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Warum ich mich so sehr über das Comeback der schweren Spiele freue

Die Walküren in "God of War" sind auf dem Schwierigkeitsgrad "Give Me God of War" ein echter Alptraum.
Die Walküren in "God of War" sind auf dem Schwierigkeitsgrad "Give Me God of War" ein echter Alptraum.

Schwere Spiele: Früher gab es sie in Massen, dann waren sie fast komplett verschwunden und seit ein paar Jahren erleben sie ein kleines Revival. Als großer Fan von Spielen mit teuflischem Schwierigkeitsgrad möchte ich Dir einmal erklären, was mich an diesen Games reizt und warum ich mich so gern durch sie hindurchquäle.

Wenn ich mich an die Videospiele aus meiner Kindheit zurückerinnere, schießt mir sofort das Wort "bockschwer" in den Kopf. Natürlich hatte ich auch mit den eher leichten "Mario"-Games ("Super Mario Bros.: The Lost Levels" ausgenommen) meinen Spaß, aber so richtig gereizt haben mich eigentlich immer die harten Brocken wie "Megaman", "Metroid", "Castlevania" oder auch "Battletoads". Wer in den 80ern und 90ern schon gezockt hat, wird sich sicher noch daran erinnern, dass die meisten der damaligen Spiele schwerer waren als heutige Games. Und dafür gab es auch einen guten Grund.

Sie wollen nur Dein Geld!

Noch lange bevor wir in den Genuss von Heimkonsolen kamen, fand Gaming hauptsächlich in Arcade-Hallen statt. Dort war es natürlich nicht im Sinne der Betreiber, dass es Spieler mit nur einem Münzeinwurf locker durch das komplette Spiel schaffen. Deshalb war der Schwierigkeitsgrad der Spiele so hoch angesetzt, dass die Gamer ordentliche Kohle nachschieben mussten,  um weitere Versuche zu erhalten.

Einfach mal selbst eine Spielwelt erkunden: In "Metroid" sagt Dir niemand, wo Du hin musst und was Du tun sollst. fullscreen
Einfach mal selbst eine Spielwelt erkunden: In "Metroid" sagt Dir niemand, wo Du hin musst und was Du tun sollst.
Treffer durch Gegner werfen Dich in "Castlevania" zurück. Für viele Gamer ist der sogenannte "Knockback" purer Frust. fullscreen
Treffer durch Gegner werfen Dich in "Castlevania" zurück. Für viele Gamer ist der sogenannte "Knockback" purer Frust.
Der Hoverbike-Abschnitt in "Battletoads" zählt bis heute zu den schwierigsten Leveln überhaupt. Hier ist perfektes Gameplay gefragt. fullscreen
Der Hoverbike-Abschnitt in "Battletoads" zählt bis heute zu den schwierigsten Leveln überhaupt. Hier ist perfektes Gameplay gefragt.
Nintendo hatte früher auch eine ganze Menge harter Brocken am Start. "Mega Man" gehörte zu den Titeln, die den Begriff "Nintendo Hard" geprägt haben. fullscreen
Nintendo hatte früher auch eine ganze Menge harter Brocken am Start. "Mega Man" gehörte zu den Titeln, die den Begriff "Nintendo Hard" geprägt haben.
Einfach mal selbst eine Spielwelt erkunden: In "Metroid" sagt Dir niemand, wo Du hin musst und was Du tun sollst.
Treffer durch Gegner werfen Dich in "Castlevania" zurück. Für viele Gamer ist der sogenannte "Knockback" purer Frust.
Der Hoverbike-Abschnitt in "Battletoads" zählt bis heute zu den schwierigsten Leveln überhaupt. Hier ist perfektes Gameplay gefragt.
Nintendo hatte früher auch eine ganze Menge harter Brocken am Start. "Mega Man" gehörte zu den Titeln, die den Begriff "Nintendo Hard" geprägt haben.

Als später die ersten Heimkonsolen auf den Markt kamen, programmierten viele der alten Entwickler auch für diese Plattformen und brachten ihre Philosophie von knallharten Spielen mit. Das Konzept ging zunächst auf: Der Großteil der Gamer, meist männliche Jugendliche, war nicht in der Lage, sich regelmäßig mit neuen Titeln einzudecken. Deshalb mussten damalige Spiele trotz wenig Inhalt eine lange Spielzeit bieten – da war der hohe Schwierigkeitsgrad genau die richtige Stellschraube. Und die jungen Männer störten sich nicht an den schweren Games, sondern prahlten damit, welche schweren Games sie schon bewältigt hatten.

