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"Resident Evil 2" ist das erste wirklich gute Remake

Capcom macht mit dem Remake zu "Resident Evil 2" sehr viel richtig.
Capcom macht mit dem Remake zu "Resident Evil 2" sehr viel richtig. (©Capcom 2018)
Michael Brandt Freut sich über die Rückkehr der Metroidvania-Games.

Mit "Resident Evil 2" erwartet uns im nächsten Jahr die moderne Neuauflage eines echten Klassikers. Ich konnte eine neue Preview-Version des Titels bereits anspielen und bin nun der Ansicht, dass "Resident Evil 2" das erste wirklich rundum gelungene Remake ist. Hier liest Du, warum.

So vertraut und doch so neu

Das wirklich Gelungene am Remake von "Resident Evil 2" ist die ausgewogene Balance zwischen der Nähe zum Original und neuen Inhalten. Ich konnte beim Preview-Event in Hamburg zwei relativ lange Abschnitte mit Leon und Claire spielen und fühlte mich sofort heimisch.

Das Gefühl, das ich bei der Erkundung von Raccoon City erfahren habe, lässt sich ungefähr mit der Rückkehr in die eigene Heimatstadt nach einer langen Zeit vergleichen: Du kannst Dich sofort wieder orientieren, aber Dir fällt auch sofort auf, dass sich einige Dinge verändert haben.

Neue Gebiete
Capcom hat dem Remake tatsächlich einen komplett neuen Abschnitt spendiert, den Du garantiert nicht aus dem Original kennst. Der Abschnitt soll den Namen "Waisenhaus" tragen und wird Sherry in den Mittelpunkt stellen. Was dort genau wartet, kann ich Dir aber nicht verraten, denn für mich endete die Demo kurz vor dem Betreten dieses Abschnitts.

Genau so ging es mir beim Anspielen: Ich habe mich sofort in der Kanalisation und der Polizeistation zurechtgefunden, zwischendurch hatte ich daher immer wieder diese Momente, in denen ich etwas Neues entdeckt habe. Und genau diese Momente machen ein gutes Remake für mich aus.

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Die Wege in der Kanalisation sind noch einigermaßen im Gedächtnis. Veteranen werden sich hier gut zurechtfinden. (©Capcom 2018)

Alte Bekannte in neuem Gewand

Besonders gefreut habe ich mich natürlich darüber, die alten Charaktere und Monster wiederzusehen. Die beiden Hauptfiguren Leon und Claire haben sich – abgesehen von der hübscheren Grafik – äußerlich nicht großartig verändert. Einige Charaktere und Gegner hingegen schon.

Ada Wongs Auftritt hat mich beispielsweise besonders überrascht. Ich wusste bereits aus Trailern, dass sie anstatt ihres roten Kleides einen Trenchcoat und eine Sonnenbrille tragen wird. Was ich allerdings nicht wusste, ist, dass Capcom das Kleid unter ihrem Mantel versteckt hat, den Ada zu einem späteren Zeitpunkt im Spiel auszieht. Als ich sie dann später in ihrem roten Kleid erblicken durfte, schlug mein Nostalgieherz gleich doppelt so schnell.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Capcom das ikonische Outfit erst nach der Fankritik nachträglich ins Spiel eingebaut hat. Das rote Kleid gehört einfach zu Ada und zu "Resident Evil" und Capcom hätte es nie gewagt, dieses ikonische Kleidungsstück aus den Remake zu streichen. Dieser Moment war sorgfältig geplant und  spiegelt erneut die gute Balance zwischen alten und neuen Inhalten wider.

So kennen und lieben wir Ada Wong. fullscreen
So kennen und lieben wir Ada Wong. (©Capcom 2018)
Das rote Kleid darf natürlich auch im Remake nicht fehlen. fullscreen
Das rote Kleid darf natürlich auch im Remake nicht fehlen. (©Capcom 2018)
So kennen und lieben wir Ada Wong.
Das rote Kleid darf natürlich auch im Remake nicht fehlen.

Und wo ich gerade so schön in Nostalgie schwelge: Als ich in der Kanalisation bebende Schritte hörte, konnte es sich auch nur um einen alten Bekannten handeln: den mutierten Riesenalligator! Produzent Yoshiaki Hirabayashi hatte ja bereits versprochen, dass das Reptil auch im Remake wieder sein Unwesen in der Kanalisation treiben wird und er hat sein Versprechen gehalten. Und glaub mir: Das Aufeinandertreffen mit dem Monster ist jetzt noch deutlich spektakulärer als im Original!

