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Test: "Divinity: Original Sin 2" für PS4 & Xbox One – Perfekt geportet

Kommt jetzt für PS4 & Xbox One auf den Markt: "Divinity: Original Sin 2".
Kommt jetzt für PS4 & Xbox One auf den Markt: "Divinity: Original Sin 2". (©Larian Studios 2018)

Das Rollenspiel "Divinity: Original Sin 2" wurde in großen Teilen nach den Wünschen der Community entwickelt. Mit auf der Liste: Controller-Support, Split-Screen und eine Konsolen-Fassung. Zum Release auf PS4 & Xbox One steht für mich fest: So muss ein traditionelles RPG auf Konsole aussehen.

Rollenspiele der alten Schule sind wieder in Mode. Crowdfunding sorgte für großen Erfolg von Games wie "Pillars of Eternity" und auch "Divinity: Original Sin 2", dessen Vorgänger sich schon großer Beliebtheit erfreute und das 2017 für PC erschien. Der belgische Entwickler Larian Studios setzt hier auf eine isometrische Perspektive, die schon Klassiker wie "Neverwinter Nights" oder "Baldur's Gate" so beliebt machte.

Spiele dieser Art sind traditionell eher auf dem PC zu Hause – aber was spricht eigentlich dagegen, ein Game wie "Divinity: Original Sin 2" auf einem 4K-TV mit HDR zu spielen? Der Konsolen-Release für PS4 und Xbox One beweist: Nichts. Am 31. August erscheint das von der Kritik gefeierte RPG in der "Definitive Edition", also mit allen bisherigen Erweiterungen endlich auch für die Heimkonsole – ein Release, den ich Genre-Fans ausdrücklich ans Herz legen möchte.

Kombination aus toller Spielwelt & intuitivem Gameplay

Bildschirmtexte sind auf Deutsch, die Sprachausgabe ausschließlich in Englisch. (© 2018 Screenshot TURN ON)

Grund dafür ist nicht mal die hervorragende Umsetzung der RPG-typischen Tugenden – Larian Studios erschuf mit "Divinity: Original Sin 2" ein qualitativ hochwertiges, vielseitiges, auf Wunsch bockschweres und auch lustiges Spiel mit interessanten Charakteren, einer epischen Story und einer lebendigen Spielwelt. Vor allem überzeugend vielmehr die Umsetzung: Das ohnehin schon ausgefeilte Gameplay wurde sehr gut auf die Konsole übertragen.

Als vornehmlicher Konsolenspieler habe ich zuerst gezweifelt, ob ein traditionelles Rollenspiel dieser Art überhaupt mit Controller-Steuerung genießbar sei. Die isometrische Perspektive wird heutzutage – abgesehen vielleicht von Hack-and-Slays wie "Diablo 3" – meist in Strategie-Titeln verwendet, und die funktionieren auf Konsole nur sehr selten. "Divinity: Original Sin 2" hat meine Zweifel in dieser Hinsicht aber völlig zerstreut.

Isometrische Draufsicht mit Controller-Steuerung? Läuft!

Die Menüführung ist bestens für Controller optimiert worden. fullscreen
Die Menüführung ist bestens für Controller optimiert worden. (©Screenshot TURN ON 2018)
Das rundenbasierte Kampfsystem ist zum Glück nicht hektisch. fullscreen
Das rundenbasierte Kampfsystem ist zum Glück nicht hektisch. (©Screenshot TURN ON 2018)

Die Steuerung mit dem Controller, die übrigens auch auf PC nutzbar ist, wurde äußerst intuitiv umgesetzt: Durch Halten einer Schultertaste werden Menüs in Kuchenform aufgerufen, deren Unterpunkte – Ausrüstung, Inventar, Crafting & Co. – dann mit einer Analogstick-Bewegung ausgewählt werden. Genauso wechselt man auch zwischen den bis zu vier Spielfiguren der eigenen Party.

