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Warum mir der PS4-Release zeigt, dass "PUBG" Free-to-play sein sollte

Ziemlich genau ein Jahr nach dem Xbox-Release ist "Playerunknown's Battlegrounds" endlich auch auf der PS4 angekommen. Technisch erfüllt das Spiel die Erwartungen und bietet das "PUBG"-typische Tempo, das es berühmt gemacht hat. Kommt der Release dennoch zu spät? Und warum fühlen sich die 30 Euro für den beliebten Battle-Royale-Klassiker mittlerweile zu teuer an?

Schon als Microsoft sich Ende 2017 im Rahmen eines Exklusiv-Deals den Konsolen-Start von "PUBG" auf der Xbox One sicherte, befand sich der Battle-Royale-Shooter auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Auf der PS4 hat der Release nun aber erst stattgefunden – nachdem die Shooter-Konkurrenz aufschließen konnte. Lohnt sich der Kauf jetzt überhaupt noch?

Ja, "PUBG" ist immer noch simpel und gut!

Zwar darf man Spiele im Early-Access, in dem sich "Playerunknown's Battlegrounds" lange befand, deutlich früher spielen. Dafür ist man als zahlender Kunde allerdings auch Versuchskaninchen und muss mit teils gravierenden Bugs im Spiel leben – schließlich ist das Game eigentlich noch gar nicht fertig. Zum PS4-Release von "PUBG" sind zumindest die gröbsten Fehler aber ausgemerzt: Beim Spielen bekomme ich das Gefühl, dass die PlayStation-Version zum Launch auf dem jetzigen Stand der Xbox-One-Fassung ist.

Dazu kommt, dass das Pacing von "PUBG", also das Gameplay-Tempo, noch immer etwas ist, womit sich das Spiel von der Konkurrenz abhebt. Das Chaos anderer Multiplayer-Shooter kommt hier eher selten auf. Die Controller-Steuerung sorgt außerdem dafür, dass Schusswechsel auf lange Entfernung etwas seltener werden als auf dem PC und stattdessen Close-Quarter-Combat in den Vordergrund rückt.

Später PS4-Release: Der Zug ist abgefahren – oder?

Mit dem Hype um das Battle-Royale-Prinzip kam der unvermeidbare Ermüdungseffekt: Wie schon zum Boom von Hero-Shootern wie "Overwatch" oder MOBAs wie "Dota" und "League of Legends" sprangen Unmengen von Entwicklern auf den Erfolgszug auf. Längst hat "Fortnite" den Vorreiter "PUBG" vom Battle-Royale-Thron gestoßen. Ganze Studios, die auf entsprechende Entwicklungen gesetzt hatten, sind in der Zwischenzeit schon wieder bankrott gegangen – darunter etwa Boss Key Productions mit dem Eighties-Gameshow-Shooter "Radical Heights".

Auch die großen Platzhirsche des Shooter-Genres haben längst reagiert. "Call of Duty" und "Battlefield", die populärsten Franchises des Genres, zogen schnell nach und kündigten ihrerseits ebenfalls Battle-Royale-Modi als Teil ihrer kommenden Releases an. Kein Wunder: "PUBG" brach seit 2016 sämtliche Rekorde auf Twitch, YouTube oder Steam. Übertroffen wurde es nur durch den Höhenflug von "Fortnite: Battle Royale", das auch dem skeptischsten Publisher bewies, dass der neue Modus als nachträgliche Erweiterung keine schlechte Idee sein kann.

Ist "CoD: BlackOut" das bessere "PUBG" für PS4?

"Battlefield 5" liefert seine Variante namens "Firestorm" erst 2019  nach, aber schon jetzt existiert mit "BlackOut", dem Battle-Royale-Modus von "Call of Duty: Black Ops 4", eine hervorragende Ausführung der populären Spielvariante für die PS4 auf hohem technischen Niveau. Wer mit der zeitlosen Comic-Grafik von "Fortnite" nichts anfangen kann, aber kein Problem damit hat, Geld für ein Spiel zu zahlen, erhält mit "Call of Duty: Black Ops 4" einen auf Hochglanz polierten Shooter mit unzähligen Features, der "PUBG" in dieser Hinsicht mit Links in den Schatten stellt.

Denn: Auch, wenn in "PUBG" für die PlayStation die größten Bugs bereits ausgebügelt sind, die spartanische Grafik ist nicht gut gealtert – "Playerunknown's Battlegrounds" ist immer noch kein hübsches Spiel.

