Kolumne

TURN ON Innovation: Yaw – der transportable Virtual-Reality-Sitz

Der VR-Sitz Yaw wird derzeit bei Kickstarter angeboten.
Der VR-Sitz Yaw wird derzeit bei Kickstarter angeboten. (©Yaw 2018)

Seit etwa knapp zwei Jahren sind Virtual-Reality-Brillen der letzte Schrei – besonders beim Gaming. Der VR-Sessel Yaw will jetzt mit Bewegungsübertragung dabei helfen, noch besser in fremde Welten einzutauchen und sich in der künstlich erschaffenen Realität regelrecht zu verlieren.

VR krankt immer etwas daran, dass die Bewegungen nicht auch übertragen werden. Benutzer einer VR-Brille sehen um sich herum die faszinierendsten Welten, sind aber in der Regel weitgehend zum statischen Rumsitzen oder -stehen verdammt. Das hat mich auch bei meinen eigenen VR-Erfahrungen gestört: Bei der Oculus Rift ist praktisch keine Bewegungsmöglichkeit vorhanden, bei der HTC Vive kann man sich immerhin in einem kleinen Areal bewegen. Bewegungen vom Spiel, wie etwa beim Fahren um Kurven, können aber natürlich nicht übertragen werden.

Yaw: Einfacher, verblüffender und transportabler VR-Sitz

Hier bietet das Kickstarter-Projekt Yaw jetzt eine einfache und verblüffende Lösung an: einen transportablen VR-Sitz für die wichtigsten Systeme. Das Gerät besteht im Grunde aus zwei Kugelhalbschalen, von denen eine als Ständer dient und die andere als Sitz, der aber eben auf  der unteren Kugel-Halbschale beweglich gelagert und motorisiert ist. Es gibt zwei Varianten: die eine ist für den Heimgebrauch, die andere laut Hersteller für den professionellen Einsatz geeignet. Der Unterschied zwischen den Systemen besteht darin, dass das professionelle Gerät für sehr intensiven, regelmäßigen Gebrauch gedacht ist.

Die Abmessungen des Gerätes sind bewusst sehr kompakt gehalten, aber natürlich groß genug, dass auch ein recht großer und schwerer Nutzer noch drauf sitzen kann. Das Gerät hat einen Durchmesser von etwa knapp 75 Zentimetern und wiegt etwa 15 Kilogramm, ist also auch von Nicht-Gewichthebern noch zu transportieren. Der Nutzer sollte aber nicht schwerer als etwa 150 Kilogramm sein und darf bis zu 190 Zentimeter lang sein – alles Maße, mit denen die meisten kein Problem haben dürften. Trotz des geringen Gewichts soll der Bewegungsspielraum des VR-Simulators dennoch beträchtlich sein: Horizontal hat das Gerät mit 360 Grad den maximal möglichen Spielraum, da es sich ungehindert einmal um die eigene Achse drehen kann. In der vertikalen Richtung sind immerhin noch Bewegungen zu beiden Seiten von insgesamt 50 Grad möglich, was laut Hersteller ebenfalls deutlich über dem Spielraum vergleichbarer Geräte liegt.

 Der Sitz ist kompakt und mit 15 Kilo nicht besonders schwer fullscreen
Der Sitz ist kompakt und mit 15 Kilo nicht besonders schwer (©Yaw 2018)

Sitz wird über eingebauten Minicomputer gesteuert

Gesteuert wird der Sitz über einen Minicomputer, der in Yaw eingebaut ist. Dieser Miniaturrechner kommuniziert per WLAN oder USB mit dem eigentlichen VR-Rechner. Mit dem Kugelsitz werden eigene VR-Spiele geliefert: ein Flugsimulator, Weltraumkampf, Autorennen und ein Achterbahn-Simulator. Damit kann man selbst dann erstmal losspielen, auch ohne seinen VR-PC komplett mit Yaw zu verbinden.

Hersteller sagt: Alle VR-Brillen sind kompatibel

Und wie steht es um die Kompatibilität mit VR-Brillen? Die Hersteller sagen, dass es ihr Ziel ist, Yaw mit allen Brillen kompatibel zu machen. Tatsächlich seien jetzt schon alle Brillen benutzbar – wenn das jeweilige Spiel Yaw ansteuern kann.  Auf einigen Videos kann man gut erkennen, dass Yaw mit vielen Modellen schon gut funktioniert. Wie hoch der Konfigurationsaufwand im Einzelnen ausfällt, ist natürlich schwer zu sagen, aber grundsätzlich haben die Hersteller mit  ihren Angaben zur Kompatibilität des Sitzes nicht übertrieben.

Da der Sitz mit der offenen Steuersoftware Simtools kompatibel ist, könnten auf dem PC die meisten Spiele auch den Sitz ansteuern. Das bedeutet: Sowohl mit Oculus Rift als auch mit HTC Vive sollte sich der Sitz gut vertragen, wenn das Spiel via Simtools die nötigen Steuerbefehle liefern kann. Mit Simtools soll man zudem sehr gut einstellen können, welche Bewegungen im Programm welche Auswirkungen auf den Sitz haben sollen. Die Hersteller sichern zu, auch auf anderen Plattformen, wie etwa PlayStation VR, intensiv an der Benutzbarkeit zu arbeiten.

Damit sich der Sitz auch wirklich nutzen lässt, werden außerdem Halterungen für ein Lenkrad, einen Joystick, die Schaltung und Pedale mitgeliefert. Bislang gibt es nur die Pedal-Halterung und die für den Joystick, die weiteren Teile werden nachgeliefert. Wer allerdings den Sitz mit kabelgebundenen Geräten nutzen will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dann keine 360-Grad-Drehungen möglich sind, ohne sich wie eine Mumie in die eigenen Kabel zu wickeln.

Finanzierungsziel von 150.000 Dollar erreicht

Bei Kickstarter kommt Yaw gut an: Die 150.000 US-Dollar Finanzierungsziel konnten die Erfinder aus Ungarn mit rund 176.000 Dollar bereits übertreffen. Noch läuft die Finanzierung für neun Tage. Die Zahl der Unterstützer ist mit 179 zwar noch gering, aber der Sitz ist auch natürlich kein Mitnahme-Schnäppchen: Inklusive Versand werden für die Standard-Version etwa 875 Euro fällig, wobei aber immerhin kein Zoll und keine Steuern mehr anfallen sollten. Die Spezial-Version kostet nochmal 200 Dollar mehr.

Mir gefällt das Gerät trotz des hohen Preises gut. Es stellt eine einfache und anscheinend sehr vielfältige Lösung dar, Bewegungen aus VR-Spielen auch erleben zu können. Es ist sicher vor allem für Rennspieler geeignet, aber vermutlich lassen sich auch andere Genres damit intensiver erleben. Und für Parties ist so ein Sitz natürlich auch ein Kracher.

Innovation
Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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