menu
Highlight

PS5 & Xbox Series X könnten bei der Performance enttäuschen

unreal-engine-5-demo-ps5
Die Unreal-Engine-5-Demo hat auf der PS5 mit neuen Grafiktechnologien beeindruckt – und bei der Performance enttäuscht. Bild: © Epic Games 2020

Die PS5-Demo der Unreal Engine 5 lief mit einer Auflösung von 1440p bei 30 Bildern in der Sekunde (FPS). Ohne Raytracing. Genau wie "Uncharted 4" auf der PS4 Pro. "Assassin's Creed Valhalla" peilt eine 4K-Auflösung bei 30 FPS an – wie schon der Vorgänger auf der Xbox One X. Das sind keine guten Omen.

Die Unreal-Engine-5-Demo mit ihrer grafischen Opulenz hat den Hype um die PlayStation 5 weiter angefacht. Ein Fan baute voller Ehrfurcht einen Teil der Demo in Dreams nach, wie Eurogamer schreibt. Kurz zuvor hatte Microsoft einen Ausblick auf einige Drittanbieter-Spiele für die Xbox Series X gezeigt. In diesem Zusammenhang veröffentlichte Ubisoft Informationen zur angepeilten Performance von "Assassin's Creed: Valhalla": 30 FPS bei einer 4K-Auflösung. Das kennen wir doch: von "Assassin's Creed: Odyssey" auf der Xbox One X.

Die Performance des ersten PS5-Gameplays enttäuscht

Wie Developer Tech schreibt, lief die PS5-Demo nur mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln bei 30 FPS und ohne Raytracing-Effekte, welche die PS5 doch angeblich beherrscht. Mit welchen Tricks – und welchen Limitationen – Epic Games die eindrucksvolle Lichtsimulation stattdessen bewerkstelligte, erklären die Gametech-Experten von Digital Foundry in einem Video. Mit Raytracing würde die Performance vermutlich bei unspielbaren 15 FPS oder darunter liegen.

Die Wahrheit ist: Die UE5-Demo funktioniert auch auf der Xbox Series X und einem PC, wie Epic Games bestätigte. Chief Technical Officer Kim Libreri erklärte gegenüber PC Gamer, die Demo würde auf einem PC mit einer Nvidia RTX 2070 Super und einer SSD eine "ziemlich gute Performance" bieten. Vielleicht genügt schon weniger.

Die SSD der neuen Konsole, inzwischen zu einem geradezu magischen Artefakt gehypt, dürfte daran nichts ändern. Tatsächlich sind bereits einige SSDs für den PC erhältlich, die schneller sind als das PS5-Modell, wie der Tech-YouTuber Linus in einem Video erklärt. Epic-Chef Tim Sweeney behauptete hingegen, der neuartige Speicher der PS5 sei "allem weit voraus, was man für jedes Geld der Welt gerade für PCs kaufen kann." Es ist unklar, wie er darauf kommt.

linus-ps5-ssd-pcfullscreen
Wie der Tech-YouTuber Linus feststellt, gibt es mehrere SSDs für PCs, die schneller sind als das Exemplar der PS5. Bild: © Linus Tech Tips 2020

PS5 und Xbox Series X bleiben voraussichtlich oft bei 30 FPS

Eine 1440p-Auflösung bei 30 FPS ohne Raytracing ist Konsolenspielern schon lange bekannt. Das grafisch beeindruckende "Uncharted 4" auf der PS4 Pro setzt beispielsweise darauf. Ich befürchte, dass sich Konsolenspieler den Wunsch nach einer besseren FPS-Performance auf den Next-Gen-Systemen abschminken können. Obwohl das Marketing von Microsoft und Sony bislang einen anderen Eindruck erweckt hat. Um eindeutige Aussagen drückte man sich aber – wir können nun ahnen, warum.

Die neuen Systeme sollten den trägen 30 Bildern pro Sekunde ein Ende bereiten, welche die Konsolengeschichte geprägt haben. Für viele PC-Spieler ist eine solche Performance indiskutabel und stellt einen Grund für die Anschaffung einer neuen Grafikkarte dar. Mit 30 FPS sehen Bewegungen unscharf aus, das Gameplay wirkt zäh. Zumindest 60 FPS müssen es für PC-Gamer sein. Für Konsolenspieler sind 30 Bilder in der Sekunde normal, sogar wünschenswert im Vergleich zu einer noch schlechteren Performance – und wie es aussieht, wird das auch so bleiben.

