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So überflügelt "Immortals Fenyx Rising" sein großes Vorbild "Zelda"

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Protagonistin Fenyx kämpft sich in "Immortals Fenyx Rising" charmant und gewieft in das Herz des Spielers. Bild: © Ubisoft 2020

Mit "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" ("BOTW") legte Nintendo die Messlatte für Open-World-RPGs ziemlich hoch. Doch mit "Immortals Fenyx Rising" hat Entwickler Ubisoft einen neuen Stern am RPG-Himmel erstrahlen lassen – meiner Meinung nach leuchtet dieser sogar heller als "BOTW".

Mit dieser Aussage stehe ich wohl herzlich alleine da. Überall wird "Fenyx Rising" mit dem hoch gelobten "Zelda" verglichen und wieder ist Links Abenteuer vermeintlich spannender und besser inszeniert. Spannend vielleicht, besser inszeniert aber nicht! "Immortals Fenyx Rising" sticht "Breath of the Wild" in vielen Punkten aus – angefangen mit der Storyline und den Charakteren.

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Weniger Prinzessin in Nöten – mehr Frauenpower!

Die Hintergrundgeschichte von "Fenyx Rising" ist schnell erzählt: In einer überzeichneten Version der griechischen Mythologie strandet Fenyx nach einem Schiffsunglück an der Küste der Goldenen Insel. Ihr Bruder und alle anderen Menschen auf dem Stück Land sind zu Stein erstarrt, denn der dunkle Feuerdämon Typhon treibt hier sein Unwesen. Er hat sich auch an den vier großen Göttern der Insel (Aphrodite, Hephaistos, Ares, Athena) vergangen und sie in hilflose Gestalten verwandelt.

Liebesgöttin Aphrodite fristet ihr Dasein als Baum, Kriegsgott Ares irrt als Hahn durch die Wüste, Hephaistos wurde zu einem Leben als Roboter ohne Erinnerungen verdammt und Athena ist in einem Kinderkörper gefangen. Um ihren Bruder von dem Stein-Fluch zu befreien, muss Fenyx den Göttern zu alter Stärke verhelfen und schlussendlich Typhon besiegen.

Ares Kriegsgott verwandelt fullscreen
Der Haufen Federn im Bild ist niemand geringeres als Kriegsgott Ares – nur verwandelt. Bild: © TURN ON 2020

Dabei ist Fenyx standardmäßig eine weibliche Figur. Nach den ersten paar Gehversuchen im Spiel lässt sich für die Hauptrolle zwar auch eine männliche Figur wählen, doch auf allen Werbeplakaten des Entwicklers ist Fenyx eine Frau. An sich ist das nichts Neues, denn es gibt eine Vielzahl von Protagonistinnen in Spielen. Man denke nur an Lara Croft aus "Tomb Raider", Aloy aus "Horizon Zero Dawn" oder Ellie aus "The Last of Us". Aber im Vergleich zu "Breath of the Wild" – dem Spiel, welches so oft als Vergleichsmaßstab herangezogen wird – ist es durchaus etwas Neues.

Fenyx Charakter Gestaltung fullscreen
Fenyx' Aussehen sowie Geschlecht lässt sich zu Beginn des Spiels einstellen. Bild: © TURN ON 2020

"Bekämpfe den Bösewicht, rette die Prinzessin und sie ist Dein." Dieses sexistische Klischee bestimmt seit Jahrzehnten die Handlung vieler Videospiele, einschließlich der Serie "The Legend of Zelda". Mit "Breath of the Wild" hat sich bereits einiges getan, sodass der Feminismus an vielen Stellen ungezwungen im Spiel auftaucht. Doch wenn ich daran denke, dass Nintendo vor Release des Games versichert hatte, dass dieser Teil "die Konventionen" der Zelda-Serie "brechen" würde, ist das Endergebnis ziemlich mau.

