert Weirather gibt dem Spektakel einen Rahmen. Er hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert, den Pilotenschein gemacht und als Kunstflieger Pirouetten gedreht, bevor er 2016 die Drone Champions League DCL gründete. Die Zeit war damals reif. "Durch die Technologie der Smartphones und die Beschleunigungssensoren in Smartphones ist es möglich geworden, dass man Renndrohnen so gut und so schnell steuern kann", erklärt der CEO im Interview. "Davon inspiriert haben wir dann diese Liga gegründet, um an einzigartigen Locations zu fliegen. Wir waren in Paris auf dem Champs-Élysées, den haben wir gesperrt, da waren 180.000 Zuschauer. Wir waren in Madrid in der Stierkampfarena, an der chinesischen Mauer, in einer Salzgrotte. Das ist unser Konzept."

Ligachef, Kunstpilot & Gaming-Fan: DCL-CEO Herbert Weirather.

Am 18. Februar erscheint nun "DCL – The Game" für PC, PS4 und Xbox One. Das Spiel macht den Drohnensport digital und zuhause erlebbar. Weirather spielt selber gern, da war der Gedanke eines Simulators naheliegend. Das Spiel soll auch die Zukunft der Liga maßgeblich beeinflussen.

Mehr zum Game
Die wichtigsten Infos zu "DCL – The Game" findest Du in unserer News zum Thema.

TURN ON: Eignet sich Drohnensport besonders gut für ein Videospiel?

Herbert Weirather: Beim Fliegen einer Drohne wirken keine Beschleunigungskräfte auf den Piloten. Deshalb gibt unser Spiel genau das gleiche Gefühl wie das echte Fliegen. Das ist absolut einzigartig, in der Formel 1 gibt's das zum Beispiel nicht – so gut kannst Du die Realität gar nicht simulieren, dass ein Simulator-Pilot sich in ein echtes Auto setzt und dann gewinnt. Bei uns geht das.

Welche Fähigkeiten braucht ein guter Drohnenpilot?

Weirather: Das Wichtigste ist eine gewisse Begeisterung dafür und, wenn man wirklich bei den Profis mitfliegen will, viel Fließ und Übung. Und im Idealfall eine schnelle Reaktionszeit. Wir haben das Spiel aber so gebaut, dass es für Anfänger auch gleich Spaß macht. Wir haben zum Beispiel einen automatischen Höhe-Haltungs-Modus, denn die Höhe zu halten ist das Schwierigste. Man kann dann ähnlich wie in Funracern wie "Trackmania" gegen seine Freunde antreten oder sich die Rangliste hocharbeiten. Das ist also nicht nur was für Profis, sondern auch für Einsteiger, die mal reinschnuppern wollen. Und bevor sich jemand eine Drohne für 1.000 Euro kauft, würde ich erst einmal das Game empfehlen. Da kann man schon mal üben, damit man seine teure Drohne nicht gegen die Wand fliegt.

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Bei Nacht kommen die Leuchtspuren der Drohnen gut zur Geltung.

Wenn ich alle Hilfen ausstelle, soll das Spiel ja als realistische Simulation funktionieren. Welche Aspekte der Realität müssen dafür im Game absolut sitzen?

Weirather: Die Physik ist natürlich ein Hauptteil davon. Wir haben die Drohne im Windkanal gehabt und wenn man alle Flughilfen ausschaltet, dann wird die Aerodynamik voll berechnet, wie in echt. Und dann man hat das gleiche Gefühl wie mit einer echten Drohne. Du kannst auch eine originale Drohnen-Fernsteuerung an den Computer anschließen und hast dann das gleiche Werkzeug, als wenn Du eine echte Drohne fliegst.

Natürlich haben wir auch eine super Grafik, damit das entsprechend ausschaut. Wir sind aber noch nicht so weit, dass wir die kompletten Windverhältnisse eingebaut haben – auch, weil in der Rangliste alle unter den gleichen Bedingungen fliegen sollen.

Was ließ sich nur schwer nachbilden?

Weirather: Jede kleine Änderung an der Drohne hat natürlich einen Einfluss. Wir haben uns im Spiel absichtlich auf drei Presets beschränkt: eine leichte Drohne mit 420 Gramm, eine Drohne mit 800 Gramm und eine schwere Drohne mit 1,6 Kilogramm. Wenn man allein schon einen Zweiblatt-Propeller statt eines Dreiblatt-Propellers nimmt, oder einen anderen Motor einbaut, kann man natürlich simulieren ohne Ende. Im Endeffekt haben wir gesagt: Diese drei Presets passen auf eine Drohne. Damit hat man auch einen fairen Vergleich in den Ranglisten und ist jetzt nicht davon abhängig, die Drohen perfekt zu tunen.

Das war eine absichtliche Entscheidung. Sicher, es wäre noch spannend, im Multiplayer die Windverhältnisse drin zu haben. Das ist was, was wir im Auge haben, um es eventuell später zu machen.

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Baustellen lassen sich gut als Drohnen-Parcours zweckentfremden.