Uncharted Lost Legacyfullscreen
"Uncharted 4" und "Uncharted: The Lost Legacy" (im Bild) laufen mit derselben Performance auf der PS4 Pro wie die Unreal-Engine-5-Demo auf der PS5. Bild: © Sony Computer Entertainment Europe 2017

Haben Sony und Microsoft falsche Versprechen gemacht?

Der "The Verge"-Redakteur Tom Warren hat den Xbox-Marketing-Chef Aaron Greenberg bei Twitter zur angepeilten Performance der Xbox Series X befragt.

In einem früheren Tweet schrieb Greenberg, 60 FPS seien die "Standard-Ausgabe" der Xbox Series X, aber die Architektur erlaube auch 120 Bilder pro Sekunde. In einem neuen Tweet stellt er klar, dass er mit "Standard" tatsächlich "weit verbreitet" ("common") gemeint habe, die 60 FPS aber für Entwickler nicht verpflichtend seien. Und "weit verbreitet" ist Auslegungssache.

Jim Ryan, CEO von Sonys PlayStation-Sparte, verriet 2019 im Gespräch mit CNet, die PS5 werde "UHD-4K-Bilder ('visuals') bei 120 Hertz" bieten. PlayStation-Fans hatten daraufhin vermutet, es würden Spiele mit 4K-Auflösung bei 120 FPS auf den Markt kommen. Eine Verpflichtung der Entwickler auf 120 oder auch nur 60 FPS hat Sony aber nicht versprochen.

Vermutlich klingen große Zahlen einfach gut. Die Entwickler können jedenfalls weiterhin das tun, was schon länger Tradition ist: Die Konsolenspieler mit hübsch aussehenden Standbildern einlullen, während Bewegtbilder über die Mattscheibe kriechen.

Wenigstens brauchen wir wohl keinen TV mit HDMI 2.1

Die Hinweise auf "120 Hertz" erzeugten bei Fans verständliches Interesse an einem neuen Fernseher mit HDMI 2.1, der 120 Bilder pro Sekunde bei 4K-Auflösung darstellt. Wie der TV-Technik-YouTuber FOMO ON TECH wohl korrekt erläutert, wird ein solcher TV für die neuen Konsolen nicht wirklich nötig sein. Allenfalls ein paar kleine Indie-Spiele dürften bei einer 4K-Auflösung 120 FPS erreichen. Das erklärt auch, warum nur ein Sony-Fernseher der Premium-4K-LCD-Modelle mit 4K-Auflösung einen HDMI-2.1-Anschluss bietet (der Sony XH90) und das Top-Modell, der Sony XH95, darauf verzichtet.

Ein nützlicheres TV-Feature für die neuen Konsolen ist voraussichtlich die Unterstützung von FreeSync mit LFC ("Low Framerate Compensation", "Kompensation für niedrige Framerates"). FreeSync synchronisiert die Bildwiederholrate von Konsole und Fernseher innerhalb eines bestimmten FPS-Rahmens wie 40 bis 60 Bilder pro Sekunde. Liegen die von der Konsole ausgegebenen FPS unter diesem Rahmen, holt sie LFC durch zusätzliche erzeugte Bilder in die FreeSync-Bandbreite hinein. LFC ist wie eine Art Krücke für lahme Systeme. Lahme Systeme wie die neuen High-End-Konsolen – wenn wir Pech haben.

Vielleicht werden wir positiv überrascht

unreal-engine-5-demo-ps5-lumenfullscreen
Noch gibt es Hoffnung auf eine bessere Spiele-Performance der neuen Konsolen (hier die UE5-Demo auf der PS5). Bild: © Epic Games 2020

Zugegeben, ich habe den Teufel an die Wand gemalt und deftig ausgeteilt. Ich glaube nämlich, dass Sony, Microsoft und die Entwickler einen Weckruf nötig haben. Der Fairness halber sei gesagt, dass wir nur erste Hinweise darauf besitzen, dass es mit der FPS-Performance der PS5 und der Xbox Series X nicht immer so weit her sein wird. Vielleicht bieten einige Spiele wenigstens einen Performance-Modus mit 60 FPS – Kommentare wie dieser helfen womöglich als Motivationsschub. Und Fans, die Entwickler auf ihre Wünsche hinweisen.

Kommentare anzeigen (2)
Relevante Themen:

Neueste Artikel zum Thema PlayStation 5

close
Bitte Suchbegriff eingeben