Ich verstehe, dass die schicksalhafte Dreiecksbeziehung zwischen Held, Prinzessin und Bösewicht der Hauptbestandteil der ganzen Serie ist, die Nintendo vor über 30 Jahren erschaffen hat. Damals hat die altbackende Geschichte von dem Ritter, der seine Prinzessin rettet, vielleicht noch begeistert. Heute ist diese Storyline einfach überholt. Ich würde mir wünschen, dass Nintendo hier viel stärker mit den Konventionen bricht.

Zurück zu "Immortals Fenyx Rising", in dem die Protagonistin keine vermeintlich zu schwache Prinzessin retten muss, sondern ihren zu Stein erstarrten Bruder. Er ist also tatsächlich machtlos und braucht Hilfe. Auftritt Fenyx, die mit ihrer empathischen, herzlichen und witzigen Art überaus menschlich und nahbar wirkt. Sie hat Charakter, ist mutig und weiß genau, was sie will – das gefällt mir.

Fenyx ist emanzipiert: Sie braucht keinen Mann, der ihr hilft und schafft alles im Alleingang – aber mit übermenschlichen Kräften. Emanzipiert ist sie auch deshalb, weil sich die Handlung nicht um eine Liebesbeziehung dreht. Mit anderen Figuren der Geschichte ist sie nur befreundet, für etwaige Flirts ist keine Zeit und es besteht offenbar auch kein Interesse daran – erfrischend! Jedenfalls im Vergleich zu "Zelda".

Hermes Götterbote fullscreen
Gott sei Dank läuft zwischen den Beiden nichts! Das würde überhaupt nicht passen. Bild: © TURN ON 2020

Fenyx hat mein Herz im Sturm erobert

Die Story von "Fenyx Rising", die im Laufe des Spiels Fahrt aufnimmt, kommt zwar nicht mit großen Wendungen daher, wird dafür aber extrem charmant und humorvoll präsentiert. Göttervater Zeus und Prometheus erzählen die Geschichte aus dem Off und nehmen sich selbst nicht so ernst. Doch nicht nur sie reißen immer wieder ihre kleinen Witzchen. Auch Fenyx und Götterbote Hermes, der bald darauf die Bildfläche betritt, sind sarkastisch und amüsant. So hat das Spiel einen ähnlich schrägen Humor wie "Dungeons 3". Dabei geht es nicht nur darum, was die Sprecher oder Protagonisten erzählen – amüsant ist auch, wie sie viele Dinge tun.

Boxsack fullscreen
Boxen ist ja sooo langweilig – gähn. Bild: © TURN ON 2020

Wenn Fenyx in einer Zwischensequenz einen weiteren Ausdauer-Balken erhält, steht sie nicht einfach nur da und nimmt eine Siegerpose ein. Sie schneidet witzige Grimassen, während sie an einer Hantelbank trainiert, Liegestützen macht oder gähnend einen Boxsack schlägt. Solche Szenen sind fast schon comichaft und irrwitzig dargestellt, sodass sie das ganze Spielerlebnis um ein Vielfaches auflockern. Es lastet keine erdrückende Ernsthaftigkeit auf dem Gameplay. Bei "Breath of the Wild" ist diese durchaus angebracht, denn die Geschichte erzählt von einem gebeutelten Königreich. Persönlich hat mich der Humor von Fenyx Rising mehr in seinen Bann gezogen, das ist aber Geschmackssache.

Spielmechaniken – so gleich und doch sehr unterschiedlich

Nicht nur die Story will in einem Spiel gut erzählt werden. Vielmehr ist es die Spielmechanik, mit der wir im Game die ganze Zeit zu tun haben. Hat ein Videospiel zwar eine spannende Geschichte, lässt sich aber überhaupt nicht gut bedienen, verliere ich schnell die Lust daran. Wie sieht es also bei "Fenyx Rising" und "Breath of the Wild" aus? Immerhin wird "Zelda" genau dafür immer so hochgelobt.

