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Von wegen Game Pass: Apple Arcade ist das richtige "Netflix für Games"

Die Apple Arcade lohnt sich auch für Spieleentwickler.
Die Apple Arcade lohnt sich auch für Spieleentwickler.

Mehr Entertainment als ein Mensch zu Lebzeiten genießen kann – zum monatlichen Taschengeldpreis: Immer mehr Firmen bieten uns diesen Deal neuerdings an. Mit Apple Arcade webt der iPhone-Hersteller dieses Konzept geschickt in sein Ökosystem ein und fördert gleichzeitig Studios, die mehr Kreativität in die Welt der Mobile-Games bringen könnten.

Phil Spencer, der bei Microsoft die Gaming-Abteilung leitet, warf vor einiger Zeit den Begriff "Netflix für Games" als Zielvorgabe für den Xbox Game Pass auf. Aber zur Apple Arcade passt der Netflix-Vergleich eigentlich besser als zum Xbox-Abo, denn Netflix investiert viel Geld in experimentelle Special-Interest-Produktionen und verleiht seinem Katalog dadurch eine bemerkenswerte Tiefe.

Netflix ist erst durch Eigenproduktionen mehr geworden als eine Online-Videothek. Microsoft ist das noch nicht so recht gelungen – vielleicht auch, weil der Xbox Game Pass nicht konsequent auf Exklusivität setzt: Alle Spiele im Xbox-Abo sind auch separat an anderer Stelle käuflich, nur wenige sind plattformexklusiv.

Das ist bei Apple Arcade anders: Viele der enthaltenen Spiele sind exklusiv im Abo erhältlich, das soll den Service noch attraktiver machen. Einige andere Games können zwar auch gekauft werden, wie etwa "Sayonara Wild Hearts" oder "Yaga", aber nur auf anderen Plattformen.

Außerdem hat Apple mit iOS 13 dafür gesorgt, dass sich Xbox- und PlayStation-Controller endlich mit iPhone, iPad, Mac und Apple TV verwenden lassen. So lassen sich die Games sogar wie mit einer Spielekonsole am Fernseher genießen – gerade für Multiplayer-Titel wie das chaotische und familienfreundliche "Hogwash" ist das toll.

 

Spieleentwicklung zum Abopreis – ja, das rechnet sich!

Der Katalog umfasst rund 100 Games, die geräteübergreifend spielbar sind, für fünf Euro monatlich. Da kann man nicht meckern.  Aber kommt bei denen, die Spiele für die Apple Arcade programmieren, beim günstigen Preis von fünf Euro monatlich überhaupt noch etwas Geld an? Während meines Interviewtermins in London wird nicht verraten, wie genau Apple Spieleentwickler entlohnt – die Studios dürfen nicht, Apple will nicht.

Klar ist, dass die Bezahlung anders läuft als beim Konkurrenzprodukt Google Play Pass für Android: Dort werden die Macher nach Interaktionszeit der Spieler bezahlt. Das könnte zu einer Flut von Endlosspielen mit Mechaniken führen, die möglichst lange ans Display fesseln sollen. In sich geschlossene kleine Geschichten lassen sich so kaum finanzieren.

Microsoft dagegen gibt Entwicklern im Rahmen des Xbox Game Pass einen finanziellen Vorschuss und beteiligt sie zusätzlich je nach Erfolg der Games. Die Entlohnung scheint bei der Apple Arcade ähnlich zu funktionieren – zumindest klingt das im Gespräch mit Entwicklern durch.

So können die Macher mit wenig finanziellem Risiko kreative Ideen umsetzen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, mit welchen Mechaniken Spieler dazu gebracht werden sollen, im Game echtes Geld auszugeben. Keines der Spiele in der Apple Arcade verfügt über Ingame-Käufe, jedes ist auch offline spielbar.

Apple Arcade gibt Spieleideen eine Chance, die sich sonst nicht rechnen

So werden mutige Ideen belohnt: Das liebevoll gestaltete "Assemble with Care" der "Monument Valley"-Macher Ustwo sticht aus der Bibliothek hervor, weil es eben kein typisches Puzzle- oder Action-Game ist, das sich auf den ersten Blick selbst erklärt. Es lässt den Spieler mechanische Gegenstände auseinander- und wieder zusammenschrauben und erzählt dabei eine abgeschlossene Geschichte von den Beziehungen, die Menschen zueinander und zu Gegenständen aufbauen. Dabei fühlt es sich teilweise sogar eher wie ein interaktives Hörbuch an und nicht wie ein Videospiel.

Oder "Monomals", ein bezauberndes "Unterwasser-Jump-n-Run" von Picomy, das gleichzeitig Musiksoftware ist: Hier spielt man verschiedene Tiere frei, die in einem separaten Modus als Instrumente eingesetzt werden, um spielerisch eigene Stücke zu komponieren. Die Songs fungieren dann als individueller Soundtrack für spätere Level. Bestimmt wäre es möglich gewesen, ein solches Spiel, an dem das vierköpfige Entwicklerstudio vier Jahre arbeitete, auf eigene Rechnung in den App Store zu bringen. Aber das hohe finanzielle Risiko hätte vielleicht dafür gesorgt, dass stattdessen ein einfacheres Spiel entstanden wäre, das sich über Mikrotransaktionen finanziert.

Die Spiele-Flatrate als Mittel gegen wertlose Gratis-Games

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Apple Arcade läuft auf allen Geräten ab iOS 13 und Apple TV.

Und welches der beiden Angebote ist für die Spieler attraktiver? Eine Sammlung kunstvoller Kleinode, perfekt für zwischendurch wie Apple Arcade? Oder vollwertige Konsolen- und PC-Games, darunter auch interessante Indie-Spiele wie im Xbox Game Pass? Das hängt auch vom Preis ab, schließlich kostet das Abo bei Microsoft etwa doppelt so viel wie bei Apple.

Es gibt da aber noch einen weiteren wichtigen Unterschied: Der Ruf von Mobile-Games ist ohnehin längst ruiniert und im Wertesystem der meisten Kunden sind sie kaum mehr als ein paar Cent Wert. Vielleicht startet die Apple Arcade ja genau zum richtigen Zeitpunkt, um der breiten Masse zu zeigen, dass Spiele viel mehr auslösen können, als einen kurzweiligen Endorphinschub.

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