Nachgefragt: Kann "Monster Hunter: World" in Europa einschlagen?

"Monster Hunter: World" erscheint am 26. Januar.
"Monster Hunter: World" erscheint am 26. Januar. (©Capcom 2018)
David Albus Überbrückt Ladepausen in PC-Games an der Nintendo Switch – und umgekehrt.

Tausende Gamer warten gespannt auf den Release von "Monster Hunter: World", das am 26. Januar für PS4 und Xbox One erscheint. Doch warum ist der neueste Ableger einer bislang vor allem in Japan erfolgreichen Spielereihe hierzulande eigentlich so eine große Sache? Ich habe bei Game-Director Yuya Tokuda nachgefragt, warum "Monster Hunter: World" nun auch in Europa ein Hit wird.

Wer die Gaming-Presse in den letzten Monaten einigermaßen aufmerksam verfolgt hat, muss zwangsläufig den Eindruck bekommen, dass "Monster Hunter: World" der mit Abstand größte Release des Monats Januar und einer der wichtigsten Titel des Frühjahrs 2018 wird. Der sechste große Ableger (zahlreiche Spin-offs und Nebenstränge nicht mitgezählt) der in Japan schon höchst erfolgreichen "Monster Hunter"-Reihe erscheint dabei erstmals zeitgleich überall auf der Welt, und es ist nicht zu übersehen, dass Publisher Capcom diesmal voll auf den Erfolg auch außerhalb Asiens setzt. Aber was ist eigentlich so besonders an dieser Spielereihe? Und warum soll sie ausgerechnet jetzt den ganz großen Sprung auf den westlichen Markt schaffen?

"Monster Hunter: World"-Produzent Yuya Tokuda stand TURN ON Rede und Antwort.
"Monster Hunter: World"-Director Yuya Tokuda stand TURN ON Rede und Antwort.

Game Director Yuya Tokuda erklärt "Monster Hunter: World"

Wer Yuya Tokuda bittet, sein neues Spiel mal für Unkundige der "Monster Hunter"-Reihe zu umreißen, bekommt jedenfalls zunächst eine einigermaßen unspektakuläre Antwort: "'Monster Hunter: World' ist ein Actionspiel, in dem Du mit 14 verschiedenen Waffentypen auf die Jagd nach fantastischen Drachen-Monstern gehst, die sich aber wie realistische Tiere verhalten", erklärt mir der japanische Spielemacher beim Pressetermin in Hamburg. "Dabei kannst Du im Multiplayer-Koop mit bis zu drei anderen Spielern losziehen." Viel Action, ein bisschen Rollenspiel, fette Monster, harte Kämpfe: das klingt so weit nach durchaus klassischer Kost und deckt sich mit dem Eindruck, den ich beim Anspielen von "Monster Hunter: World" vor einigen Monaten – meinem ersten Berührungspunkt mit einem "Monster Hunter"-Spiel – gewinnen konnte.

Anspielbericht

Und doch macht "Monster Hunter: World" vieles ein bisschen anders. Wenn Tokuda die Feinheiten im Vergleich zu anderen Action-RPGs zu beschreiben versucht, wird schon deutlicher, was die Faszination der Reihe ausmacht: "In den meisten anderen Spielen dieser Art gibt es Spielerklassen, von denen manche zum Beispiel mehr Schaden anrichten. In 'Monster Hunter' sind die 14 Waffen viel flexibler und Du musst Dich nicht auf einen Waffentyp festlegen. Es ist also wichtig, sich nicht darauf zu versteifen, 'die beste Waffe' zu finden, sondern die zu nehmen, die Dir am meisten zusagt."

Die Jagd auf Dino-Monster braucht gute Vorbereitung.

Wer in "Monster Hunter" Erfolg haben will, muss sich gut vorbereiten, ein komplexes System von Waffen und Items meistern – und Loot grinden was das Zeug hält, um die eigene Ausrüstung zu verbessern. Dazu passt eine in einschlägigen Foren – etwa bei Reddit – immer wieder geäußerte Sorge von langjährigen "Monster Hunter"-Fans: Sie befürchten, "World" könne "zu casual" werden, sich nicht mehr an den Wurzeln des Games orientieren und für "den Westen" skilltechnisch entschärft worden sein.

PS4 & Xbox One als Tor zum westlichen Markt

Seit dem Start der Reihe im Jahr 2004 sind "Monster Hunter"-Games komplexe Werke für Taktiker, Zahlenfüchse und Vorausplaner, die sich vor allem in Japan gut verkaufen, unzählige Ableger hervorbrachten und in den letzten Jahren in erster Linie für Handheld-Konsolen erschienen. Dass Publisher Capcom nun mit großer Marketing-Offensive versucht, "Monster Hunter: World" in Europa zu mehr Erfolg zu verhelfen, liegt tatsächlich maßgeblich daran, dass das Spiel für PS4, Xbox One und im Herbst 2018 auch für den PC erscheint.