Zunächst gefällt es mir in außerordentlich gut, dass meine Spielfigur Fenyx merklich stärker wird. Eine neue Kraft oder ein Göttersegen machen tatsächlich viel aus und meine Kombos haben noch mehr Wumms. Die Upgrademöglichkeiten und Verbesserungen der Waffen, Fähigkeiten und Ausrüstung sind vielfältig und für jeden Spieltyp ist etwas dabei.

Die Ausdauer lässt sich mit Blitzen des Zeus verbessern, Energie mit Ambrosia erweitern und mit Hilfe von Charonsmünzen kannst Du göttliche Kräfte verstärken. Dieses Gefühl habe ich bei "Zelda" vermisst, denn das Spiel besteht hauptsächlich aus Ausdauer- und Gesundheitsupgrades. Das Kochsystem bei "Zelda" ist zwar witzig, nach einiger Zeit verliert es jedoch seinen Reiz. "Fenyx" setzt standardmäßig auf Tränke.

Schmiedegott fullscreen
Schmiedegott Hephaistos hat sogleich den nächsten Auftrag für uns. Bild: © TURN ON 2020

Und auch die zerbrechlichen Waffen haben mich bei "Zelda" meist nur Nerven gekostet. Ein nettes Gameplay-Feature, aber auch sehr deprimierend. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mich über eine starke Waffe wirklich freuen darf – sie zerbricht ja eh wieder. Das resultierte dann darin, dass sich die guten Waffen in meinem Inventar gestapelt haben. Fenyx darf ihre erspielten Schwerter, Äxte und Bögen behalten und das finde ich viel befriedigender. Das Waffenarsenal ist größer, die Ausstattung an Helmen, Roben und Flügeln auch. Für Tierfreunde hält das Spiel außerdem den Phönix Phosphor als ständiger Begleiter und eine große Auswahl an zähmbaren Reittieren parat.

Anders als bei Zelda finden die Kämpfe in Fenyx Rising nicht nur am Boden mit Schwert und Bogen statt. Auch in der Luft kann die Protagonistin um sich schlagen und einen Gegner nach dem anderen niedermetzeln. Hier ist auch etwas Taktik gefragt: Es greifen manchmal viele verschiedene Gegner auf einmal an und Angriff, Verteidigung und ein Ausweichmanöver müssen gut getimt werden.

Rätsel Salate fullscreen
Manchmal besteht ein Rätsel auch einfach daraus, große Salatköpfe zu arrangieren. Bild: © TURN ON 2020

Sowohl auf Links als auch auf Fenyx Abenteuern sind Rätsel und Schreine essentiell für das Vorankommen. Die Aufgaben sind in beiden Spielen knifflig und Fähigkeiten, Kräfte sowie Waffen müssen miteinander kombiniert werden. Bei "Fenyx Rising" sind auch Bosskämpfe in solchen Schreinen keine Seltenheit und die Rätsel außerhalb der Unterwelt erscheinen auf den ersten Blick simpel, die Lösung ist dann aber oft komplexer und zeitaufwendiger als gedacht.

"Immortals Fenyx Rising" ist ein Überraschungshit

Keine Frage, "Breath of the Wild" ist ein Spieleklassiker für die Switch, der seinesgleichen sucht. Ich finde, "Immortals Fenyx Rising" hat den Nintendo-Hit noch überboten. Die Spiele ähneln sich in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel was den Aufbau der Spielwelt angeht, das Bekämpfen des Bösewichts und die kniffligen Rätsel.

"Fenyx Rising" hat mir nach etwa der gleichen Spielzeit viel mehr Spaß gemacht als "Breath of the Wild" und ich weiß nun auch genau, warum. Ich kann mich besser mit der Hauptfigur identifizieren, finde die Beweggründe für ihre Handlungen in der Geschichte überzeugend und die Spielmechaniken belohnender. Das alles sind Gründe für mich, weshalb ich "Immortals Fenyx Rising" jedem ans Herz legen würde.

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