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TVs sind für viele Gamer die besseren Monitore

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Moderne Gaming-TVs wie der LG OLED48CX übertreffen Monitore in vielen Bereichen. Bild: © LG 2020

Dank fortschrittlicher HDR-Technik erlebst Du Spiele auf Fernsehern mit nie dagewesenem Bombast. Monitore kommen da nicht mit. Auch aus anderen Gründen sollten Konsolen- und PC-Spieler heute in der Regel eher zu TVs greifen als zu Computerbildschirmen.

"Es ist ein Dinosaurier!" In einer Rückblende im PS4-Spiel "The Last of Us 2" nimmt Joel Ellie zu einem verlassenen Naturkundemuseum mit, davor steht eine riesige T-Rex-Statue. Die volle Wirkung entfaltet die Szene erst auf einem ordentlichen HDR-Fernseher.

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Nur moderne HDR-TVs werden Games wie "The Last of Us Part II" gerecht. Bild: © Sony / Screenshot: TURN ON 2020

"Dein nächster Gaming-Monitor sollte wahrscheinlich ein neuerer 4K-HDR-TV sein", schreibt auch Technikredakteur Caleb Denison von Digital Trends. Und kein Wunder: Es gibt nur wenige Monitore, die HDR in vergleichbarer Qualität darstellen können – und die sind viel teurer als Fernseher. Der Acer Predator X27P und der AOC Agon AG353UCG kosten je rund 2.000 Euro. Ordentliche HDR-TVs gibt es für die Hälfte, darunter inzwischen auch OLEDs. Und HDR ist zwar der Hauptvorteil moderner Fernsehgeräte gegenüber Monitoren, aber längst nicht der einzige.

Auch alte Games profitieren von moderner TV-Technik

Man denke zunächst an die wichtigsten Technologien, die eindrucksvolles HDR ermöglichen: die pixelgenaue Beleuchtung bei OLED-TVs und die Beleuchtung in verschiedenen Zonen (Full Array Local Dimming) bei LCD-TVs wie meinem Sony XF90 oder dem aktuellen XH90. Von diesen Technologien profitieren grundsätzlich auch herkömmliche SDR-Inhalte wie die meisten Video- und Computerspiele. Das bedeutet einen besseren Kontrast zwischen hellen und dunklen Bildteilen wie Mond und Nachthimmel, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie bei HDR-Inhalten.

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Glänzende Farben statt mattes Bild

Dann wäre da der Umstand, dass fast alle Monitore eine matte Beschichtung haben, während TVs "glossy", also glänzend sind. Die matte Beschichtung reduziert zwar Spiegelungen, verpasst aber auch der Farbdarstellung und dem Kontrast einen ordentlichen Dämpfer. Selbst der Monitor-Tester Lim's Cave bevorzugt die glänzende Oberfläche von TVs.

Kein Wunder – meine PC-Games auf Glossy-Displays wie dem Philips Momentum 436M6VBPAB und dem Sony XF90 zu sehen, war eine Offenbarung. Die Farben wirken viel intensiver und lebendiger. Moderne Fernseher vermeiden zudem ebenfalls Spiegelungen – dafür kommen jedoch andere, bessere Technologien zum Einsatz, die der Farbdarstellung nicht schaden.

Kontrastreiche Displays mit stabilen Blickwinkeln

Die meisten Fernseher sind LCD-Geräte mit einem sogenannten VA-Panel. Dazu zählen alle Samsung-TVs, die LCD-Fernseher von Sony und viele Geräte anderer Hersteller. Solche Bildschirme hatten lange den Nachteil, dass das Bild von der Seite verwaschen aussah, die Farben verloren ihre Kraft. Bei VA-Monitoren ist das weiterhin der Fall – ausnahmslos. Einige Hersteller versuchen das Problem durch eine starke Wölbung zu umgehen. Für einen Betrachter kann das eine gute Lösung sein, nicht aber für mehrere.

Die neueren und höherpreisigen VA-TVs setzen hingegen auf eine Technologie, welche die Blickwinkelstabilität verbessert. Samsung nennt sie Ultra Viewing Angle, Sony spricht von X-Wide Angle. Im Grunde sind das Beschichtungen, die die Lichtbrechung beeinflussen. So kannst Du auch mit Mitspielern die beste Bildqualität genießen. Zwar ist bei Monitoren die IPS-Technologie mit einer guten Blickwinkelstabilität weit verbreitet – aber diese erreicht längst nicht den Kontrast von VA-Panels.