Technische Schwächen aus der Vergangenheit ausgebessert

Aber ich habe nicht nur gute Erinnerungen an das "Resident Evil 2" von 1998. Technisch war das Spiel ein echter Graus, was schon bei der hakeligen Steuerung anfing: Die Charaktere bewegten sich so grazil wie Panzer durch die Level und beim Zielen musste ich mich immer zwischen drei festen Winkeln entscheiden – frontal draufhalten, 45° nach unten oder 45° nach oben.

Die feste Kameraperspektive machte den Frust dann durch die oftmals ungünstigen Blickwinkel perfekt und auf die begrenzte Anzahl an Farbbändern zum Speichern der Spielstände an der Schreibmaschine hätte ich auch gut verzichten können.

Hier bricht das Remake von "Resident Evil 2" glücklicherweise mit der Tradition: Die Steuerung im Spiel war butterweich und ich hatte endlich die Kontrolle darüber, wo ich die Zombies treffen möchte. Die feste Kameraperspektive wurde gegen eine Über-die-Schulter-Perspektive eingetauscht und ich habe während des Spiels niemals die Übersicht verloren.

Die neue Kameraperspektive ist viel übersichtlicher. fullscreen
Die neue Kameraperspektive ist viel übersichtlicher. (©Capcom 2018)
Auch das Zielen ist nun einfacher als im Original. fullscreen
Auch das Zielen ist nun einfacher als im Original. (©Capcom 2018)
Die neue Kameraperspektive ist viel übersichtlicher.
Auch das Zielen ist nun einfacher als im Original.

Auf die Farbbänder verzichtet das Remake ebenfalls. Dadurch verliert das Spiel natürlich etwas an Druck, der durch die begrenzte Möglichkeit zum Speichern aufgebaut wurde. Allerdings gibt es auch weniger Frustmomente, bei denen Du Fortschritte von weit mehr als 30 Minuten verlierst, weil Du einfach nicht speichern konntest oder wolltest.

Aber keine Sorge: "Resident Evil 2" wird dadurch nicht zum Kinderspiel. Es herrscht wie immer Munitionsknappheit und das Spiel legt Dir auch sonst genug Steine in den Weg.

Neue Gameplay-Elemente sorgen für frischen Wind

Besonders habe ich mich über eine kleine aber feine Angleichung des Gameplays mit der Lore gefreut: Die Licker sind im Remake von "Resident Evil 2" nun wirklich blind, was sich jetzt auch im Gameplay zeigt.

Im Original hieß es zwar, dass die Zombies blind seien, das hatte aber keine Auswirkung auf ihr Verhalten. Triffst Du dort frontal auf die mutierten Zombies, greifen sie dich an – egal ob du Geräusche verursachst, schleichst oder einfach nur stillstehst. Im Remake verhalten sie sich jetzt logischer: Während des Spiels konnte ich mich problemlos an ihnen vorbeischleichen. Einige Male wurde ich trotzdem sehr nervös, weil sie mir trotz schleichender Bewegung sehr nah kamen.

Wenn ich mich ruhig verhalte, kann ich mich einfach am Licker vorbeischleichen. Hier ließ sich Lärm aber nicht vermeiden. fullscreen
Wenn ich mich ruhig verhalte, kann ich mich einfach am Licker vorbeischleichen. Hier ließ sich Lärm aber nicht vermeiden. (©Capcom 2018)
Mit dem EMF Visualizer kann Ada elektrische Schalter in Wänden aufspüren und hacken. fullscreen
Mit dem EMF Visualizer kann Ada elektrische Schalter in Wänden aufspüren und hacken. (©Capcom 2018)
Wenn ich mich ruhig verhalte, kann ich mich einfach am Licker vorbeischleichen. Hier ließ sich Lärm aber nicht vermeiden.
Mit dem EMF Visualizer kann Ada elektrische Schalter in Wänden aufspüren und hacken.

Diese kleine Änderung im Gameplay ist für mich Ausdruck dafür, dass Capcom sehr viel Wert auf die Stimmigkeit von "Resident Evil 2" legt – es hätte sich schließlich auch niemand beschwert, wenn die Licker sich genauso wie früher verhalten hätten. Solche Veränderungen zeugen davon, wie viel Liebe zum Detail in dem Remake steckt und so etwas macht mich als Fan dann auch wirklich glücklich.