Der späte PS4-Release könnte sich aber auch noch auf andere Art rächen: Für den PC erschien mit der "Call of Duty: Black Ops 4 – Battle Edition" nämlich kürzlich eine Ausführung ohne den Zombie-Modus zum günstigeren Preis. Für etwa 30 Euro können Desktop-Gamer also in "BlackOut" einsteigen – das gleiche Geld kostet derzeit "PUBG" für PS4. Sollte Activision diese Ausgabe ebenfalls für die PS4 veröffentlichen, spräche nur noch wenig für den Kauf von "Playerunknown's Battlegrounds".

Noch sind die Spielerzahlen gut – aber immer mehr Alternativen schließen auf

Noch mehr Schaden würde vielleicht sogar der Release von "Ring of Elysium" auf der PS4 anrichten: Die chinesische "PUBG"-Kopie mit Wintersport-Elementen sieht nämlich nicht nur deutlich besser aus als "PUBG", sie ist als Free-to-play-Game auch noch völlig kostenlos spielbar und hat ein ähnlich gemächliches Pacing. Ein Konsolen-Release ist jedoch vorerst nicht angekündigt – vielleicht auch, weil Publisher Tencent Anteilseigner des koreanischen "PUBG"-Entwicklers Bluehole ist.

Dabei ist "PUBG" alles andere als ein schlechtes oder sterbendes Spiel. Millionen von Spielern sind noch immer regelmäßig auf den Servern anzutreffen. Die ehemals desaströsen Cheater-Probleme scheinen halbwegs im Griff. Aber vielleicht müssen die Macher hinter "Playerunknown's Battlegrounds" dennoch langsam einsehen, dass die Zeit reif für eine grundlegende Veränderung ist: den Wechsel auf ein Free-to-play-Modell.

"PES" & "Counter-Strike": Ist Free-to-play der "letzte" Schritt?

Wie über "PUBG" und "BlackOut" kann man sich ebenso ausgiebig darüber streiten, ob "FIFA" oder "PES" das bessere Fußball-Game ist. Der Markt hat aber längst entschieden: Die Verkaufszahlen von "Pro Evo" sinken – erst recht, nachdem nun auch die wertvolle Champions-League-Lizenz an EA gefallen ist. Konami wagt daher einen  interessanten Schritt: Ab sofort gibt es auch die "PES 2019 Lite"-Edition – eine Free-to-play-Variante, mit der die wichtigsten Features auch kostenfrei spielbar sind.

Einen ähnlichen Schritt, der wohl sinkende Relevanz verhindern soll, ging übrigens auch das Ego-Shooter-Urgestein schlechthin: "Counter-Strike: Global Offensive" ist seit Kurzem komplett kostenlos spielbar und hat obendrein einen Battle-Royale-Spielmodus erhalten – weitere "PUBG"-Konkurrenz, wenn auch bisher nicht auf der PS4. Ob sich diese Maßnahmen als erfolgreich erweisen oder nur der hilflose letzte Schritt auf dem Weg nach unten bleiben, muss sich natürlich erst zeigen.

Los, "PUBG"– zeig ein wenig Mut!

Bei "PUBG" sollte dieser Schritt aber vielleicht eher früher als später gemacht werden. Wenn es gut umgesetzt ist, bringt Free-to-play nämlich mitunter mehr Geld ein – die Kollegen von Epic Games' "Fortnite" können das bestätigen und sind beim Launch ihres Battle-Royale-Hits schließlich einen ähnlichen Weg gegangen.

"Playerunknown's Battlegrounds" könnte mit einem Wechsel des Bezahlmodells eigentlich nur gewinnen: Ein Fortschrittssystem, das dem "Fortnite"-Battle-Pass ähnelt und Geld einspielen könnte, ist schon integriert. Ein Shop mit kosmetischen Inhalten war von Anfang an fester Bestandteil von "PUBG". Die Spieler, die bereits für das Game bezahlt haben, lassen sich sicher mit einer gewissen Menge an Ingame-Währung besänftigen.

Viele vom Kaufpreis bisher abgeschreckte Spieler würden sich das Game dann mit Sicherheit endlich einmal ansehen – und die Entwickler könnten sich darauf konzentrieren, das Spiel zu verbessern und weiter zu gestalten. Ganz getreu dem selbst ausgerufenen Motto: "Fix PUBG!"

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