Nach etwas Übung ging das bei mir sofort in Fleisch und Blut über. Da "Divinity: Original Sin 2" ein rundenbasiertes Kampfsystem unterhält, artet die Steuerung der vier Figuren auch selten in Hektik aus, wenn es um das Wechseln von Zielen, Blickwinkeln oder Aktionen geht. Nach einigen Stunden kann ich mir kaum noch vorstellen, stattdessen per Mausklick über die Fortbewegung meiner Mannschaft zu bestimmen.

Volle Flexibilität: Koop im Split-Screen, online oder gemischt möglich

Dank Split-Screen-Koop können Spieler sich auch an völlig anderen Orten befinden. fullscreen
Dank Split-Screen-Koop können Spieler sich auch an völlig anderen Orten befinden. (©Screenshot TURN ON 2018)
So erhält das gemeinsame Erkunden eine völlig neue Dimension. fullscreen
So erhält das gemeinsame Erkunden eine völlig neue Dimension. (©Screenshot TURN ON 2018)
Auch das Matchmaking auf PS4 ist äußerst übersichtlich. fullscreen
Auch das Matchmaking auf PS4 ist äußerst übersichtlich. (©Larian Studio 2018)

Besonders herausragend hat Larian Studios den Multiplayer-Modus gestaltet: "Divinity: Original Sin 2" eignet sich nämlich hervorragend für gemeinsame Spielstunden – und das, aufgrund des Spielprinzips, ganz ohne Stress. Noch besser: Das RPG lässt sich äußerst flexibel im Koop spielen, und das in jeder beliebigen Kombination: Zu zweit im Split-Screen an einem Fernseher, über das Internet oder sogar in Kombination. Spieler können jederzeit bei einer laufenden Session ein- oder aussteigen.

Welche ungeahnten Möglichkeiten sich dabei eröffnen, zeigt sich vor allem, wenn einer der Spieler versucht, die anderen hereinzulegen. Ein Video von Larian Studios gibt ein Beispiel:

Ein Teilnehmer einer Multiplayer-Session stiehlt ein Schwert und schenkt dies einem nichtsahnenden Mitspieler. Daraufhin wird dieser eingekerkert – genau wie der Rest der Party, der beim Ausbruchsversuch gefangen wird. Lediglich der ursprüngliche Schwert-Dieb bleibt in Freiheit, woraufhin die Mitspieler ihm einige Heiltränke unterjubeln, die sie aber heimlich vergiftet haben, was dieser erst beim gemeinsamen Kampf gegen einen Boss feststellt.

Spielerlebnisse wie dieses, die nicht durch die vorgegebene Story, sondern durch die Kreativität der Spieler entstehen, machen gute Multiplayer-Games aus. Dass die Entwickler es geschafft haben, dieses Prinzip auf ein klassisches Rollenspiel wie "Divinity: Original Sin 2" zu übertragen, ist beeindruckend.

Fazit: Wer Rollenspiele mag, ist hier genau richtig – gerade auf Konsolen

Schöne Farben: Auf Konsole lässt sich "Divinity: Original Sin 2" auch in HDR genießen. (© 2018 Screenshot TURN ON)

Auch optisch gibt "Divinity: Original Sin 2" im Test auf der PS4 Pro einiges her: So lässt sich das farbenfrohe Spiel in dynamischer 4K-Auflösung sowie HDR spielen – Letzteres ist mit der PC-Fassung nicht möglich und vorerst auch nicht geplant. Lediglich im Split-Screen-Modus fiel mir immer wieder ein unschöner Screen-Tearing-Effekt auf, der sich aber eventuell mit verschiedenen Anpassungen in den Optionen abstellen lässt.

Wer auf Rollenspiele der alten Schule steht, sollte unbedingt einen Blick auf "Divinity: Original Sin 2 – Definitive Edition" werfen. Das Spiel bietet nämlich etwas, mit dem sich viele Blockbuster-Titel noch immer abmühen: Umfassenden Spielspaß, der sowohl alleine als auch im Multiplayer nahtlos funktioniert.

Das gefiel mir gut Das gefiel mir weniger gut
Umfangreiches RPG der alten Schule Im Split-Screen manchmal unschöner Tearing-Effekt
Controller-Steuerung sehr gut umgesetzt Kamera lässt sich nicht neigen (Draufsicht verfügbar)
Konsolen-Version in 4K & HDR

 

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