Mit der Zeit stiegen aber die Produktionskosten für Videospiele enorm an und Entwickler mussten größere Zielgruppen erschließen – die frühen Casual-Gamer sozusagen. Diese kamen natürlich mit dem hohen Schwierigkeitsgrad nicht klar und viele Spiele, die weiterhin auf das alte Konzept setzten, floppten. Ein neues Konzept musste her und war auch schnell gefunden: Fortan sollte einfach jeder ein Gewinner sein. Der Schwierigkeitsgrad wurde kontinuierlich heruntergeschraubt und die Komplexität der Spiele sank fast ins Bodenlose, damit auch Spieler, die nie zuvor einen Controller in der Hand gehalten hatten, ohne große Mühen Games durchzocken konnte. Dieser Trend hielt viele Jahre an, bis ein Game Spieler wieder mit einem höllisch schweren Schwierigkeitsgrad in den Wahnsinn trieb – und die Zocker liebten es.

Die "Souls"-Revolution

Sicher, es gab zwischen den ganzen weichgespülten Games auch immer ein paar richtig harte Brocken, das waren aber eher Nischentitel, die es nicht bis in den Mainstream geschafft haben. Aber wie aus dem Nichts war es plötzlich da, das Spiel, von dem Zocker nicht genug kriegen konnten, obwohl sie am laufenden Band ins Gras bissen. Die Rede ist natürlich von "Dark Souls".

"Plötzlich" ist eigentlich auch nicht korrekt, denn schon "Demon Souls", der Vorgänger von "Dark Souls", war ein echt hartes Brett in Sachen Schwierigkeitsgrad. Hierzulande zündete des Spiel allerdings nicht so richtig, sondern galt eher als Geheimtipp.

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Angeblich soll es zwischen den "You died"-Screens von "Dark Souls" auch Gameplay geben.

Ich muss zugeben, dass ich selber gar kein so großer Fan der "Souls"-Reihe bin. Nicht wegen des Schwierigkeitsgrads – der meiner Meinung nach für geübte Spieler gar nicht so hoch ist, sondern weil mich das Setting und das langsame Gameplay wenig reizen. Ich will hier auch gar nicht darauf eingehen, mit welchen Mechaniken "Dark Souls" knackig-schweres Gameplay erzeugt. Wichtig ist an dieser Stelle nur, dass From Software ein gutes Spiel abgeliefert hat, bei dem der hohe Schwierigkeitsgrad ein wichtiger Bestandteil der Spielerfahrung ist, ohne den das Konzept des Spiels gar nicht funktionieren würde.

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass "Dark Souls"  das allgemeine Interesse an schweren Games wiedererweckt hat. Dadurch wurden Entwickler nämlich etwas mutiger und trauten Spielern wieder schwierigeres und komplexeres Gameplay zu. Und so entstanden einige echte Spieleperlen ganz unterschiedlicher Genres, die mich mit ihrem hohen Schwierigkeitsgrad in ihren Bann gezogen haben. Eine Liste meiner damaligen und heutigen Lieblingsspiele mit hohem Schwierigkeitsgrad findest Du übrigens am Ende des Artikels. Zunächst schulde  ich Dir aber noch die Erklärung, warum mich diese Games so reizen.

Ich will zu den Besten gehören

Die Faszination für schwere Games hat bei mir verschiedene Gründe. Größtenteils geht sie wohl auf meine kompetitive Einstellung zurück. Ich liebe es einfach, mich mit anderen in Multiplayer-Modi zu messen. Nichts macht mir mehr Spaß, als mich in einer Rangliste hochzuarbeiten. Ganz egal, wie viele Niederlagen ich dabei einstecken muss und wie lange es dauert. Und in Singleplayer-Games muss eben der hohe Schwierigkeitsgrad als Messlatte für Skill herhalten.

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Zu Beginn sind die Bosse in "Cuphead" eine echte Herausforderung. Wenn man aber erstmal ihre Angriffsmuster kennt, sind sie gar nicht mehr so schwer.

Ich will einfach vor Herausforderungen gestellt werden. Wenn ich einige Level in "Super Meat Boy" oder "Cuphead" mehr als 50-Mal spielen muss, dann ist das eben so. Macht doch Bock, wenn man langsam immer besser wird und den Level oder den Boss am Ende packt. Es ist einfach ein sehr befriedigendes Gefühl,etwas Schwieriges oder Komplexes gelöst zu haben. Aber dieses Gefühl kennst Du wahrscheinlich selbst. Was mich vielleicht von vielen anderen Gamern unterscheidet, ist meine recht hohe Schmerzgrenze für Frust. Ich kann mich auch nach dem 100. Versuch noch dazu motivieren, einen Level oder einen besonders harten Gegner anzugehen. Der Sieg ist schließlich umso süßer, je schwerer er zu erringen war.

Was mich an schweren Spielen ebenfalls besonders reizt, ist das Erlernen von Bewegungsabläufen, Techniken oder Mechaniken, die für ihre Bewältigung nötig sind. Viele Stellen in Spielen sind nämlich gar nicht so knifflig wie zunächst gedacht, sondern man geht häufig nur falsch an die Sache heran und kennt nicht die Mechanismen, die zur Lösung des Problems nötig sind. Oder die Technik, die angewendet werden muss, ist momentan noch zu komplex in ihrer Ausführung. Und genau dieses Lernen von Mechaniken oder das Verbessern meiner Technik macht mir einfach unglaublich viel Spaß.

