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PS5: Warum das Ende der PS4 vorerst noch nicht zu erwarten ist

Geht so schnell nicht weg: die PS4.
Geht so schnell nicht weg: die PS4. (©TURN ON 2016)

Läuten die angekündigten Exklusiv-Spiele für die PS4 das Ende der aktuellen Konsolengeneration ein? Auch die vermehrten Meldungen zur heiß erwarteten PS5 werfen die Frage auf, ob es schon bald eine neue Spielekonsole von Sony geben wird. Ruhig Blut – noch steht der Tod der PS4 nicht bevor. 

Als die PS4 im Herbst 2013 auf den Markt kam und es mit der PS3 langsam aber sicher zu Ende ging, waren einige der stärksten Exklusivspiele für Sonys schwarze Kiste gerade erschienen. Darunter waren "God of War: Ascension", "The Last of Us" und "Gran Turismo 6" – also Franchises, die auch jetzt wieder sehr aktuell sind. Dazu hatten die Sony-Studios Quantic Dream und Insomniac Games mit "Beyond: Two Souls" und "Ratchet & Clank: Into the Nexus" neue Spiele veröffentlicht. Nun arbeiten beide Entwickler gerade an den großen Games "Detroit: Become Human" und "Spider-Man". Sind diese deutlichen Parallelen also Anzeichen dafür, dass es mit der PS5 nicht mehr lange dauern kann? Ich denke nicht – und hier sind die Gründe.

Die PS3-Generation dauerte sieben (!) Jahre

Na klar, die Zeiten ändern sich, und sie werden vor allem immer schneller: Smartphone-Zyklen vergehen mittlerweile sogar zügiger, als die übliche 24-monatige Vertragslaufzeit von Mobilfunkanbietern. Eine Konsolengeneration fordert aber von allen beteiligten Unternehmen immense Investitionen: Publisher müssen zum Beispiel davon überzeugt werden, eine Plattform auch mit Software zu versorgen – sonst droht ein Debakel wie etwa bei der Nintendo Wii U.

So tief greifen die Unternehmen nur in die Tasche, wenn sie auch sicher gehen können, dass der Lebenszyklus der Hardware lang genug dauert, um die Kosten wieder mit Gewinn einzunehmen. Dass die Produktionskosten eines aktuellen Videospiels die 100-Millionen-US-Dollar-Grenze sprengen ist nicht ungewöhnlich. Die Einführung einer neuen Konsole ist daher nicht nur ein Risiko für den Hersteller, sondern auch für die Publisher. Das ist mit ein Grund dafür, dass die PS3 ganze sieben Jahre auf dem Markt war, als die PS4 in den Verkauf ging. Diese hat nun also gut die Hälfte dieses Zeitraums auf dem Buckel und erst Ende 2016 kam die überarbeitete PS4 Pro – was ohnehin ein Novum in der Geschichte der PlayStation darstellte.

Der PS4 geht es besser denn je

Mit der PS4 beherrscht Sony den Konsolen-Markt. Über 60 Millionen Geräte konnten die Japaner bisher verkaufen, Microsoft dagegen kommt mit der Xbox One lediglich auf gut 30 Millionen Stück. Man hat also 60 Millionen Kunden, denen man Software verkaufen kann – einer der Gründe dafür, dass Sony zunächst vor allem den digitalen Absatz, auch innerhalb von Spielen, stärken will. Zudem zahlt ein großer Teil der PS4-Besitzer monatlich für den Onlineservice PS Plus. Wieso also sollte Sony die glückliche Kundschaft mit einer neuen Konsolengeneration verunsichern?

Im Gegenteil: "Never change a running System" lautet die Devise. Die PS4 verkauft sich noch immer wie geschnitten Brot und die Preisregion, in der sich die PS4 Slim mittlerweile eingependelt hat, macht sie auch mit Bundles zu einem attraktiven Verkaufspaket. Der Kernzielgruppe hat man die PS4 zwar mittlerweile bereits flächendeckend verkaufen können, neue Spielkonzepte wie etwa PlayLink sollen nun aber sogar Kunden erreichen, für die das Zocken mit dem Controller eine Einstiegshürde bedeutet.

Sony will PlayStation VR weiterhin stärken

Die Konsolen-Konkurrenz hat Sony den Virtual-Reality-Markt überraschend kampflos überlassen. Trotz anfänglicher Zweifel kann man also sagen: PSVR war das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt. Zuerst erschien das verhältnismäßig schwache VR-System ein wenig wie ein hastiges Experiment – nicht gerade günstig, die meisten Games waren eher Tech-Demos und im Vergleich mit Plattformen wie Rift oder Vive ist die Technik eher am unteren Rand des Leistungsspektrums angesiedelt.

Mittlerweile toben sich aber einige Entwickler an PlayStation VR aus und versuchen mit ihren Kreationen die mit etwa einer Million verkaufter PSVR-Geräte durchaus große Basis an PS4-Besitzern zu erreichen. So entstehen kreative neue Ideen und Sony scheint gewillt zu sein, hier langfristig zu investieren. Geht man davon aus, dass die PS5, wie bereits die PS4, keine Abwärtskompatibilität bieten wird, macht diese Kultur ein baldiges Ende der PS4 weniger wahrscheinlich.

Prognose: Die PS5 kommt nicht vor 2020

Hinweise darauf, dass es mit der nächsten PlayStation noch ein wenig dauern könnte, gibt es also so einige. Analysten und Unternehmen scheinen sich mittlerweile ebenfalls einig zu sein, dass die PS5 "frühestens 2019" zu erwarten sei. Hierbei spielen viele weitere Faktoren eine Rolle: Wann besitzt ein Großteil der Kundschaft einen Fernseher mit mindestens 4K-HDR-Technologie? Wann ist die Breitbandabdeckung in den wichtigen Märkten weit genug fortgeschritten?

Noch dazu sollte der technische Sprung von der PS4 Pro zur PS5 für die Fans deutlich sein – und das wiederum muss durch völlig neue Games erst einmal von Entwicklern ausgenutzt werden können. Zwar setzen sich Entwickler wie Square Enix schon jetzt mit der Programmierung für die PS5 auseinander, dabei gehen sie allerdings wohl lediglich von entsprechenden Rechen-Ressourcen aus, ohne Schnittstellen und Tools zu kennen.

Zudem wäre die vorschnelle Einführung einer neuen Konsolengeneration für Sony ein unkalkulierbares Risiko, dass das traditionalistische Großunternehmen nicht eingehen wird. Immerhin konnten die Gewinne laut CNBC vor allem durch die Marke PlayStation zuletzt um 346 Prozent gesteigert werden.

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