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Mein Traumspiel: Mein Nachbar, das Alien

In unserer Serie "Mein Traumspiel" entwerfen wir Games, die es niemals geben wird, die wir aber wahnsinnig gern zocken würden.
Können diese Augen lügen? Na hoffentlich!
Können diese Augen lügen? Na hoffentlich!

Spiele mit Aliens gibt's wie Sterne im All. In den meisten geht es darum, die außerirdische Brut zurück zu ihrem Heimatplaneten zu schicken oder am besten gleich in die ewigen Jagdgründe. Wie langweilig! Ich hab mir mal überlegt, wie man dem Kampf gegen die extraterristische Bedrohung einen gewissen Pfiff verleihen könnte ...

Mein jetzt schon preisverdächtiges Traumspiel ist ein Third-Person-Action-Adventure in einer kleinen, dafür aber umso detaillierteren Spielwelt. Klingt nicht sonderlich innovativ? Wart's ab.

Denn das ist die Ausgangslage: In einem kleinen amerikanischen Vorort, nennen wir ihn Suburbiavilletown, lebt unerkannt ein Alien. Es hat die Fähigkeit, jeden beliebigen Menschen zu übernehmen. Die leeren Hüllen seiner Wirtskörper entsorgt es danach einfach. Das checken die Einwohner aber nicht sofort – zuerst verschwindet ein Kind, dann eine Oma, die seltsamen Vorkommnisse häufen sich. Die verängstigten Bewohner fordern Hilfe an.

Meine Stiefmutter ist ein Alien! Oder der Postbote. Oder ...

Und die kommt auch, in Gestalt von zwei Agenten des FBI. Diese Experten für Paranormales, sie heißen übrigens, äh, Fritz Sculder und Daniela Mully, nehmen den Kampf gegen die unerkannte außerirdische Bedrohung auf. Immer mehr Menschen verschwinden unter mysteriösen Umständen, die Leute werden immer paranoider, und zu allem Überfluss scheint das unheimliche Alien immer stärker zu werden. Es entbrennt ein atemloses Katz-und-Maus-Spiel – wer wird überleben: das Alien mit seiner übermenschlichen Anpassungsgabe oder die FBI-Agenten mit ihrem Ermittlungs-Know-how?

Und jetzt kommt der Knaller: Du spielst das Alien.

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Dieses Bild wurde mir in unserer internen Datenbank angezeigt, als ich nach dem Stichwort "Alien" gesucht habe, und ich finde es sehr gut.

Operation Assimilation

Das Gameplay setzt also mehr auf unauffälliges Vorgehen und den optimalen Einsatz der eigenen Fähigkeiten und weniger auf Action-Balla-Balla. Zu Beginn des Spiels ist das Alien noch schwach und kann fast nix. Aus Gründen, die mir selbst noch nicht ganz klar sind, muss es regelmäßig die Gestalt eines Menschen übernehmen, um zu überleben. Vielleicht ist die Erdatmosphäre auf Dauer Gift für sensible Alien-Lungen.

Hast Du einen Menschen assimiliert, besitzt Du damit automatisch alle Talente und Eigenschaften Deines unfreiwilligen Wirtes. Heißt: Als Kind kannst Du Dich durch enge Kellerfenster quetschen, als Soldat hast Du Zugriff auf Waffen. Blöd ist nur, dass Menschen einen außerirdischen Parasiten im Körper nicht lange verkraften und buchstäblich auseinanderfallen, wie in Stephen Kings Roman "Desperation". Du musst Deine menschlichen Taxis also regelmäßig wechseln und deren Überreste unbemerkt verschwinden lassen, sonst werden die echten Menschen in Deiner Nähe misstrauisch.

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Ziemlich frech, wie Ubisoft mein Konzept für "Watch Dogs Legion" gestohlen hat.

Einwohnerzahl: Nicht mehr als 100

Damit kommen wir zum zweiten großen Feature: der offenen Spielwelt. Nein, keine Panik, ich rede nicht von der Ubisoft-typischen Mega-Map mit einer Million sinnloser Collectibles und irrelevanter Nebenaufgaben. Sondern von einer kleinen Gemeinde mit nicht zu vielen Einwohnern, irgendwo zwischen dem ersten "Shenmue" und dem Kulthit "Deadly Premonition". Jeder NPC hat einen festen Tagesablauf, Gewohnheiten, einen Freundeskreis. Natürlich ist jede Figur auch vollständig animiert und vertont. Du sollst wirklich das Gefühl haben, Teil eines real existierenden Mikrokosmos zu sein, den Du schamlos ausbeuten und gleichzeitig in delikater Balance halten musst.

