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Mein Traumspiel: "Sailor Moon" als Ego-Shooter für Erwachsene

In unserer Serie "Mein Traumspiel" entwerfen wir Games, die es niemals geben wird, die wir aber wahnsinnig gern zocken würden.
Sailor Moon
Sailor Moon Traumspiel

Mit knapp 30 grinse ich heute noch wie ein kleines Mädchen, wenn ich mir Usagi Tsukinos Verwandlung in "Sailor Moon" ansehe. In meiner perfekten Gaming-Welt wäre der Anime ein grafisch ausgereifter PS4-Ego-Shooter. Meine Gegner wären quirlige Monster und das Game USK 16 – mindestens.

Sailor Moon war die Heldin meiner Kindheit und wird es immer bleiben. Aber man kann nicht auf ewig im Präteritum leben – oder? Doch, mit meinem Traumspiel könnte ich das. Darin wäre die Sailor-Kriegerin nicht die kindliche Anime-Heldin aus den 90ern, sondern ein taffer Charakter, den ich aus der Ich-Perspektive steuere.

Sie müsste gegen abstruse, bunte Monster kämpfen und hätte mehrere Attacken auf Lager. Sie würde sich weiterentwickeln, stärker werden und sich immer härteren Gegnern stellen. Mit den klassischen "Sailor Moon"-Spielen für Kinder auf Nintendo-Konsolen hätte das nicht mehr viel zu tun. Ich will "Sailor Moon" für Erwachsene!

Hallo, Luna, erklär mir die Welt!

Mein "Sailor Moon"-Game spielt in Tokio auf weitläufigen Maps – und zwar in der Dunkelheit. Zu Beginn der Kampagne läuft meiner Spielfigur auf dem Weg von der Uni nach Hause eine schwarze Katze namens Luna über den Weg. Sie ist der wichtigste NPC des Spiels, führt mich ins Game ein und zeigt mir bei jeder Mission auf Abruf das Ziel, Karte und Sammelgegenstände.

Um die nächste Ecke biegt direkt das erste Monster, ein kleiner japanischer Yokai. Luna erklärt mir in einem Tutorial, wie ich mich in Sailor Moon verwandle. Das tue ich in einer Cutscene – ausnahmsweise in Third-Person-Perspektive, damit ich auch sehe, wie hübsch ich bin. Wunsch-Feature: Das Ganze bitte als Single Shot und so gut gemacht wie in "God of War". Und mit dem Original-Soundtrack aus dem Anime. Gänsehaut pur!

Natürlich fliegt der Mondstein – und siegt!

Anschließend entdecke ich, wie ich kämpfen kann: Ich bekomme eine Art Plasmapistole, die sich aus dem Licht meines Mondsteins speist. Die ist blau und schießt Plasmakügelchen in leuchtendem Magenta – muss alles zum Outfit passen. Außerdem kann ich zuschlagen, wenn mir die Munition ausgeht. Als ultimative Attacke werfe ich natürlich den Mondstein. Dabei startet eine kleine Animation und ich sehe mich erneut in Third-Person-Perspektive.

Aber: Meine Ulti kann ich erst benutzen, wenn ich genug Energie gesammelt habe. Die bekomme ich, indem ich den Yokai etwas verprügle. Der Mondstein gibt ihm dann den Rest. Am Ende bekomme ich Erfahrungspunkte, die mich stärker machen.

Kampagne und Nebenmissionen: Leveln, leveln, leveln!

So beginnt mein Feldzug gegen das Böse. Die Kampagne besteht aus einzelnen Missionen, in denen ich neue Rätsel löse, Gegner ausfindig mache und Dämonen besiege. Die entspringen der japanischen Mythologie, sind aber eher bunt unterwegs und nicht ganz so unappetitlich wie etwa in "Nioh 2".

Und falls ich nur mal ein Stündchen zum Spielen habe, gibt es Nebenmissionen. Die sind kein sinnloses Farming und kein ewiger Grind, sondern knackige Aufgaben, die schönere Waffen garantieren. Ja, schönere, denn die Kosmetik ist in diesem Spiel besonders wichtig: Es wird gefährlich, aber hübsch und ein bisschen sexy – Sailor Moon als eine Mischung aus der quirligen Usagi Tuskino und der schießwütigen Revy aus "Black Lagoon".

Die Bosse werden immer mächtiger

Je stärker Sailor Moon wird, desto näher kommt sie den Zwischenbossen der Kampagne. Das sind keine Monster, sondern humanoide Wesen, die mit Zaubertricks hantieren und viel Waffengewalt und Taktik erfordern. Fallen die Bosse, entwickelt sich Sailor Moon weiter und lernt neue Fähigkeiten dazu.

Am Ende der Kampagne wartet Sailor Galaxia als Endboss. Sie ist immun gegen meine hübschen Waffen und ich muss zunächst eine Reihe verschiedener Rätsel lösen, um sie verwundbar zu machen. Am Ende siege ich natürlich trotzdem, die Welt ist gerettet und die Kampagne zu Ende.

Es folgt eine sentimentale Abschlussszene voller Harmonie, Freundschaft und Liebe. Ist immerhin "Sailor Moon", ein bisschen Kitsch muss sein. Ich kann danach einzelne Missionen erneut auswählen, Nebenmissionen erledigen und mir weitere Waffen- und Rüstungskosmetik erspielen.

Wo bleiben die Sailor-Krieger?

Sailor Moon hat nie allein gekämpft. Klar, im Anime konnte die Heulsuse nichts und hat die ganze Arbeit Mars, Jupiter und Co. überlassen. In meinem Traumspiel läuft das anders. Da lerne ich die restlichen Sailor Senchis in einzelnen Missionen kennen und spiele sie frei. Danach stehen sie mir als NPCs in Bosskämpfen zur Seite.

Wirklich Schaden verursache aber nur ich. Denn Sailor Moon in Erwachsen muss sich anstrengen und ist unabhängig von anderen. Das bedeutet vor allem, dass kein Tuxedo Mask in diesem Spiel vorkommt. Den Lauch mochte ich noch nie.

Die anderen Sailor-Krieger stehen mir nach Abschluss der Kampagne als spielbare Charaktere zur Verfügung. So kann jeder Gamer seine liebste Kriegerin spielen, leveln und mit ihr böse Monster bekämpfen. In meinem Fall wäre das übrigens Sailor Neptun.

Warum der Kindheitstraum nie wahr wird

Mein Traumspiel treibt mir leichte Tränen der Verzückung in die Augen, aber die bittere Wahrheit ist: Ich werde es nie spielen. Und Du auch nicht. Warum? Ich denke, die Zielgruppe ist etwas zu spitz und der Markt für Anime-Games außerhalb Japans nicht gerade der absatzstärkste.

Und, sind wir ehrlich: Wie viele von uns besitzen eine PS4 und haben schon mindestens ein Anime-Game für viel Geld gekauft, das grafisch mehr nach PS2 aussah? Die Griffe ins Klo sind zahlreich. Würdest Du tatsächlich ein Sailor-Moon-Spiel für rund 70 Euro kaufen, das Dich vielleicht enttäuscht? Ich nicht. Die Narben, die "Tokyo Ghoul: re [Call to Exist]" hinterlassen hat, sind dafür noch zu tief. Und abgesehen von Bandai Namco würde wohl niemand ein solches Spiel entwickeln.

Falls doch, hoffe ich, dass CD Project Red meine Idee klaut.

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