Ziemlich cool finde ich auch den neuen EMF Visualizer von Ada: Dieses Gadget ermöglicht es ihr, Kabel und elektrische Schalter in Wänden aufzuspüren und aus der Ferne zu hacken. Das mag zwar im ersten Moment nicht besonders realistisch klingen, bringt aber einen neuen Rätseltyp ins Spiel.

 Lebendige Charaktere statt lebloser Hüllen

Ein besonderes Lob gebührt Capcom für die Überarbeitung der Dialoge und Cutscenes.  Wenn ich mich an das Voice-Acting und die Dialoge aus dem Original "Resident Evil 2" zurückerinnere, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken: Viele Gespräche wirkten dort unfreiwillig komisch und schafften es leider nicht, die Gefahr und die Dramatik der Situationen zu transportieren.

Das ist im Remake anders. Die Charaktere haben endlich etwas Tiefgang und sind nicht einfach nur leere Hüllen, die sich emotionslos durchs Spiel ballern. Als ich mit Leon gespielt habe, schien in den Dialogen immer wieder durch, wie überfordert er mit der Situation ist. Eigentlich wollte er doch nur seinen ersten Tag im Polizeidienst antreten, nun muss er sich mit Untoten herumschlagen. Seine Angst und Verzweifelung kam in den Gesprächen mit Ada Wong sehr gut zum Ausdruck. Ebenso ist es bei Claire: Ich konnte spüren, wie sehr ihr Sherry am Herzen liegt und ihre Wut, als der Polizeipräsident sie entführt, konnte ich gut nachvollziehen.

Im Original "Resident Evil 2" konnte ich einfach keine Bindung zu den Charakteren aufbauen. Im Remake gelingt es Capcom aber sehr gut, die Helden und Heldinnen mit Leben zu füllen.

Im Remake steckt jetzt richtig Leben in den Charakteren. fullscreen
Im Remake steckt jetzt richtig Leben in den Charakteren. (©YouTube/PlayStation 2018)
Capcom hat die Dialoge noch einmal überarbeitet und verleiht den Figuren mehr Tiefgang. fullscreen
Capcom hat die Dialoge noch einmal überarbeitet und verleiht den Figuren mehr Tiefgang. (©YouTube/IGN 2018)
Im Remake steckt jetzt richtig Leben in den Charakteren.
Capcom hat die Dialoge noch einmal überarbeitet und verleiht den Figuren mehr Tiefgang.

Darum ist"Resident Evil 2" mein perfektes Remake

"Resident Evil 2" vereint meiner Meinung nach genau die Punkte, die ein gutes Remake ausmachen: Es hält das Original in Ehren und  besinnt sich auf seine Stärken. Gleichzeitig haben sich die Entwickler aber auch mit den Fehlern und Schwächen der Vorlage auseinandergesetzt und keine Angst davor gehabt, sie auszubessern.

Was ich bei sehr vielen Remakes vermisse, hat Capcom eindrucksvoll in "Resident Evil 2" gelöst: Hier wurde nicht nur die Grafik aufgehübscht und ein bisschen an der Engine gefummelt. Capcom hatte den Mut, Änderungen in der Story vorzunehmen, das Leveldesign anzupassen und das Spiel sogar mit neuen Gebieten auszustatten.

Trotzdem bleibt die Balance zum Original aufrecht. Keine der Änderungen fühlt sich fremd oder überflüssig an. Vielmehr lassen sie sich als eine Aufwertung des Klassikers von 1998 beschreiben, die das Spielgefühl auf eine ganz andere Ebene bringen. Und genau das macht "Resident Evil 2" – zumindest für mich – zum ersten wirklich guten Remake.

Release
"Resident Evil 2" erscheint am 25. Januar 2019 für PC, PS4 und Xbox One.

Michael Brandt Freut sich über die Rückkehr der Metroidvania-Games.
Das sagt Michael:
Nach dem Anspielen von "Resident Evil 2" freue ich mich noch mehr als zuvor auf den Release im nächsten Jahr. Nicht häufig haben Entwickler den Mut, so tiefgehende Änderungen an beliebten Klassikern vorzunehmen. Diese Neuauflage dürfte sowohl Neueinsteiger als auch Veteranen der Serie gleichermaßen begeistern.
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