Meinung

"Reigns: Game of Thrones": Das perfekte Serien-Spiel hat kaum Gameplay

Für eine gute Spieleumsetzung von beliebten Serien oder Filmen braucht es kein Grafikfeuerwerk mit Motion-Capturing und Voice-Acting. Das Mobile- und PC-Game "Reigns: Game of Thrones" liefert den Beweis und ist trotz spartanischem Gameplay und Pixelgrafik stimmungsvoller als so manches Blockbuster-Spiel.

Aktuelle Videospiel-Umsetzungen von Filmen oder Serien bauen meist darauf, die Bildgewalt des Originals möglichst bombastisch nachzubauen. Games wie "Mad Max", die "Mittelerde"-Titel, die auf der "Herr der Ringe"-Filmlizenz basieren, oder auch "Star Wars: Battlefront 2" sind dafür die besten Beispiele. Auf Mobilgeräten lassen sich solche Blockbuster bisher dagegen nur begrenzt umsetzen, in Sachen Stimmung können hier gerade noch die Adventure-Spiele von Telltale, zum Beispiel "The Walking Dead" oder "Guardians of the Galaxy", mithalten.

Es geht aber auch anders: Wenn mutige Entwickler querdenken, können trotz begrenzter technischer Möglichkeiten frische Konzepte für Games entstehen– zum Beispiel "Reigns: Game of Thrones".

Wer braucht schon Grafik? Immersion durch Stimmung

Das Spielprinzip ist dabei nicht völlig neu – bereits 2016 brachte das Studio Nerial das erste "Reigns" für Android, iOS, Switch, PC und Mac auf den Markt. Die neue Ausführung mit Lizenz zur maximal erfolgreichen TV-Serie ergänzt das bekannte Prinzip nun um bekannte Charaktere und Schauplätze. "Reigns: Game of Thrones" schafft es dabei, mich als Spieler trotz kaum vorhandenem Gameplay und mit grober Pixelgrafik glaubhaft auf den Eisernen Thron von Westeros zu versetzen.

Wie das Original und dessen Sequel "Her Majesty" beschränkt sich das Spielprinzip von "Reigns: Game of Thrones" auf eine Art Tinder-Steuerung: Ich bin der Herrscher, dem verschiedene Höflinge mit ihren Anliegen entgegentreten. Per Swipe nach Rechts oder Links reagiere ich. Je nach Entscheidung verändern sich dann verschiedene Werte und natürlich die Handlung.

Figuren und Schauplätze aus "Game of Thrones" verfeinern das Spielprinzip. fullscreen
Figuren und Schauplätze aus "Game of Thrones" verfeinern das Spielprinzip. (©Screenshot TURN ON 2018)
Die Story wird anhand von Spielkarten erzählt, die Du nach Tinder-Art wegwischen musst. fullscreen
Die Story wird anhand von Spielkarten erzählt, die Du nach Tinder-Art wegwischen musst. (©Screenshot TURN ON 2018)
Verschiedene Wege, vom Thron gestoßen zu werden können freigespielt werden. Jede Entscheidung zählt. fullscreen
Verschiedene Wege, vom Thron gestoßen zu werden können freigespielt werden. Jede Entscheidung zählt. (©Screenshot TURN ON 2018)

Geht ein gewisses Gleichgewicht zwischen militärischer Stärke, finanziellen Mitteln, der Zuneigung des Volkes und der Wohlgesonnenheit der Priester-Kaste verloren, werde ich auf dem ein oder anderen Wege vom Thron entfernt – und weil das hier "Game of Thrones" ist, in der Regel mit tödlichem Ausgang. Dann geht's mit einem neuen Charakter von vorne los. Das Ziel ist dabei immer, möglichst lange an der Macht zu bleiben.

Sandschlangen massieren nicht: Serien-Fans sind klar im Vorteil

Die Zerbrechlichkeit der Macht im Königreich der Ränkespiele wird so hervorragend wiedergegeben. Bemerkenswert ist dazu, dass das bekannte Spielprinzip durch das Hintergrundwissen des Spielers zur Fantasy-Serie direkt bereichert wird. Das "Game of Thrones"-Thema ist ins Spiel verwoben und wer die Figuren kennt, die immer wieder Entscheidungen fordern, kann entsprechende Auswirkungen viel einfacher abschätzen.

Wenn mir eine junge Dame aus dem Hause Martell zum Beispiel eine beruhigende Massage anbietet, weiß ich als Serien-Fan, dass die Sandschlangen vermutlich ein Attentat auf mich planen und lehne ab. Wird auf dem Königsweg ein Maester in Nachtwachen-Outfit aufgegriffen, lasse ich ihn nicht hinrichten – es handelt sich wohl um den armen Samwell Tarly.

Die Story spielt sich in den Visionen von Lady Melisandre ab. fullscreen
Die Story spielt sich in den Visionen von Lady Melisandre ab. (©Screenshot TURN ON 2018)
Das ermöglichst verschiedenste Perspektiven: Was wäre, wenn Gendry auf dem Thron säße? fullscreen
Das ermöglichst verschiedenste Perspektiven: Was wäre, wenn Gendry auf dem Thron säße? (©Screenshot TURN ON 2018)
Politische Entscheidungen rufen Reaktionen bei Volk, Militär, den Priestern und der Bank hervor. fullscreen
Politische Entscheidungen rufen Reaktionen bei Volk, Militär, den Priestern und der Bank hervor. (©Screenshot TURN ON 2018)

"Game of Thrones" als Was-wäre-wenn-Vision

"Reigns: Game of Thrones" schafft es sogar, sinnvoll in die bestehende Geschichte einzubauen, warum man nacheinander mit immer neuen Figuren auf dem Eisernen Thron startet. Die gesamte Handlung findet nämlich lediglich in einer Vision der Roten Priesterin Lady Melisandre statt, die so herauszufinden versucht, wer der Auserwählte des Herrn des Lichts ist.

Jeder neue Spieldurchlauf entspricht einfach einem weiteren Blick in die Flammen – das perfekte Setting für die Adaption einer Serie, deren Fans sich in Foren seitenlang über Was-Wäre-Wenn-Szenarien und mögliche Enden austauschen können. Dabei nimmt sich das Spiel selbst nicht allzu ernst: Ein gewisses Maß an Galgenhumor schwingt in "Reigns: Game of Thrones" immer mit, albern wird es aber nie. Für hohen Wiederspielwert sorgen freispielbare Charaktere, Schicksale oder Handlungsstränge.

Für mich ist "Reigns: Game of Thrones" dank seiner kreativen und perfekt zur Serien-Vorlage passenden Herangehensweise eines der besten Mobile-Games des Jahres – und die bisher wohl stimmigste Videospiel-Umsetzung von "Game of Thrones". Valar Morghulis!

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