Kolumne

TURN ON Innovation: Pimax 8K – das erste VR-Headset mit 8K?

Revolution im VR-Bereich? Die Pimax 8K wurde auf Kickstarter in kürzester Zeit finanziert.
Revolution im VR-Bereich? Die Pimax 8K wurde auf Kickstarter in kürzester Zeit finanziert. (©Facebook/pimaxvr 2017)

Der chinesische Hersteller Pimax will eine neue Virtual-Reality- Revolution anzetteln. Kürzlich haben die Chinesen auf Kickstarter das Headset Pimax 8K präsentiert. Mit zwei hochauflösenden Screens und einem enormen Sichtfeld soll es VR noch erlebbarer machen.

Durch Virtual-Reality-Brillen zu schauen fühlt sich manchmal so an, als sehe man durch ein Fernglas. Das periphere Sehen, also das Blickfeld abseits des Fokuspunkts der Augen, kommt oftmals zu kurz. Und durch Verzerrungen im Bild verliert die Illusion einer simulierten Realität schnell an Wirkkraft.

Pimax: Kein Neuling im VR-Feld

Der Hersteller Pimax will die VR-Technik jetzt endgültig aus den Kinderschuhen holen. Mit ihrer Technologie möchte die junge Firma mit Hauptsitz in Shanghai die großen Kritikpunkte an VR ausmerzen: Vor allem die noch sehr niedrige Auflösung wird oft als Manko empfunden. Pimax 8K heißt das neue Gerät, das auf Kickstarter gerade durch die sprichwörtliche Decke geht. In nicht einmal anderthalb Stunden nach dem Launch auf dem Crowdfunding-Portal am 19. September war das Finanzierungsziel von 200.00 US-Dollar bereits erreicht.

Pimax kann dabei auf Erfahrungen im VR-Feld vertrauen. Vergangenes Jahr präsentierten die Chinesen mit der 4K VR eine VR-Brille mit einer gut dreimal so hohen Auflösung wie die der Konkurrenten von Oculus Rift, HTC Vive und PlayStation VR. Das preiswerte Gerät konnte die hohen Erwartungen jedoch nicht einlösen. Die Technik war laut eines Tests von Heise recht träge, zudem lieferte Pimax die 4K VR ohne die mittlerweile zum Standard gewordenen Controller aus.

Das komplette Sichtfeld simulieren

Mit seiner neuen Brille will der Hersteller jetzt alte Versäumnisse korrigieren und die Konkurrenz auch in anderen technischen Belangen überflügeln. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei buchstäblich auf dem Sichtfeld. Bei den aktuell gängigsten VR-Brillen Oculus Rift, HTC Vive und PlayStation VR kann der Träger ein Sichtfeld zwischen 100 und 110 Grad sehen – also nur knapp die Hälfte des tatsächlichen Sichtfelds des menschlichen Auges.

Die Pimax 8K soll dagegen beinahe das komplette Sichtfeld des Auges simulieren. Bis zu 200 Grad sollen möglich sein – und damit auch das periphere Sehen, das Sehen im "Augenwinkel". Virtual Reality fühlt sich bislang auch deshalb so "virtual" an, weil es durch das enge Sichtfeld zum sogenannten Taucherbrillen-Effekt kommt. Wer durch eine Rift, eine Vive oder PlayStation VR schaut, vergisst eben selten, dass er oder sie eine Brille auf hat.

Ein vergrößertes Sichtfeld zieht zwangsläufig auch eine Verbreiterung der gesamten Hardware nach sich. Die Pimax 8K fällt designtechnisch daher etwas klobiger aus als ihre etablierten Rivalen. Ob sich das negativ auf den Tragekomfort auswirkt, etwa weil die Brille recht schwer ist, muss die Zukunft zeigen.

 Die Pimax 8K fällt vom Design her weit breiter aus als die Konkurrenz. fullscreen
Die Pimax 8K fällt vom Design her weit breiter aus als die Konkurrenz. (©Pimax 2017)

Zahlenspiele: Der große Selling Point "8K"

In Sachen Displayauflösung hatte Pimax schon mit der 4K VR die Konkurrenz überholt. Und wie es der Name bereits andeutet, möchten die Chinesen mit der Pimax 8K hier ebenfalls verdoppeln.

Die beiden LCD-Displays lösen jeweils mit 3840 x 2160 Pixeln auf, also in 4K, nicht 8K. Pimax bedient sich des alten Atari-Jaguar-Tricks und addiert schlicht verschiedene technische Kennzahlen. 4K + 4K = 8K? Das stimmt nicht ganz, da die 8K-Auflösung nur horizontal gerechnet tatsächlich erreicht wird. Ein CES-Hands-on wiederum von Heise hat zudem ergeben, dass die Brille das Bildsignal nicht in seiner nativen Auflösung  wiedergibt, sondern es hochskaliert.

Dennoch: Zwei echte 4K-Screens vor den Augen – das ist ein großer Sprung weg von der Konkurrenz und ganz klar die Richtung, in die VR-Brillen in Zukunft gehen werden. Höhere Auflösung, höherer Realismus, mehr Immersion.

Features: Fliegengitter und Brainwarp

Bereits mit der Pimax 8K wird der Fliegengitter- oder "Screen Door"-Effekt minimiert. Bei dieser berüchtigten Nebenwirkung aktueller VR-Brillen mit niedrigen Auflösungen kann das Auge feine Linien zwischen den Pixeln wahrnehmen.

Eine Technologie in der Pimax 8K, die der Hersteller Brainwarp nennt, soll darüber hinaus die Bildwiederholrate erhöhen und die Latenz verringern. Hierfür werden die Bilder in einer bestimmten Sequenz angezeigt. Immer nur ein Auge sieht dabei ein 4K-Bild, das 150- oder 180-mal pro Sekunde angezeigt wird. Der Träger der Brille nimmt laut Pimax durch die sequenzielle Ausgabe jedoch ein komplettes 8K-Bild mit 150 oder 180 Hertz wahr.

Natürlich unterstützt die neue VR-Brille von Pimax auch Motion-Tracking beim Bewegen mit der Brille durch Räume.

Zubehör, Kompatibilität und Preis

Die Pimax-8K-Brille folgt einem modularen Design, ihre Funktionen können also durch Zubehör erweitert werden. Unter anderem bietet der Hersteller kabellose Controller, die mittlerweile im VR-Bereich Standard geworden sind  – und die beim Vorgänger noch fehlten. Darüber hinaus kann die Brille mit einem Duftmodul erweitert werden, oder einer Zubehörbox, die die kabellose Übertragung der Signale ermöglicht.

Laut Herstellerangabe ist die Pimax 8K mit den Mainstream-Plattformen Steam VR und Oculus kompatibel, für Letzteres wird jedoch laut Kickstarter-Seite ein nebulöses "Third-Party-Tool" benötigt. Auch eine speziell von Pimax entwickelte Plattform namens PiHome gibt es. Was diese kann, werden die ersten Tests des Geräts zeigen.

Wer sich eine Pimax-Brille zulegen will, hat die Wahl zwischen zwei Versionen. Eine Variante mit 5K kostet plus Versandkosten und Steuern unterm Strich um die gut 450 Euro, die 8K-Ausgabe kostet sicher an die 620 Euro oder etwas mehr. Nicht wenig Geld, aber hochwertige VR-Brillen sind eben ohnehin kein Schnäppchen.

Termin
Voraussichtlich ab Januar 2018 sollen die ersten Geräte an die Kickstarter-Backer ausgeliefert werden.

Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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