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Preview: "Disintegration" ist ein angenehm langsamer Strategie-Shooter

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"Disintegration" will Ego-Shooter und Strategie verbinden.

"Halo"-Miterfinder Marcus Lehto und sein Studio V1 Interactive arbeiten derzeit an "Disintegration", einem neuen Ego-Shooter mit Strategie-Elementen. Auf der Gamescom 2019 konnte ich den Multiplayer-Modus schon ausprobieren – und hatte gegen jede Erwartung eine Chance.

Kompetitive Ego-Shooter und ich sind wie Romeo und Julia: Wir kommen einfach nicht zusammen. Das Kernproblem lässt sich dabei auf "Alle anderen sind zu schnell" beziehungsweise "Ich bin zu langsam" herunterbrechen, wobei mir zugleich der Ehrgeiz zum Trainieren fehlt. Als es auf der Gamescom 2019 ans Anspielen des 5-gegen-5-Multiplayer-Modus des brandneuen Ego-Shooters "Disintegration" ging, rechnete ich folglich nicht damit, allzu viel Spaß zu haben. Ein Irrtum.

Im Gravehikel übers Schlachtfeld

In "Disintegration" spiele ich den Piloten eines sogenannten Gravehikels – einer futuristischen Kreuzung aus Raumschiff und Motorrad. Mit diesem Gefährt fliege ich über das Schlachtfeld und schieße mit der Bordkanone auf Gegner. So weit, so unspektakulär. Interessant wird das Ganze dadurch, dass am Boden ständig drei computergesteuerte Einheiten mit mir mitlaufen. Die kann ich per Tastendruck herumkommandieren, sie zum Angriff beordern oder ihnen auftragen, Gegenstände mitzunehmen.

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Vorwärts! Vom Gravehikel aus kommandiere ich in "Disintegration" meine Bodentruppen.

Ich spielte auf der Gamescom eine Art abgewandelten "Capture the Flag"-Modus: Mithilfe meiner KI-Kumpanen (und mehrerer menschlicher Mitstreiter im eigenen Gravehikel und mit eigenen Bodentruppen) muss ich einen Energiekern aufnehmen und ihn dann zu einem bestimmten Punkt auf der Karte befördern. Dieser Punkt liegt aber nicht in meinem Lager, sondern mitten im Stützpunkt des gegnerischen Teams. Reibereien sind also vorprogrammiert.

In der (relativen) Ruhe liegt die Kraft

Als ich erstmals die Kontrolle über mein Gravehikel übernehme, fällt sofort eines auf: Meine Güte, ist das Ding langsam! Ich schwebe ziemlich gemächlich durch das Level, mit einem Boost kann ich mir immerhin kurz ein bisschen Beschleunigung verschaffen. Nachfrage bei Entwickler Blake Low, der vor "Disintegration" an "Destiny "und "Halo" gearbeitet hat: "Soll das so?" Es soll so – und ich habe sogar aus Versehen das schnellste der verfügbaren Fluggeräte ausgerüstet. Na dann ...

Waffenwahl
In "Disintegration" stehen unterschiedliche Gravehikel mit unterschiedlicher Bewaffnung zur Auswahl. Manche verfügen über Raketenwerfer oder Minenleger, andere haben Heil-Strahler an Bord. Auch die Bodentruppen unterscheiden sich und bringen Spezialfähigkeiten mit, die gezielt eingesetzt werden müssen.

Ziemlich bald entpuppt sich die Trägheit aber als Vorteil: Sobald es Feindkontakt gibt, verschafft sie den Spielern die nötige Zeit zum Nachdenken. Denn auch, wenn es naheliegend ist, einfach mit dem Gravehikel auf alles zu feuern, was sich bewegt: Die klügste Strategie ist das nicht. Auf dem verwinkelten Schlachtfeld bieten sich viele Gelegenheiten, um Gegnern aufzulauern, Fallen zu stellen und die eigenen Bodentruppen taktisch einzusetzen. Meine drei Fußsoldaten tragen nämlich nicht nur die Energiekerne ins Feindeslager, sie haben auch viel mehr Feuerkraft als mein Gravehikel. Gut zu wissen!

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Blick aus dem Cockpit auf Team und Gegner: "Disintegration" spiele ich stets in der Vogelperspektive.

Taktik statt Reflexe

Statt selber übers Gelände zu wetzen und nach wenigen Sekunden per Kopfschuss wieder aus dem Spiel geputzt zu werden, schwebe ich in "Disintegration" ein Stück im Hintergrund und gebe Befehle – mit einer einzigen Taste auf dem Controller, über die ich je nach Situation Angriffsbefehle, Deckungs-Manöver oder Aufsammel-Kommandos ausspreche. Ein bisschen erinnert das an das flexible Ping-System von "Apex Legends", nur dass mir das langsame Gameplay von "Disintegration" deutlich mehr liegt. Low bestätigt, dass das Game einen Mittelweg zwischen Shooter und Strategie finden will und dass es die Taktiker unter den Spielern eben vor allem durch das gemächlichere Tempo ins Boot holt.

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Am Design der Charaktere und der Spielwelt ist die "Halo"- und "Destiny"-Vergangenheit der Entwickler deutlich sichtbar.

Basierend auf dem kurzen Eindruck aus der Demo kann ich sagen: Der Ansatz funktioniert und ich hätte sogar gern noch ein bisschen mehr gespielt. Wenn "Disintegration" irgendwann im nächsten Jahr erscheint, werde ich gegen die ganzen Superhirne, die nach wenigen Stunden schon die effektivsten Taktiken ausbaldowert haben, nämlich garantiert ganz schnell wieder den Kürzeren ziehen – Reflexe hin oder her. Das Potenzial für große taktische Tiefe ist dem Spiel jedenfalls jetzt schon anzumerken.

Singleplayer-Story: Müde Cyborgs gegen überzeugte Cyborgs

Das Game soll aber nicht nur ein Multiplayer-Titel werden, sondern auch eine ausgewachsene Singleplayer-Kampagne mitbringen. Als Referenz nennt Low "Halo 3", das ebenfalls beide Modi als Teile eines Ganzen behandelt habe. Und es gibt gute Gründe, sich auf den Einzelspieler-Modus von "Disintegration" zu freuen, denn die Story klingt vielversprechend:

Um Seuchen, Katastrophen und den Klimawandel zu überleben, haben die Menschen der Zukunft angefangen, ihre Gehirne als Übergangslösung in stabile Roboter-Körper zu "integrieren". Das funktioniert eine Zeitlang gut – zu gut: Teile der Menschheit, die sogenannten Rayonne, fühlen sich als Cyborgs pudelwohl, wollen gar nicht mehr zurück in die fleischlichen Hüllen und machen Jagd auf alle, die sich nach Haut, Knochen, Essen, Sex und sonstigen Menschlichkeiten – kurz: nach der "Dis-integration" – sehnen. Als Gravehikel-Pilot Romer Shoal führe ich nun eine kleine Gruppe von Rebellen an und stelle mich den Rayonne entgegen.

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Cyborg Romer Shoal (rechts) wäre gern wieder ein Mensch.
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Die Rayonne hingegen fühlen sich als starke Mensch-Maschine-Hybriden recht wohl.
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Da bleiben Konflikte nicht aus ...
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Wenn das gegen Computergegner ähnlich viel Spaß macht wie gegen menschliche Kontrahenten, wird mich "Disintegration" im nächsten Jahr definitiv eine Weile beschäftigen. Vielleicht ja sogar im Multiplayer ...

Release
"Disintegration" erscheint 2020 für PC, PS4 und Xbox One.

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