Als Alien in Menschenform bist Du gezwungen, im wahrsten Sinne des Wortes eine Rolle zu spielen – nämlich die Deines aktuellen Opfers. Bleiben wir beim Beispiel mit dem Soldaten: Bevor Du ihn übernimmst, musst Du herausfinden, was seine Gewohnheiten sind, mit wem er sich trifft, wann er abends joggen geht. Denn genau das musst Du auch tun, willst Du als Fake-Soldat nicht sofort auffliegen. Jeder NPC hat eigene Routinen und ein ganz individuelles Verhalten und vom dem solltest Du nicht allzu weit abweichen, wenn Du nicht Misstrauen bei den anderen NPCs erwecken willst. Nebenbei planst Du immer schon die Übernahme des nächsten Wirtskörpers. Im Prinzip trifft also John Carpenters "The Thing" auf "Die Sims".

Offene Fragen? Ja!

Es gibt eine Million Details, die man bei diesem Konzept noch ausarbeiten muss. Zum Beispiel: Was ist eigentlich Dein Spielziel? Willst Du früher oder später die ganze Welt übernehmen oder einfach nur lange genug überleben, um endlich zurück auf Deinen Heimatplaneten zu düsen, wie im Film "District 9?" Kann sich das Alien in seiner Originalform zur Wehr setzen und wenn ja, wie? Wie detailliert musst Du das Leben eines NPCs nachspielen, ohne dass es zur öden Pflichtarbeit wird (erinnert sich noch jemand an das Bücherschleppen in "Shenmue 2"?). Muss das Alien auch schlafen und Nahrung zu sich nehmen? Und was passiert, wenn die FBI-Schnüffler Dich entdecken? Bedeutet das automatisch Game Over? Und so weiter.

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Schlimmer als ein Game Over wäre wohl nur noch eine Staffel "Akte X".

Weshalb wir dieses Spiel nie spielen werden

Du willst dieses absolute Top-Game jetzt natürlich sofort vorbestellen. Kann ich verstehen, aber ich schätze die Wahrscheinlichkeit, dass Rockstar gerade an diesem Milliarden-Konzept arbeitet, als eher gering ein. Zum einen scheuen Entwickler das finanzielle Risiko, eine brandneue Marke zu entwerfen. Erst recht, wenn sich diese Marke kaum mit einem knackigen Marketing-Buzzword zusammenfassen lässt – Open-World-Stealth-Science-Fiction-Lebenssimulation? Rafft doch kein Mensch.

Zum anderen hat mein Spiel keinerlei Multiplayer-Komponente, weil mich nichts weniger interessiert, als den unzusammenhängenden Fluchtiraden eines 15-Jährigen über Xbox Live zu lauschen. Aber wir wissen, dass da das ganz große Geld zu holen ist. Ein reines Singleplayer-Spiel ohne Battle Royale, Lootboxen oder ähnlichen Quatsch? In welcher Traumwelt lebst Du eigentlich, Wolf?

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So ungefähr guckt ein Produktmanager, wenn man ihm vorschlägt, ein Spiel ohne Mehrspielermodus zu machen.

Weshalb dieses Spiel trotzdem ein Superhit wäre

Dabei wäre das Alien aus der Nachbarschaft wirklich mal was anderes. Ein frisches, neues Konzept. Und wenn wir schon keinen Multiplayer haben, dann wenigstens innovative Möglichkeiten, wie sich mit dem Ding trotzdem jede Menge Kohle generieren lässt: einfach neue NPCs verkaufen. Oder kosmetische Items für die bereits erhältlichen NPCs (eine falsche Nase für den Soldaten, einen feschen Iro für die Oma). Ka-tsching.

Und warte mal, während ich das tippe, fällt mir doch eine Möglichkeit ein, eine Mehrspielerkomponente zu integrieren: Was wäre, wenn es in der Stadt zwei Aliens gäbe? Beide wissen voneinander, aber sie wissen nicht, wer ihr Gegner ist? Ein bisschen wie im originellen Mehrspielermodus von "Assassin's Creed Brotherhood". Wäre das nicht prickelnd? Ja. Ja, das wäre es.

Also, Rockstar: Ich erwarte euren Anruf. Ein neues "GTA" könnt ihr ja im Anschluss machen

Australien New South Wales Sydney Red Eye Records 143 York Streetfullscreen
Auch dieses Bild wird mir unter dem Stichwort "Alien" angeboten. Jemand sollte wirklich mal unsere Datenbank aufräumen.
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