Wie unterscheidet sich eine Renndrohne von handelsüblichen Kameradrohnen?

Weirather: Kameradrohnen sind, wie der Name schon sagt, fürs Filmen da. Renndrohnen an sich sind ganz anders ausgerichtet. Eine Kameradrohne fliegt bis zu 30 Minuten, eine Renndrohne maximal fünf, sie hat aber viel mehr Speed. Ein großer Unterschied ist das Kamerasystem, das noch viel weniger Latenz als eine Kameradrohne hat. Das ist ganz wichtig, damit man so eine Renndrohne wirklich exakt durch einen Kurs fliegen kann. Beim Steuern von Kameradrohnen merkt man meist noch eine deutliche Verzögerung, was für Videos und Fotos aber ausreicht. Rennen wären damit aber nicht machbar.

Kann ich meine Drohne denn für ein Rennen nach Lust und Laune tunen?

Weirather: In unserer echten Serie ist es so: Es gibt Standard-Komponenten, aber man kann seine Drohne auf die Strecke abstimmen. Ein etwas größerer Propeller beschleunigt zum Beispiel aus den Kurven besser hinaus, hat aber weniger Topspeed. Umgekehrt hat ein kleinerer Propeller höheren Topspeed, aber beschleunigt nicht so gut aus den Kurven raus. So kann man seinen Flugstil mit der Technik kombinieren.

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Standardisiert, aber mit Spielraum: eine Renndrohne.

Also auch ein Sport für Modellbauer?

Weirather: Vom Bauen her ist der Aufwand recht gering. Man hat die Carbonteile, da schraubt man die Motoren drauf und stellt die Elektronik ein, das war's. Die Drohnen sind aber viel robuster als ein Modellflieger. Wenn der einmal abstürzt, kannst Du ihn wegschmeißen. Bei einer Drohne baust Du neue Propeller an und weiter geht's. Schrauben ist aber sicher ein Teil des Ganzen und das Optimieren von gewissen Teilen gehört auch dazu, wenn's in die Profiliga geht.

Habt ihr die Hoffnung, mit dem Spiel neue Talente zu entdecken?

Weirather: Absolut. Der Sinn der ganzen Sache ist, dass wir nicht nur die bestehende Community ansprechen, sondern komplett neue Leute erreichen. Du kannst tatsächlich DCL-Pilot werden, wenn Du gut in "DCL – The Game" bist! Wenn Du unter die Top 200 kommst, qualifizierst Du Dich für die Draft-Selection der neuen Saison. Da wählt das schlechteste Team vom letzten Jahr als erstes neue Piloten und das schnellste Team zum  Schluss. So ist das Spiel mit der echten Liga verbunden. Alle Talente in Zukunft kommen über "DCL – The Game".

Wie groß ist die DCL aktuell?

Weirather: Derzeit sind acht Teams involviert, jedes Team besteht aus mindestens vier Piloten. Die meisten haben mehr, aber pro Rennen treten nur vier pro Team an. Weltweit wächst die Szene seit einigen Jahren recht stark. Ich schätze, dass es zwischen 100.000 und 200.000 aktive Piloten weltweit gibt. Dadurch, dass wir den Einstieg jetzt noch einmal vereinfachen, können wir diese Zahl noch einmal deutlich erhöhen.

Habt ihr vor, die DCL parallel zu den echten Drohnen-Rennen mit "DCL – The Game" auch noch als reinen eSport laufen zu lassen?

Weirather: Das haben wir im Spiel schon drin. Es wird nationale Meisterschaften im Spiel geben, wo die besten deutschen Piloten den deutschen Meister küren. Die kleineren Ligen sehen wir als reine eSport-Events. Das ist genau so angedacht.

Im eSport sind sehr viele Athleten ja sehr jung, weil eine kurze Reaktionszeit so wichtig ist. Wie alt ist der älteste Pilot der DCL?

Weirather: Letztes Jahr war der älteste um die 35.

Für eSport wäre das schon alt ...

Weirather: Grundsätzlich glaube ich schon, dass sich auch bei uns die jungen Piloten mehr etablieren werden. Aber natürlich zählt auch die Erfahrung. Ein Rennen dauert circa eine Minute und die komplette Last liegt für diese kurze Zeit auf einem Piloten. Mit diesem Adrenalinschub und der nervlichen Anstrengung muss man gut umgehen können, sonst gehört man nicht zu den Top-Piloten. Wer zuhause vor dem Computer perfekte Rundenzeiten fliegt, kann deshalb noch nicht automatisch vor Tausenden Zuschauern abliefern. Windeinflüsse und Ähnliches kommen noch dazu. Das macht dann schon den Profi im Verhältnis zum Hobbypiloten aus.

Release
"DCL – The Game" erscheint am 18. Februar für PC, PS4 und Xbox One.

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Ab Release haben Liga-Anwärter etwa einen Monat Zeit, sich für die Draft-Selection zu qualifizieren. Ab dem 1. Mai findet die Draft-Selection in der Red Bull Gaming Sphere in London statt. Hier rekrutieren die acht DLC-Teams ihre neuen Piloten für die neue Saison.

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