Ich erinnere mich beispielsweise daran, enorm viel Zeit mit dem "Durchspielen" von "Super Hexagon" verbracht zu haben. Das Spielprinzip ist simpel: Steuere ein kleines Dreieck durch Lücken in sich drehenden, geometrischen Figuren. Spielt man fehlerfrei, ist das letzte Level bereits nach 60 Sekunden erreicht. Das einfache Spielprinzip wird jedoch durch verschiedene Mechaniken erschwert. Durch plötzliche Richtungswechsel, blinkende Farben und eine hohe Geschwindigkeit war es für mich zunächst sogar schwierig, auch nur 10 Sekunden zu überleben. Mit der Zeit gingen die Bewegungsabläufe aber immer besser in mein motorisches Gedächtnis (auf englisch muscle memory) über und mein Gehirn durchschaute, dass sich viele knifflige Stellen durch sehr simple Manöver meistern ließen. Sie waren aufgrund der Geschwindigkeit, Rotation und Farben nur nicht direkt ersichtlich.

Und schließlich pushen mich schwere Games regelmäßig an meine Grenzen und sorgen dafür, dass mein Körper in einen mentalen Zustand eintreten kann, in dem jede Herausforderung ein Kinderspiel wird. Dieser Zustand nennt sich Flow und er macht süchtig!

Gönn Dir den Sadismus und lass Dich mit Flow belohnen

Ja, ich gebe es zu: Für manche Spiele muss man schon eine leicht sadistische Neigung mitbringen. Die "Megaman"-Reihe, die Walküren in "God of War" auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad "Give me God of War" oder die Time Trials der "Crash Bandicoot N. Sane Trilogy" haben mich echt an den Rand der Verzweiflung gebracht. Aber je härter die Spiele waren, desto leichter kam ich auch in den Flow.

Der Begriff wurde von dem Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi geprägt und bezeichnet einen Zustand der völligen Konzentration und des restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit. Dieser kann grundsätzlich bei jeder Tätigkeit auftreten, wird aber besonders häufig von Sportlern, Musikern oder auch Gamern erfahren. Du hast dieses Gefühl sicherlich schon einmal bewusst oder unbewusst erlebt. Tritt dieser Zustand ein, klappt alles plötzlich wie am Schnürchen: Du machst wenige oder keine Fehler, bezwingst die härtesten Bosse und brichst problemlos Deine Rekorde. Es ist eine Art tranceartiger Zustand, der sich unbeschreiblich anfühlt.

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Der Zustand von Flow kann nur erreicht werden, wenn die Herausforderungen groß genug sind.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, in diesen Zustand zu gelangen. Herausforderung und Fähigkeiten müssen dafür einigermaßen ausbalanciert sein: Sind Deine Fähigkeiten noch nicht gut genug und die Anforderungen des Spiels zu hoch, bist Du überfordert und womöglich frustriert. Sind Deine Fähigkeiten bereits gut ausgebildet, aber das Spiel ist zu leicht und verlangt Dir nichts ab, bist Du hingegen unterfordert und schnell gelangweilt.

Interessant wird es aber einer mittleren Schwierigkeit bei einem mittleren Skill-Level. Ab dann kann Flow laut Csikszentmihalyi eintreten.  Persönlich habe ich diesen Zustand am häufigsten bei besonders schweren Spielen erlebt. Es hat zwar immer eine gewisse Weile gedauert, in der ich auch einige virtuelle Leben gelassen habe, sobald ich aber im Flow war, lief in den Games aber alles glatt und das Zocken hat richtig Bock gemacht. Bis heute ist es mir nicht gelungen, den Zustand richtig zu ergründen: Ich weiß weder, wann genau er eintritt, noch wie man den Zustand möglichst lang aufrecht erhält. Es ist aber ein gutes Gefühl, das ich nicht mehr missen möchte. Und deshalb werde ich mich auch weiterhin mit schweren Games befassen und versuchen, möglichst häufig in den Flow zu gelangen.

Meine 12 Lieblingsgames, die richtig schön schwer sind

  • "Cuphead" (PC)
  • "Super Hexagon" (PC)
  • "Donkey Kong Country Tropical Freeze" (Wii U)
  • "Mega-Man"-Serie
  • "Super Metroid" (SNES)
  • "Battletoads" (NES)
  • "Crash Bandicoot N.Sane Trilogy" [Time Trials] (PS4)
  • "God of War" (PS4)
  • "Super Meat Boy" (PS Vita)
  • "Hyper Light Drifter" (PC)
  • "Shinobi" (PS2)
  • "Ikaruga" (PC)

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