Kolumne

TURN ON Talk: Warum HTC Vive das VR-Zeitalter einleitet

Jens meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort.
Jens meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort. (©TURN ON 2015)

Auf der Gamescom 2015 und der IFA 2015 konnten wir die HTC Vive ausprobieren. Eine Virtual Reality Brille, die den Markt von Anfang an dominiert. Was kommt da in nächster Zeit auf uns zu – und was macht die Brille so besonders?

Stellt Euch vor: Ihr seht einen weißen Raum. Vor Euch ein Stuhl, daneben ein kleiner Tisch ohne Tischdecke, aber mit Pflänzchen. Ihr geht um Tisch und Stuhl herum und entdeckt den gesuchten Zahlencode auf dem unteren Ende der Blumenvase. Ihr konntet den Code aber nur erkennen, weil Ihr vorher das Fenster im (virtuellen) Raum geöffnet, und Euch vor die Blumenvase gehockt habt. Die Sonnenstrahlen fielen auf die Vase, der Code wurde sichtbar. Das Rätsel ist gelöst – in einer virtuellen Welt.

Das VR-Zeitalter beginnt – zunächst langsam

Zugegeben, das alles wirkt relativ einfach – ja schon fast banal. Doch habt Ihr schon mal "Escape" oder "Exit Room"-Games gespielt? Wenn Ihr "wirklich" in einem Raum eingesperrt seid und nicht nur unter psychischem, sondern auch physischem Druck steht, alle Rätsel zu lösen, um wieder herauszukommen, fühlt sich so ein Spiel ganz anders an. Echter. Es verlangt mehr von Euch, als nur zu sitzen und zu denken. Euer kompletter Körper arbeitet plötzlich ganz anders, man läuft hin und her, man hüpft, duckt sich, beugt sich vor – es fühlt sich echt an.

Es ist noch etwas weit hergeholt, um von einem VR-Zeitalter zu sprechen. Doch was Oculus anfing, hat HTC um (gefühlte) Welten optimiert. Da spreche ich nicht nur von meiner Sichtweise – die ganze Branche und alle Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, singen Loblieder auf die HTC Vive. Das Beste daran: HTC muss nichts weiter tun, als sie zu zeigen – das Produkt steht für sich selbst.

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HTC stellte die Vive im März 2015 auf dem MWC in Barcelona vor. (©YouTube/HTC 2015)

Warum ist die HTC Vive so besonders?

Aber was macht die HTC Vive anders als die Konkurrenz? In erster Linie werden die Bilder mit einer sehr hohen Bildwiederholungsrate und Auflösung (1.080 x 1.200 x 90fps) an einem Computer vorgerendert. Bei dem Großteil der aktuellen VR-Produkte arbeitet man mit Smartphones, welche keine so große Grafikleistung aufbringen können wie ein 1200-Euro-Desktop-PC. Außerdem wirkt das Blickfeld mit allen anderen VR-Brillen aufgesetzt. Bei der HTC Vive sieht man dagegen keine störenden Lupen-Effekte am Rand. Es ist, als säße man in einem Raum voller aneinandergereihter Bildschirme ohne Rahmen. Ein Erlebnis bei der Demo war die Unterwasserwelt, die Ihr Euch hier anschauen könnt.

Bei der Oculus Rift und Sony Project Morpheus wirkt die Grafik dagegen zu grobkörnig, die Bildwiederholungsrate ist zu gering – Motion Sickness ist aktuell noch die Konsequenz. Euch wird übel. Ihr kennt das vielleicht, wenn Ihr im Auto als Beifahrer sitzt und auf Euer Smartphone/Game Boy/Zeitschrift guckt. Bei der HTC Vive gibt es dieses negative Phänomen zumindest bisher nicht. Auch Brillenträger haben weniger Probleme, wovon Alex sich auf der Gamescom überzeugen konnte.

HTC Vive – Preise, Spiele, und so weiter

Was kostet das Ding? Welche Spiele werden erscheinen? Was für Systemanforderungen wird es geben? Wo bekommt man die HTC Vive? Wann kommt das Teil in den Handel? Das sind alles Fragen, die sich bei dem neuartigen Spieleerlebnis stellen.

Genaue Preise wissen wir (noch) nicht, HTC ist der Primus in diesem Bereich und muss den Markt vorausschauend bestimmen. Ich rechne mit einem hohen, dreistelligen Betrag. Wie bei einer Konsole, vielleicht 700 bis 800 Euro. Zudem soll die VR-Brille Ende des Jahres verfügbar sein. 2016 scheint mir da aber wahrscheinlicher. Was war denn noch Ende 2015? Ach ja, die Steam-Machines … Und siehe da, auf der offiziellen Seite von Steam wird die HTC Vive auch als Steam-VR angepriesen. Auf der Gamescom hielt man sich zu diesem Thema noch bedeckt. Scheint aber plausibel, da Valve als Entwickler hinter Steam mit HTC an der Vive gearbeitet hat.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Steam bereits jetzt dezent darauf hinweist, welche Spiele mit der HTC Vive/Steam VR spielbar sein werden – etwa "Half Life", "Team Fortress", "Sky World", "Orc Assault", "Final Fantasy XIII-2" oder auch "World of Diving". Wie gut sich dann alles spielen lässt, welche Möglichkeiten die Entwickler finden, um mit der Vive ein neues Spielerlebnis zu realisieren, bleibt abzuwarten. Einen kleinen Geschmack auf das Erlebnis der kommenden Monate erhaltet Ihr in der von mir erstellten YouTube-Playlist. Hier findet Ihr Entwickler, die eine HTC Vive bekommen haben, und erhaltet Einblicke in aktuelle Trends, Lösungswege für die Bewegung auf engstem Raum und komisch herumfuchtelnde Menschen. Alles verdammt unterhaltsam und spannend!

Man stelle sich vor, HTC würde die Intel Realsense 3D Technologie nutzen, um damit das eigene Wohnzimmer abzutasten und Couch, Tisch und Fernseher in die Virtuelle Realität einzubinden. Als Stock, Stein und Mauerwerk… was für eine spannende Zeit das ist!

Nicht nur auf unserem YouTube-Kanal sind Alex und Jens aktiv. Ab sofort schreiben die beiden regelmäßig in einer wöchentlichen Kolumne über die Themen, die sie am meisten beschäftigen.

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