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"Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy": Barbara Salesch wäre neidisch!

Ich mag weder Visual Novels noch den trägen und langweiligen Justizapparat – und trotzdem konnte mich die "Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy" begeistern. Wie sie das geschafft hat, erfährst Du jetzt.

Japaner verstehen es einfach, auch die trockensten Themen mit Spannung und Leben zu füllen. Als Anime-Fan konnte ich mich schon immer für Serien begeistern, die zunächst langweilig anmutende Handlungen allein durch eine gute Präsentation zu einem spannenden Erlebnis machen.

"Shokugeki no Soma" ist beispielsweise ein Anime über das Kochen. Das wird aber so actionreich in Szene gesetzt, dass Du denkst, Du würdest "Dragonball" schauen. Oder "Akagi" – ein Anime über Mahjong. Das Spiel mit chinesischem Ursprung wird in der Serie so überzeugend und spannend dargestellt, dass ich nach dem Ende der Serie sogar beschloss, das Spiel zu lernen.

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Allein der Anblick eines Gerichtssaals bringt mich normalerweise schon zum Gähnen.

Coole Charaktere machen selbst langweiliges Gefasel interessant

Und genau wie die genannten Animes das Schneiden von Zwiebeln und das Hinlegen von Steinen für mich auf magische Weise interessant gemacht haben, hatte ich auch mit der "Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy" eine ganze Menge Spaß, obwohl mir die dröge Welt der Justiz normalerweise so gar nicht zusagt.

Wenn Du nun der Meinung bist, dass Gerichtsverhandlungen und Anwaltsgedöns super spannend sind, muss ich Dir widersprechen. Für mich gibt es nichts Langweiligeres als die Justiz – egal ob fiktiv oder real. Serien und Filme über die Rechtsprechung sind mir ein absolutes Graus. Die Analyse jedes Wortfetzens von Angeklagten und Zeugen bis auf das letzte Atom raubt mir normalerweise den letzten Nerv und ich bin auch kein großer Fan von der Spurensicherung am Tatort.

Und obwohl das Genannte einen großen Teil des Gameplays ausmacht – sofern man bei Visual Novels überhaupt von Gameplay sprechen kann –, fand ich die "Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy" trotzdem richtig geil. Warum? Weil die Charaktere ordentlich Geschmack in die fade Justizsuppe bringen.

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Gerichtsverhandlungen sind spannend? Da muss ich widersprechen!

Zeugen ausquetschen, Beweise sammeln, Lügner entlarven, repeat

Für diejenigen, die bei der Serie absolut im Dunklen tappen, hier ein kurzer Abriss dieser Games. Bei den "Phoenix Wright"-Spielen handelt es sich um Visual Novels oder digitale Bilderbücher, wie ich sie nenne. Spielerisch sind diese erwartungsgemäß ziemlich unspektakulär und die meiste Zeit wird mit dem Lesen von Textboxen verbracht. Die Fälle laufen alle nach dem gleichen Schema ab: Es geschieht ein Mord, eine unschuldige Person wird angeklagt und es ist Deine Aufgabe, den Angeklagten wieder herauszuboxen.

Dafür sammelst Du am Tatort Beweise, die deinen Mandaten entlasten und redest mit Zeugen. Hast Du die nötigen Hinweise gesammelt, geht es in den Gerichtssaal, wo Dein Mandant durch Zeugen schwer belastet wird – und die lügen natürlich wie gedruckt. Dann liegt es an Dir, die Schwachstellen in ihren Aussagen ausfindig zu machen und mit den gesammelten Beweisen die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Wahrscheinlich möchtest Du jetzt ganz im Stile des Protagonisten Phoenix Wright aufspringen und mir einen "EINSPRUCH" vor den Latz knallen. Du wirst mir vorhalten wollen, dass das besagte "Gameplay" genau das ist, was ich an der Justiz so langweilig finde, und damit hast Du vollkommen recht. Die Spiele würden mich mächtig langweilen, wenn da nicht die absolut durchgeknallten Charaktere und die gute Story wären.

Mit den Beweisen in der Hinterhand gibt sich Phoenix cool und abgeklärt. fullscreen
Mit den Beweisen in der Hinterhand gibt sich Phoenix cool und abgeklärt.
Häufig erwischen ihn Richter oder Staatsanalt aber auch auf dem falschen Fuß und er guckt ein wenig dumm aus der Wäsche. fullscreen
Häufig erwischen ihn Richter oder Staatsanalt aber auch auf dem falschen Fuß und er guckt ein wenig dumm aus der Wäsche.
Miles Edgeworth: Arrogant, kalt und skrupellos. fullscreen
Miles Edgeworth: Arrogant, kalt und skrupellos.
Franziska von Karma verschafft sich mit der Peitsche Respekt im Gerichtssaal. fullscreen
Franziska von Karma verschafft sich mit der Peitsche Respekt im Gerichtssaal.
"Schwärzer als die mondlose Nacht, heißer und bitterer als die Hölle selbst... das ist Kaffee." – Godot fullscreen
"Schwärzer als die mondlose Nacht, heißer und bitterer als die Hölle selbst... das ist Kaffee." – Godot
Mit den Beweisen in der Hinterhand gibt sich Phoenix cool und abgeklärt.
Häufig erwischen ihn Richter oder Staatsanalt aber auch auf dem falschen Fuß und er guckt ein wenig dumm aus der Wäsche.
Miles Edgeworth: Arrogant, kalt und skrupellos.
Franziska von Karma verschafft sich mit der Peitsche Respekt im Gerichtssaal.
"Schwärzer als die mondlose Nacht, heißer und bitterer als die Hölle selbst... das ist Kaffee." – Godot