OLED

Muss ich noch mehr sagen? Es sind aktuell nur drei Monitore mit der kontrastreichen und pixelgenau leuchtenden OLED-Technik in Deutschland erhältlich. Der Dell Alienware AW5520QF hat mit 55 Zoll die Größe eines OLED-Fernsehers, kostet aber doppelt so viel. Der Eizo Foris Nova misst selbst für Monitorverhältnisse bescheidene 21,6 Zoll und belastet das Bankkonto mit 3.000 Euro. Der ebenso 21,6 Zoll große Asus ProArt PQ22UC ist noch teurer.

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Der Eizo Foris Nova ist einer jener seltenen OLED-Monitore – und kostet 3.000 Euro. Bild: © Eizo 2019

Von den OLED-TV-Herstellern hat sich vor allem LG auf Gamer als Zielgruppe fokussiert. So hat der LG OLED 48CX ein nicht allzu riesiges 48-Zoll-Display und bietet 120 Hertz, FreeSync, Variable Refresh Rate (VRR) und G-Sync-Kompatibilität für die Synchronisation des Bildes mit Grafikkarte oder Spielekonsole. Das sorgt für flüssige Bewegungen ohne Bildrisse.

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Schärfere Bewegtbilder

Hier wird es etwas kompliziert. Moderne Fernseher können mithilfe zweier unterschiedlicher Methoden Motion Blur Reduction (Reduktion von Bewegungsunschärfen) betreiben, also Bewegungen schärfer darstellen. Sie erhöhen zu diesem Zweck künstlich die Bildwiederholrate. Dazu dienen die Methoden Black Frame Insertion (BFI) und Motion Interpolation. BFI bedeutet, dass das Display sehr schnell flackert, zwischen die Bilder werden schwarze, im Grunde leere Bilder eingefügt. Bewegungen sehen mit BFI ruhiger und klarer aus. Manche Betrachter stören sich allerdings am Flackern, zudem ist die Bildhelligkeit reduziert.

BFI war für mich ein – zugegeben ungewöhnlicher – Grund, einen LCD- statt einen OLED-TV zu kaufen. OLEDs strahlen nicht so hell wie gute LCDs, daher führt BFI schneller zu einem Bild, das zu dunkel wirkt. Ich finde BFI fantastisch, sowohl bei Filmen als auch bei Spielen. Das Bild wirkt auf mich entspannter, weniger anstrengend.

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Auch SDR-Spiele wie "God of War 3 Remastered" profitieren von klaren Bewegungen dank Black Frame Insertion (hier auf meinem Sony XF90). Bild: © Sony 2020
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Ein Screenshot von "God of War 3 Remastered" auf der PS4 Pro ...
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Full Array Local Dimming verbessert auch bei SDR-Spielen den Kontrast (hier ein Foto von "God of War 3 Remastered" auf meinem Sony XF90) Bild: © Sony 2020
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Ein Screenshot von "God of War 3 Remastered" auf der PS4 Pro ...
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Motion Interpolation meint derweil die künstliche Erzeugung von Zwischenbildern. Der Fernseher berechnet auf Grundlage der vorherigen Bilder, wie die folgenden Bilder aussehen müssten, und fügt sie vor dem nächsten Bild ein. So werden beispielsweise aus 60 Bildern pro Sekunde (FPS) ganze 120. Und das ohne zusätzliche Belastung der Konsole oder der PC-Grafikkarte. Das ist allerdings nicht dasselbe wie "richtige", native 120 FPS. Das Bild wirkt mit Motion Interpolation zwar klarer, aber das Gameplay wird nicht unbedingt flüssiger.

Bei Filmen und TV-Serien kann Motion Interpolation zum sogenannten Seifenoperneffekt (Soap Opera Effect) führen. Bewegungen wirken dann auf manche Betrachter unruhig, merkwürdig schnell und abgehakt. Bei Spielen ist das kein Problem, die vertragen auch höhere Framerates. Allerdings ist die Qualität der Zwischenbildberechnung je nach TV und Prozessor unterschiedlich gut. Das größere Problem ist die deutliche Erhöhung der Eingabeverzögerung, auch Latenz genannt. Controllereingaben werden bei aktivierter Motion Interpolation zeitversetzt auf dem TV angezeigt.

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Nicht nur dank HDR sieht "The Last of Us Remastered" auf einem modernen TV besser aus als auf Monitoren. Bild: © Sony / Screenshot: TURN ON 2020

Ich habe BFI und Motion Interpolation mit "The Last of Us Remastered" für die PS4 Pro getestet, weil das Spiel nativ, also ohne Tricks, mit wahlweise 30 oder 60 FPS läuft. Mit 30 Bildern pro Sekunde führte Motion Interpolation zu einer Ruckelorgie, aber bei 60 FPS und mit BFI, Motion Interpolation plus HDR sieht das Bild großartig aus: sehr ruhige, scharfe Bewegungen inklusive der HDR-Vorzüge wie realistische Farben und hoher Kontrastumfang.

