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Preview: "The Falconeer" ist "Game of Thrones" als Flugsimulator

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"The Falconeer" bietet tolle Arcade-Action – und einiges mehr. Bild: © Wired Productions 2020

"The Falconeer" ist einer der Launch-Titel für die Xbox Series X, das Game schickt mutige Falkenreiter in eine Ozeanwelt voller Gefahren. Was aussieht wie ein actionreicher Arcade-Flugsimulator mit Fantasy-Twist, entpuppt sich beim Anspielen als unerwartet düsteres Open-World-Rollenspiel mit einer gehörigen Dosis Intrigen.

Schon Anfang des Jahres durfte ich "The Falconeer" kurz in Augenschein nehmen – als Zuschauer, während mir Entwickler Tomas Sala sein im Alleingang erschaffenes Luftkampf-Fantasy-Game vorführte. Jetzt, gut eineinhalb Monate vor dem Release für Xbox Series X/S und PC, konnte ich mit einem Beta-Build selbst auf den Falkenrücken steigen und meine drängendste Frage klären: Spielt sich das Game so gut und flüssig, wie es bei Sala aussah und in Trailern den Eindruck erweckt?

So schön war Fliegen selten

Es dauert nur wenige Minuten, bis mich "The Falconeer" als Arcade-Flugspiel auf den Spuren von "Freelancer", "TIE Fighter" und Konsorten vollends überzeugt. Butterweich gleitet mein Falke über das endlose Meer der Ursee, die mit ihren Inseln den Open-World-Schauplatz des Spiels bildet. Zum Steuern genügen sanfte Bewegungen des linken Analog-Sticks und eine einzige Schultertaste am Controller. Kämpfe gegen Luftpiraten und andere Feinde auf fliegenden Riesentieren sind temporeich und spannend: Sich hinter berittene Falken, säurespeiende Riesenkäfer oder gewaltige Luftrochen zu hängen und sie mit pfeifenden Schüssen aus den Wolken zu picken, wird einfach nicht langweilig.

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Frei wie ein Vogel: Fliegen fühlt sich in "The Falconeer" großartig an. Bild: © Wired Productions 2020

Auch abseits von Kämpfen macht das Fliegen Laune. Über die wogenden Wassermassen zu segeln und die reduzierte, aber umwerfend schöne Optik zu genießen, hat meditative Qualitäten. Wolkenbänder und Nebelwände ziehen vorbei, wechselndes Sonnenlicht taucht die Ursee in satte Rot- und Gelbtöne, Gischt spritzt empor, wenn Wale und Fischschwärme aus den Fluten springen – toll!

Das Anspielen bestätigt meinen schon lange bestehenden Eindruck: "The Falconeer" ist ein Titel, den sich Fans von Flugspielen ernsthaft vormerken sollten. Je tiefer ich in die Kampagne eintauche, desto mehr kommt aber noch eine ganz andere Seite zum Vorschein: "The Falconeer" ist mindestens so sehr "Game of Thrones" wie es "Crimson Skies" ist.

Verstrickt im Krieg der Adelshäuser

Die Inseln der Ursee werden von verschiedenen Häusern regiert, die unterschiedliche Beziehungen zueinander haben. Als fliegender Söldner biete ich meine Dienste allen zugleich an. Das Spiel hat mehrere einzeln anwählbare Kampagnen, in jeder kämpfe ich auf der Seite einer anderen Fraktion. Das erste Kapitel etwa stellt mich in Lohn und Brot des Hauses Dunkle, dem ich zunächst nur beim Beseitigen eines Piratenproblems und dem rechtzeitigen Überliefern von Tributzahlungen helfen soll. Doch schon nach wenigen Missionen stecke ich mitten in einer handfesten Intrige: Ein anderes Haus macht gemeinsame Sache mit den Piraten. Als meine Auftraggeber das herausfinden, nutzen sie dieses Wissen, um die Rivalen zu erpressen.

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Seine Geschichte erzählt das Spiel vor allem in Missions-Briefings und Funksprüchen zwischen Piloten. Bild: © Wired Productions 2020

Plötzlich muss ich moralisch sehr fragwürdige Missionen fliegen: Eine Stadt einer Rivalen-Fraktion wird von Piraten angegriffen, und ich soll zugleich unbemerkt die Verteidigung der Insel schwächen und die Freibeuter im letzten Moment zurückschlagen. Das Kalkül: Die Stadt wird zum Teil zerstört, das entsprechende Haus geschwächt, und Dunkle bekommt eine bessere Verhandlungsposition. Gleichzeitig stehen wir als große Retter da. Ein abgekartetes Spiel – und eines, das ich von "The Falconeer" in dieser erzählerischen Tiefe nicht erwartet hätte.

Noch nicht alles läuft so rund wie Gameplay & Story

Laut Entwickler Sala fügen sich die Entwicklungen der einzelnen Kampagnen in späteren Kapiteln zu einem großen Ganzen zusammen. Ich bin gespannt, wie das Spiel diese Rollenspiel-Komponenten in der Vollversion hinbekommt – und hoffe, dass sich bis dahin an einigen Ecken noch etwas tut. Denn obwohl das Fliegen, die Atmosphäre und die Erzählung schon jetzt überzeugen: Ohne Tadel ist "The Falconeer" nicht.

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Über den Wassern der Ursee geht's turbulent zu – nicht immer im positiven Sinne. Bild: © Wired Productions 2020

Viele Probleme lassen sich unter dem Schlagwort "Betriebsblindheit" zusammenfassen: Sala entwickelt "The Falconeer" allein und weiß, wie alles läuft. Ich aber nicht. Features werden unzureichend erklärt, Menüs fallen verwirrend aus, teils gibt das Spiel widersprüchliche Hinweise, was eigentlich zu tun ist. Die Kampagnen-Struktur mit den einzeln anwählbaren Kapiteln bekommst Du etwa in diesem Artikel besser erklärt als im Spiel – das ändert sich hoffentlich zum Release.

Andere Baustellen sind Design-Entscheidungen. In Missionen keinerlei Checkpoints anzubieten mag im Flugspiel-Genre Tradition haben, wirkt aber unzeitgemäß und unnötig frustrierend. Bei der Vielfalt der Missionsziele dürfte auch noch ein bisschen passieren: Momentan bestehen die Aufgaben vor allem aus Variationen von "Bringe Item X nach Y" und " Besiege alle Gegner im Gebiet". Kämpfen macht in "The Falconeer" wie gesagt viel Spaß, etwas mehr Abwechslung würde trotzdem nicht schaden.

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Neben Kämpfen und Erkunden gibt es kleinere Aktivitäten wie Zeitrennen. Bild: © Wired Productions 2020

Hoffen auf das Beta-Feedback

Im Oktober findet eine Beta-Phase statt, in der deutlich mehr Spieler den Falken Probe fliegen können – Anmeldungen sind über den Discord-Channel zum Spiel möglich. Viele der Schwachpunkte könnte der Entwickler mit dem dort gesammelten Feedback bis zum Release noch beheben. Auf spielmechanischer Ebene hinterlässt "The Falconeer" in der Preview schon einen runden Eindruck und ist unerwarteterweise nicht nur für Hobby-Piloten, sondern auch für Rollenspiel-Fans äußerst interessant.

Release
"The Falconeer" erscheint am 10. November für Xbox One, Xbox Series X/S und PC.
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