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So viel bringt Raytracing in "Call of Duty: Modern Warfare" wirklich

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Subtil, aber lebensecht: Raytracing in "Call of Duty: Modern Warfare".

Ist Raytracing nur unnützer Klimbim? Keineswegs! In "Call of Duty: Modern Warfare" macht die Schattenberechnung in Echtzeit einen feinen und eindrucksvollen Unterschied. Wer den einmal gesehen hat, mag danach nicht mehr zurück.

Die Industrie versucht den Spielern Raytracing schmackhaft zu machen, aber viele sind sich unsicher: Was genau soll die Technologie bringen, mit der Nvidia seine aktuellen RTX-Grafikkarten bewirbt und die ab nächstem Jahr in Spielekonsolen von Sony und Microsoft steckt?

"Call of Duty: Modern Warfare" bietet den Echtzeit-Lichteffekten nun eine große Bühne, denn die Shooter-Reihe ist unangefochten eine der größten Gaming-Marken überhaupt. Die Raytracing-Effekte im Spiel zeigen, dass die Technologie einerseits eher subtile Verbesserungen bietet. Andererseits wird sie wohl schon bald nicht mehr aus Games wegzudenken sein.

Was genau macht Raytracing in "Call of Duty: Modern Warfare"?

Activisions neuer Shooter integriert Raytracing in die Grafik-Engine, also direkt in die Entwicklungsumgebung. Es handelt sich daher eigentlich nicht um ein Feature, das exklusiv Nvidia-RTX-GPUs vorbehalten ist. Bisher sind allerdings kaum andere Grafikkarten erhältlich, die hardwarebasiertes Raytracing unterstützen.

Nvidia hat eng mit den Entwicklern Infinity Ward und Beenox zusammengearbeitet, um in "Call of Duty: Modern Warfare" auf dem PC die Berechnung von Schatten in Echtzeit zu verwirklichen. Diese ersetzt bei aktiviertem Raytracing die traditionell verwendeten Shadow-Maps, also aus der Sicht von Lichtquellen erstellte Tiefenkarten, und erzielt deutlich realistischere Ergebnisse. Das Raytracing errechnet auffällig verbesserte Schatten – ein Feature, das auch in "Shadow of the Tomb Raider" per Patch nachgeliefert wurde. In dem Adventure sorgte es allerdings für teils halbierte Bildraten, wie Golem berichtet.

Nicht so in "CoD". Zwar wird Raytracing hier lediglich für Schatten von Punktlichtern und Spots verwendet. Schatten, die etwa durch Sonnen- oder Mondlicht geworfen werden, bleiben unverändert. Die Performance von "Call of Duty: Modern Warfare" bleibt dafür erstaunlich stabil: Laut Nvidia schafft die RTX 2060 bei maximalen Grafikeinstellungen und aktiviertem Raytracing noch 60 FPS bei einer Auflösung von 1080p. Die RTX 2060 Super erreicht das gleiche bis zu 1440p und die starke RTX 2080 Ti sogar bis 4K-Auflösung. Im Test mit einer RTX 2070 im Max-Q-Design und einer RTX 2080 Super lief der Shooter bei uns mit eingeschaltetem Raytracing einwandfrei.

Und wie sieht das jetzt genau aus?

Im Grunde werden in "Call of Duty: Modern Warfare" durch Raytracing lediglich die Schatten verbessert. Es gibt dadurch allerdings auch deutlich mehr von diesen Schatten, sogar bei getöteten Gegnern oder kleinen Objekten. Außerdem überlagern sich Schatten, ziehen sich bei entsprechenden Lichtverhältnissen durch den Raum oder verlaufen ins Weiche. Vor allem aber liefern sie weitaus mehr Detail und Abstufung als herkömmliche Videospiel-Schatten.

Der subtile Realismus wirkt tatsächlich stärker als ich gedacht hätte: Über die Jahre habe ich mich an unecht wirkende Schatten gewöhnt, umso mehr steigert "Modern Warfare" durch Raytracing die Atmosphäre – aber eben nur, weil die Entwickler Leistungseinbrüche durch die aufwändige Echtzeitberechnung größtenteils vermeiden konnten. Den Kompromiss, dass dafür Spiegelungen klassisch berechnet werden, nehme ich gerne in Kauf. Noch schöner wäre es natürlich gewesen, wenn wirklich sämtliche Schatten per Raytracing ersetzt werden könnten.

Die zusätzlichen Effekte sind in "Call of Duty: Modern Warfare" in der Kampagne und den wichtigsten Multiplayer-Modi verfügbar. Bisher unterstützen wie gesagt fast ausschließlich die Nvidia-RTX-Grafikkarten Hardware-Raytracing per DXR. In naher Zukunft werden sich aber wohl immer mehr Games diese Technik zu Nutze machen, um die Immersion zu steigern.

Hardware-Raytracing: Ab nächstem Jahr Standard?

Schon jetzt gewinnt die Kampagne von "Modern Warfare" an Atmosphäre, wenn Raytracing auf dem PC eingeschaltet ist – wenn auch subtil. Der Wechsel zur PS4-Version fühlt sich danach wie ein signifikanter Rückschritt an. Auch Remedys "Control" litt daran, dass das Spiel auf aktuellen Konsolen kaum sein volles Potenzial entfalten kann. Aber spätestens, wenn PS5 und Xbox Scarlett Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen, könnte Raytracing zum Standard werden.

Die Markteinführung der kommenden Spielekonsolen wird Hardware-Raytracing sehr vielen Spielern näherbringen. Auch Cloud-Gaming-Dienste wie Nvidia GeForce Now und Shadow streamen ab kommendem Jahr Raytracing-Grafik, die anderen Cloud-Anbieter werden wohl nachziehen.

Unsere Wahrnehmung könnte sich in dieser Hinsicht im Handumdrehen ändern. Auch, wenn der Schritt zunächst subtil erscheint: Beim Blick zurück auf eine Zeit ohne Raytracing könnte uns dann ein ähnliches Gefühl beschleichen, wie jetzt beim Betrachten von Gameplay der PS3- und Xbox-360-Generation.

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