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"Rage 2" hat mir wieder gezeigt, warum "Doom" eigentlich so geil ist

Da kann der Goon noch so brüllen: "Doom" hat mehr gekickt als "Rage 2".
Da kann der Goon noch so brüllen: "Doom" hat mehr gekickt als "Rage 2".

"Du kannst Dich jahrelang in eine Garage stellen und aus Dir wird trotzdem kein Auto", hat Bernd Stromberg mal gesagt. Übertragen auf Games könnte der Satz lauten: "Du kannst das Kampfsystem noch so sehr kopieren, aus Dir wird trotzdem kein 'Doom'!" Das wurde mir klar, als ich neulich "Rage 2" durchgespielt habe.

Einfach mal die Sau in der virtuellen Apokalypse rauslassen? Klingt spaßig! Dementsprechend hoffnungsvoll war ich nach dem ersten Anspielen von "Rage 2", Bethesdas neonbuntem Open-World-Geballer. Nun habe ich es endlich durchgezockt und auch wenn ich durchaus meinen Spaß im Ödland hatte, bleibt doch eine gewisse Ernüchterung – an wirkliche Highlights kann ich mich nämlich kaum erinnern.

Sieht beeindruckend aus, ist er aber nicht wirklich – ein typisches "Rage 2-Problem. fullscreen
Sieht beeindruckend aus, ist er aber nicht wirklich – ein typisches "Rage 2-Problem.

Ballern ist nicht gleich ballern

Vor allem die zahlreichen Kämpfe verschwimmen in meinem Kopf zu einer einzigen, breiigen Masse aus den immer gleichen Situationen, Szenen und Abläufen. Das ist deswegen erstaunlich, weil für die flotten Shootouts die "Doom"-Entwickler von id Software verantwortlich zeichnen.

Ich muss zugeben, dass ich sehr skeptisch war, als ein groß angelegtes Remake des ultrabrutalen Shooter-Klassikers "Doom" angekündigt wurde. Aber als es dann 2016 erschien, dauerte es nur ein paar Minuten, um mich vom Zweifler zum beinharten Fan zu konvertieren.

Dämonen zu pulverisieren machte selten so viel Spaß wie in "Doom". fullscreen
Dämonen zu pulverisieren machte selten so viel Spaß wie in "Doom".

"Doom" war nicht weniger als ein blutgetränkter Adrenalinkick im Geschwindigkeitsrausch, eine fast schon vulgäre Zurschaustellung von atemloser Zerstörungswut und grotesk exzessiver Gewalt. Kurz: Es trat sämtliche Hintern von hier bis zum Mars und ist immer noch eines der geilsten Spiele, die ich je gespielt habe.

"Doom" & Doomer

Ein paar Sekunden hinter hüfthohen Kisten verstecken, bis die Lebensenergie wieder aufgeladen ist und ich endlich weiterspielen kann? An so einem neumodischen Weichei-Quatsch ist "Doom" nicht interessiert. Stattdessen zwingt es mich, mich aggressiv in jede einzelne Schlacht zu werfen und vom verschüchterten Mäuschen zur reißenden Bestie zu werden. Nur für besonders derbe Nahkampf-Kills gibt's Lebensenergie zurück, ich will meine dämonischen Feinde also genauso tot sehen wie sie mich – eine ganz simple Idee. Und eine absolut geniale.

Ich hab nur dieses Bild rausgesucht und schon wieder so Bock auf "Doom". fullscreen
Ich hab nur dieses Bild rausgesucht und schon wieder so Bock auf "Doom".

Aber was hat das alles mit "Rage 2" zu tun? Nun, wie bereits beschrieben, haben die "Doom"-Macher von id Software auch im Ödland-Shooter ihre Finger im Spiel gehabt und liehen ihr Kampfsystem großzügig aus.

Auf den ersten Blick spielt sich "Rage 2" tatsächlich wie das große Vorbild. Mehr noch: In "Rage 2" hast Du sogar noch mehr Möglichkeiten, deine Feinde zu Polygon-Konfetti zu verarbeiten. Der Protagonist Walker verfügt nämlich über ein paar besonders mächtige Nano-Fähigkeiten: etwa einen Energieschlag, übermenschliche Geschwindigkeit oder die Fähigkeit, mal eben eine zerstörerische Granate aus dunkler Materie herbeizuzaubern.

Klingt alles super, eigentlich sogar noch krasser als in "Doom", oder? Ist es aber leider nicht.

Katz und Maus – bis die Maus einfach wegrennt

Das liegt daran, dass der Open-World-Ansatz von "Rage 2" mit dem straffen "Doom"-Kampfsystem kaum in Einklang zu bringen ist. In "Doom" rase ich durch enge Korridore, werde ständig angegriffen und fast pausenlos mit Action bombardiert. In "Rage 2" bewege ich mich vergleichsweise gemächlich durch eine weitläufige, recht karge Spielwelt, in der nicht so wahnsinnig viel los ist. Stolpere ich dann doch mal über eines der überall verstreuten Gangster-Verstecke, lächle ich nur müde: Mein Held ist schon kurz nach Spielstart so lachhaft übermächtig, dass jedes Scharmützel mit den durchgeknallten Wüsten-Psychos ein Witz ist.

Schrottwumme und keinerlei Rüstung – die "Rage 2"-Gegner hängen nicht besonders am Leben. fullscreen
Schrottwumme und keinerlei Rüstung – die "Rage 2"-Gegner hängen nicht besonders am Leben.

Geschätzte 94 Prozent des Spiels habe ich mit meiner Shotgun und einem handelsüblichen Sturmgewehr bestritten und fühlte mich nie ernsthaft in Bedrängnis. Meine Superfähigkeiten habe ich so selten eingesetzt, dass ich oftmals einfach vergessen hatte, überhaupt welche zu besitzen.

Und wurde es im Geballer doch mal brenzlig für mich, habe ich mich einfach umgedreht und bin ein paar Meter in die andere Richtung gerannt, bis die Gegner die Verfolgung aufgegeben und treudoof wieder ihre Posten bezogen haben – als wäre nichts gewesen. Darüber hätte der Doomslayer nur gelacht: Ein Kampf in "Doom" ist ein KAMPF! Auf Leben und Tod, ohne Verschnaufpause oder Rückzugsmöglichkeit. In "Doom" hörst Du erst auf, wenn alle Höllenviecher tot, tot, tot sind.

In "Rage 2" setzt Du Dich in Dein Auto und fährst einfach weiter.

"Och nö, ich möchte jetzt nicht kämpfen, danke." fullscreen
"Och nö, ich möchte jetzt nicht kämpfen, danke."
Das sagt Wolf:
Gehe ich hier zu hart mit "Rage 2" ins Gericht? Oder findest Du auch, dass das eigentlich coole Kampfsystem hier ein bisschen verschenkt war?
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