Die erhöhte Eingabeverzögerung wird aber nicht jedem gefallen, manche werden daher auf Motion Interpolation verzichten. Beim Sony XF90 und anderen Sony-TVs ist das BFI-Feature X-Motion Clarity vielleicht die beste Lösung. Hier sinkt die Helligkeit nur um 60 Nits. Bewegungen wirken in dunkleren Bildteilen schärfer als in hellen, das fällt aber nicht negativ auf. Vor allem bleiben die HDR-Vorzüge dank der weiterhin hohen Helligkeit weitgehend erhalten.

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"The Last of Us Remastered" profitiert von der Bewegungsberechnung moderner TVs. Bild: © Sony / Screenshot: TURN ON 2020

Einige Gaming-Monitore beherrschen ebenfalls Methoden zur Motion Blur Reduction. Bezeichnungen für solche Technologien sind unter anderem ULMB, LightBoost und ELMB. Es wird manchmal unterschieden, ob die jeweilige Technologie Hardware- oder Software-basiert funktioniert. Grundsätzlich nutzen Motion-Blur-Reduction-Verfahren bei PC-Monitoren dasselbe Prinzip wie BFI: die Einfügung schwarzer Bilder. Das Problem: Monitore leuchten längst nicht so hell wie gute LCD-Fernseher und können darum nur in geringem Maße schwarze Bilder einfügen, sie flackern also langsamer. Sonst wäre das Gesamtbild zu dunkel.

Motion Interpolation beherrschen Monitore überhaupt nicht. Sie können also keine zusätzlichen Zwischenbilder berechnen. Ich glaube, das liegt daran, dass diese Technik die Eingabeverzögerung (Input Lag) verlängert. Eingabebefehle auf Tastatur und Gamepad würden damit also zeitversetzt auf dem Monitor umgesetzt werden. Dieses Problem versuchen vor allem Gaming-Monitore zu vermeiden.

Hier liegen Monitore vorn

Wahrscheinlich sind einige PC-Gamer inzwischen rot angelaufen. Motion Interpolation und BFI sind doch kein Ersatz für hohe native Framerates! Und da haben sie Recht. Diese Technologien sind eine Art Notlösung, wenn die Grafikkarte keine hohen Framerates schafft. Aber vor allem BFI ist eine gute Notlösung, mit der Monitore zurzeit weitgehend überfordert sind.

Vor allem kompetitive Profi-Gamer werden noch immer skeptisch dreinblicken. Was ist mit 240-Hertz- oder gar 360-Hertz-Monitoren für entsprechend viele Bilder pro Sekunde? Das schafft kein Fernseher! Und auch das ist richtig. TVs beschränken sich bislang auf maximal 120 Hertz. 240 und mehr FPS zu erzielen ist aber auch mit starken Grafikkarten und bei älteren Games schwierig.

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Gaming-Monitore erreichen höhere Bildwiederholraten von bis zu 360 Hertz. Bild: © Asus 2020

Davon abgesehen haben sich die Reaktionszeiten von Fernsehern in den vergangenen Jahren zwar dramatisch verbessert, aber Gaming-Monitore liegen hier weiterhin vorn – mit Ausnahme von OLED-TVs, die in diesem Bereich niemand schlägt. Eine höhere Reaktionszeit bedeutet, dass die Displays schneller von einem Pixelzustand (wie Schwarz) auf einen anderen (wie Grau) schalten können, was Schlieren vermeidet. Und auch die Eingabeverzögerung ist bei Gaming-Monitoren überlegen.

Also ja: Kompetitive Profi-Zocker sollten sich weiterhin einen Gaming-Monitor besorgen. Davon abgesehen werden Fernseher immer größer. Nicht jeder möchte vor einem 48- oder 55-Zoll-Gerät am PC sitzen oder es als Zweitdisplay nutzen. Auch ein Grund für manche, sich weiterhin einen Monitor zum Zocken zu kaufen.

Für viele Gamer sind gute TVs die bessere Wahl

Viele, vermutlich die meisten Gamer dürften sich allerdings mit den Nachteilen von TVs arrangieren können. Gute HDR-Fernseher sind in vielerlei Hinsicht deutlich besser als Monitore. Sie haben eine höhere Bildqualität und überlegene Technologien für eine scharfe Bewegtbilddarstellung. Ich hoffe, dass die Monitore aufholen werden, denn die Größe der Fernseher kann durchaus lästig sein für den PC-Einsatz. Bis dahin sollten sich Zocker, die keine rasanten Spiele im Wettbewerb bestreiten, jedoch einen guten TV besorgen. Und keinen Monitor.

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