"Dass wir 'Monster Hunter: World' auf Heimkonsolen und PC bringen, hat mit dem Feedback zu tun, das wir über die Jahre bekommen haben: Die Leute wollen gern ein 'Monster Hunter', das sie zu Hause auf einem großen Bildschirm spielen können", erklärt Tokuda. "Handheld-Konsolen und vor allem die Idee, ein komplexes Actionspiel auf einer Handheld-Konsole zu spielen, waren auf dem europäischen Markt bislang nicht so angesagt." Es genügt ein kurzer Blick auf aktuelle Games-Verkaufszahlen, um zu verstehen, dass das im "Monster Hunter"-Heimatland Japan seit Jahren ganz anders aussieht.

Handheld-Hit: "Monster Hunter: Generations" erschien für Nintendo 3Ds und erst kürzlich auch für Nintendo Switch.
Handheld-Hit: "Monster Hunter: Generations" erschien für Nintendo 3Ds und erst kürzlich auch für Nintendo Switch.

Japanische Games boomen – und "Monster Hunter" will mitmachen

Zusätzlich zu den zum hiesigen Markt passenden Plattform-Vorlieben ist "Monster Hunter: World" aber auch unter einem weiteren Aspekt das richtige Spiel zur richtigen Zeit: In den vergangenen Jahren haben japanische Spiele auf dem westlichen Markt einen regelrechten Boom erlebt, was sich unter anderem an auch hierzulande erfolgreichen JRPGs wie "Persona 5", "NieR: Automata" oder dem Aufstieg der "Dark Souls"-Reihe zum Kult-Franchise zeigt.

Natürlich hoffen die Entwickler, auf dieser Erfolgswelle mitschwimmen zu können. Absicht war das aber wohl nicht, im Gegenteil: "Wir haben mit der Entwicklung vor vier Jahren angefangen und damals war die japanische Spieleindustrie tatsächlich in einem Tief, verglichen mit der Popularität westlicher Spiele", erzählt der Game-Director. "Während dieser vier Jahre hieß es nämlich plötzlich 'Die japanische Industrie ist zurück!' Wir haben bei 'Monster Hunter: World' also viel Glück mit dem Timing gehabt."

In den letzten Jahren hat sich der westliche Markt stark für japanische Games geöffnet 0 etwa für RPGs wie "Persona 5". Kann "Monster Hunter: World" davon profitieren?
In den letzten Jahren hat sich der westliche Markt stark für japanische Games geöffnet 0 etwa für RPGs wie "Persona 5". Kann "Monster Hunter: World" davon profitieren?

"Monster Hunter: World" im Spagat: Komplexität vs. Zugänglichkeit

Zurück zu den Sorgen der Hardcore-Fans: Ob die berechtigt sind, kann ich als Neuling nicht beurteilen. "Monster Hunter: World" will es aber schaffen, auch diese Fans abzuholen, die laut Tokuda auch "Monster Hunter 4: Ultimate" schon immerhin rund eine Million verkaufte Einheiten außerhalb Japans bescherten. Gleichzeitig dürfen neue Spieler und "Casuals" nicht verschreckt werden – und hier liegt vielleicht einer der Gründe, warum "Monster Hunter: World" vor seinem Release so präsent in Foren, Werbung und Medien ist: Seit Monaten erscheinen stetig neue Video-Guides, die Spielern die Waffen, Monster, Landschaften und Systeme des Spiels nahebringen, regelmäßige Events halten das Spiel im Gespräch.

Dazu gibt es Änderungen am Gameplay, die vor allem den Einstieg erleichtern – etwa ein Trainings-Areal, in dem die Waffen und ihre Kombos ausprobiert werden können. Auch, dass "Monster Hunter: World" auf größere Jagdgebiete als zuvor setzt und sich damit ein Stück weit die extrem erfolgreichen Open-World-Games zum Vorbild nimmt, schadet sicher nicht beim Versuch, das komplexe Spiel zugänglicher und einem westlichen Publikum vertrauter erscheinen zu lassen und die Einstiegshürde zu senken. Aus eigener Erfahrung kann ich hier sagen: Es funktioniert – und dennoch habe ich mich nicht unterfordert gefühlt.

Reichen diese Anpassungen, um aus einem spezialisierten Franchise für Hardcore-Bossjäger ein Koop-Vergnügen zu machen, das auch die breite Masse anspricht? Das wird sich zeigen. In jedem Fall hat Capcom bei "Monster Hunter: World" ideale Voraussetzungen geschaffen. Wenn das Game überzeugt, wird der Hype nach dem Release dann vielleicht sogar noch ein bisschen größer.

Release
"Monster Hunter: World" erscheint am 26. Januar 2018 für PS4 und Xbox One sowie im Herbst 2018 für PC.

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