Sympathische Typen und durchgedrehte Freaks

Fangen wir doch gleich mal beim Hauptcharakter Phoenix Wright an. Der sympathische Strafverteidiger hat gerade erst sein Studium beendet und wird bei seinem ersten Fall gleich in einen Mordfall geworfen. Und als echter Underdog hat er bei mir direkt einen Stein im Brett. Ich stehe einfach total darauf, wenn sich ein Charakter von ganz unten nach oben hochkämpft. Außerdem finde ich sein Auftreten einfach super sympathisch, egal ob er sich über einen kleinen Sieg in einer Diskussion freut oder von seinem Rivalen, dem arroganten Staatsanwalt Miles Edgeworth, richtig eins ausgewischt bekommt. Die Achterbahnfahrt der Gefühle, die Phoenix in jeder Verhandlung durchlebt, ist ein absolutes Highlight.

Aber nicht nur der Hauptcharakter kann sich sehen lassen. Besonders die Antagonisten haben es mir mit ihren einzigartigen, starken Charaktertypen besonders angetan. Sei es der arrogante Miles Edgeworth, die Peitsche schwingende Franziska von Karma oder der Masken tragende Kaffeeliebhaber Godot. Solche durchgeknallten Gestalten trifft man in einem echten Gerichtssaal doch eher selten an.

Im ersten Fall steht Dir Deine Chefin Mia Fey noch in Fleisch und Blut zur Seite. fullscreen
Im ersten Fall steht Dir Deine Chefin Mia Fey noch in Fleisch und Blut zur Seite.
Maya Fey sitzt in U-Haft, sie soll ihre Schwester getötet haben. fullscreen
Maya Fey sitzt in U-Haft, sie soll ihre Schwester getötet haben.
Weil Mia und Maya spirituelle Medien sind, kann Mias Geist den Körper ihrer Schwester übernehmen. fullscreen
Weil Mia und Maya spirituelle Medien sind, kann Mias Geist den Körper ihrer Schwester übernehmen.
Der Hotelpage hat gleich sein Teeservice mit zur Verhandlung gebracht. fullscreen
Der Hotelpage hat gleich sein Teeservice mit zur Verhandlung gebracht.
Der Filmdirektor ist so 1337. fullscreen
Der Filmdirektor ist so 1337.
Redd White ist ein echt schmieriger Typ. fullscreen
Redd White ist ein echt schmieriger Typ.
Im ersten Fall steht Dir Deine Chefin Mia Fey noch in Fleisch und Blut zur Seite.
Maya Fey sitzt in U-Haft, sie soll ihre Schwester getötet haben.
Weil Mia und Maya spirituelle Medien sind, kann Mias Geist den Körper ihrer Schwester übernehmen.
Der Hotelpage hat gleich sein Teeservice mit zur Verhandlung gebracht.
Der Filmdirektor ist so 1337.
Redd White ist ein echt schmieriger Typ.

Es laufen aber noch eine ganze Menge mehr verrückte Vögel im Spiel rum. Da wäre zum Beispiel der Hotelpage, der mit seinem Teeservice zur Verhandlung erscheint, oder der Regisseur einer japanischen Superheldenserie, der den Prototypen eines Animenerds (auf japanisch "otaku") darstellt. Als ich plötzlich Sprüche wie "that costume r0x0rz" oder "you've triggered my CR34T1V3 P0W3RZ!" in Leetspeak lesen musste, hat es mich fast vom Stuhl gehauen. Auf jeden Charakter einzugehen, würde definitiv den Rahmen sprengen, aber ich versichere Dir, dass ich alle von ihnen ins Herz geschlossen habe – egal ob sympathisch, arrogant oder total durchgeknallt.

Verwoben sind die Charaktere in eine zwar logische, aber nicht ganz realistische Story. Achtung, Mini-Spoiler: Deine Chefin Mia Fey wird aufgrund ihrer Ermittlungen in einem großen Fall ermordet und ihre Schwester ist die Tatverdächtige. Nachdem Du den Fall gelöst hast, erscheint Mias Geist dann regelmäßig im Körper ihrer Schwester, weil die beiden aus einer Familie mit spirituellen Medien kommen – so weit, so normal. Deine ehemalige Chefin steht Dir somit im Laufe des Spiels weiter als guter Geist zur Seite und versorgt Dich mit nützlichen Hinweisen.

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Manchmal hat mir die Spurensuche auch ein wenig Spaß gemacht.

Gameplay naja, Charaktere oha!

Abschließend möchte ich an dieser Stelle sagen, dass mir die "Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy" eine Menge Spaß gemacht hat. Und das, obwohl ich kein Fan von Visual Novels bin und die Justiz auch nicht gerade zu meinen Interessengebieten gehört. Ich muss sogar zugeben, dass es mir manchmal sogar ein wenig Spaß gemacht hat, nach Hinweisen zu suchen und die Aussagen der Zeugen auseinanderzunehmen. Letztendlich waren es aber die sympathischen Charaktere und die interessante Story, die mich bei der Stange gehalten haben. Spieler, die der Justiz etwas mehr als ich abgewinnen können, könnten hier aber womöglich sogar ihr absolutes Traumspiel gefunden haben.

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