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PS5 & Xbox Series X: Darum nerven die Cross-Gen-Editionen

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Wer Next-Gen-Upgrades möchte, muss für "Control" und "CoD: Black Ops Cold War" erneut oder mehr zahlen. Bild: © 505 Games / Activision 2020

"Call of Duty: Black Ops Cold War" gibt es als teure Cross-Gen-Edition für PS4 und PS5. Wer lediglich die Standard Edition kauft, muss auf grafische Verbesserungen für die PS5 verzichten. Ähnlich macht es Remedy bei "Control: Ultimate Edition". So verderben die Publisher den Spielern die Lust an der nächsten Konsolengeneration!

Du kaufst Dir einen neuen Gaming-PC mit einer starken Grafikkarte. Endlich kannst Du Deine Spiele flüssig und mit besserer Grafik zocken, glaubst Du. Doch falsch gedacht. Wie aus dem Nichts bitten Dich die Entwickler noch einmal zur Kasse für "Cross-Gen-Versionen" der Games in Deiner Bibliothek. Lediglich diese nutzen die Power Deines neuen Rechners aus. Zahlst Du nicht doppelt, darfst Du Deine Spiele nur in der Qualität Deines alten PCs zocken.

Konsoleros haben Pech gehabt

Vermutlich würden PC-Spieler da in einen Lachanfall ausbrechen oder rot anlaufen vor Wut. Für Konsolenspieler ist das jedoch Realität, sie haben keine andere Wahl. Doppelt abzukassieren ist die Strategie einiger Spiele-Publisher für Games, die sie für die noch aktuelle und die neue Konsolengeneration anbieten. Dabei spielt die Abwärtskompatibilität zur vorherigen Generation in der Werbung für die PS5 und vor allem für die Xbox Series X eine wichtige Rolle.

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Allmählich fliegen auch manche Erwartungen an die Next Gen in die Luft (hier ein Screenshot aus "Control") Bild: © 505 Games 2020

Der Begriff "abwärtskompatibel" ist ja auch treffend, technisch betrachtet: Die normalen PS4- und Xbox-One-Versionen von "Control" und "Call of Duty: Black Ops Cold War" laufen auch auf den neuen Systemen. Nur ohne Anpassung von Grafik und Performance, lediglich die schnelleren Ladezeiten durch die SSDs sind ein Vorteil. Wer mehr möchte, muss erneut zahlen. So ungefähr argumentiert Remedy im Blogeintrag "Control Ultimate Edition – An Explanation".

Irgendwie läuft das Spiel, was wollt ihr?

In dem Beitrag heißt es: "Falls ihr das 'Control'-Basisspiel, die Erweiterungen oder den Season Pass für PlayStation 4 oder Xbox One in eurer Sammlung habt, werdet ihr noch immer 100 Prozent eures Spiels zocken können und durch die Abwärtskompatibilität eine erweiterte Erfahrung genießen." Allerdings: "Die 'Control'-Versionen für PlayStation 5 und Xbox Series X enthalten dieselben Inhalte wie das Spiel der aktuellen Generation, aber sie nutzen Leistung und Features der neuen Konsolen vollständig aus."

Angeblich sollen es technische "Hürden" schwierig machen, die aktuellen Versionen für die nächste Generation anzupassen. Die Lösung liegt nahe: Remedy könnte die "Ultimate Edition" für jeden ohne weitere Kosten zum Download anbieten, der das Spiel und die Erweiterungen für die aktuelle Konsolengeneration erworben hat oder erwirbt. Ich finde die Performance von "Control" auf der PS4 Pro eher mäßig, auf PS4 und Xbox One ist sie laut Digital Foundry sogar noch viel schlechter – allein als Wiedergutmachung wäre da die optimierte Next-Gen-Version angemessen gewesen.

Activision bietet "Call of Duty: Black Ops Cold War" explizit als Cross-Gen-Bundle für PS4/PS5 und Xbox One/Series X an. Während die Standard Edition via Abwärtskompatibilität, also ohne grafische Verbesserungen, auf den Next-Gen-Konsolen läuft, haben die Entwickler die Cross-Gen-Version aufgebohrt. Ansonsten sind die Fassungen identisch. Bis auf den Preis: Die Cross-Gen-Fassung kostet fünf Euro mehr. Wobei 70 Euro für die Standard-Edition bereits eine Stange Geld sind.

Ein genereller Cross-Gen-Aufpreis wäre zumindest eine transparente Vorgehensweise für die Next-Gen-Konsolen. Tatsächlich handelt es sich aber um Willkürentscheidungen einzelner Publisher. Für manche Spiele wird es nämlich auch kostenfreie Next-Gen-Updates geben, etwa für "Cyberpunk 2077" und "Assassin's Creed: Valhalla".

"Immer Zugriff auf die beste Version"

Die unterschiedliche Herangehensweise an die Next-Gen-Updates wirkt vor dem Hintergrund von Microsofts Smart-Delivery-Programm besonders verwirrend. Die Idee hinter Smart Delivery lautet schließlich, dass Du ein Spiel nur einmal für ein System kaufen und es dann auf allen Systemen spielen kannst, etwa auf Xbox One, Xbox Series X und PC. "Mit Smart Delivery immer Zugriff auf die beste Version Deiner Spiele", verspricht Microsoft auf Xbox Wire.

Technisch betrachtet sagt Microsoft die Wahrheit. Manche Games wie "Control" und das neue "CoD" gehören schlicht und ergreifend nicht zum Smart-Delivery-Programm, und für solche Spiele gelten andere Regeln, die sich die Publisher nach Belieben ausdenken können. Es ist einer dieser Fälle von "Wer das Kleingedruckte nicht liest, ist selbst schuld." Smart Delivery wird groß als tolles Next-Gen-Feature beworben – aber es muss ja niemand mitmachen.

Da vergeht einem die Lust an Next Gen

Kein Wunder, dass die Cross-Gen-Versionen bei vielen Gamern auf mäßige Begeisterung stoßen. "Ich mag diesen Zug nicht", schreibt Alexander Battaglia von Digital Foundry bei Twitter, und zahlreiche Kommentatoren sehen es ähnlich. Tim Spencer, Lead Designer von TT Games (entwickeln die "Lego"-Spiele), weist in einem Tweet allerdings darauf hin, dass die Kosten im sechsstelligen Bereich liegen können, wenn Games für PS5 und Xbox Series X angepasst werden.

Ich sehe vor allem drei Probleme:

  1. Der Aufpreis für die Cross-Gen-Versionen hat die Gamer kalt erwischt. Damit hatte keiner gerechnet.
  2. Sony hat die Kompatibilität mit der "überwältigenden Mehrheit" an PS4-Spielen in einem Blogeintrag betont. Und Microsoft mit dem "Smart Delivery"-Programm den Eindruck erweckt, die Gamer hätten stets "Zugriff auf die beste Version", wenn sie ein Spiel für eine Plattform kaufen. Dass nur wenige Games überhaupt zum Smart-Delivery-Programm gehören, ist dabei fast untergegangen.
  3. Die Publisher können in der Praxis machen, was sie wollen. Es gibt keine einheitliche Regelung für Next-Gen-Updates. Das ist sehr verwirrend für die Interessenten an PS5 und Xbox Series X.

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