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Warum "The Division 2" mit einer mutigeren Story noch besser wäre

"The Division 2": Was ist das noch mal für eine Fraktion? Ach, egal.
"The Division 2": Was ist das noch mal für eine Fraktion? Ach, egal.

"Tom Clancy's The Division 2" ist ein hervorragender Loot-Shoter von hoher Qualität. Was die Hintergrund-Story angeht, bin ich allerdings enttäuscht: Ubisoft scheut sich davor, in irgendeiner Weise Stellung zu beziehen und belässt es bei stumpfer Militär-Ästhetik. Dabei hätte mehr Substanz das Game noch besser gemacht.

Die Hintergrundgeschichte von "The Division 2" ist, gelinde gesagt, grauenhaft. Ohne zu viel zu verraten (dieser Text ist spoilerfrei, keine Sorge) ist man als Spieler einer der letzten Kämpfer der zerfallenen US-Regierung und sorgt per Waffengewalt für den Tod der politischen Gegner. Natürlich färbt Ubisoft den Konflikt in komfortables Schwarz und Weiß: Du bist der Gute, töte alle Bösen. Nicht mal Satire wird hier als Ausrede vorgeschoben. Ganz offensiv spielt der Publisher die "Hey, ist doch nur ein Videospiel!"-Karte und geht politischen Themen aus dem Weg, während das Spiel mit patriotischen Plattitüden nur so um sich wirft. Vielleicht spielt niemand "The Division 2" wirklich wegen der Story. Auffällig ist der hohle Kern trotzdem.

Ubisoft-Spiele: Brisante Themen und ihr Werbe-Effekt

So muss der Spieler zum Beispiel in einer Mission die Unabhängigkeitserklärung aus dem Staatsarchiv bergen – "als Symbol". Dazu müssen natürlich Unmengen an feindlichen Kämpfern über den Haufen geballert werden, ist ja für einen guten Zweck. Bei der Präsentation von "The Division 2" auf der Spielemesse E3 riefen die Entwickler das Credo "Endgame first!" aus – ganz bestimmt ebenso wenig eine Anspielung auf aktuelle politische Vorlagen, wie eine Fake-Pressemitteilung darüber, dass Mexiko eine Mauer baut, um sich vor Flüchtenden aus den USA zu schützen. Zwinker, zwinker.

Die Ubisoft-Strategie: Mit Politik werben, dann alles abstreiten

Ja, auch Spiele wie "Call of Duty" oder "Apex Legends" sind Shooter ohne tiefgehende Erklärungen ihrer Gewaltorgien. Sie spielen allerdings auch nicht derart offensiv mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Motiven. Bei Ubisoft-Titeln wie "Far Cry 5" (religiöse Fanatiker übernehmen die Kontrolle über die US-Provinz), "Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands" (Spezialkräfte stürzen die Regierung eines Drittweltlandes) und vor allem bei beiden "The Division"-Spielen standen genau diese Querverweise auf die reale Welt für die Bewerbung aber stets im Vordergrund. Sich im gleichen Atemzug hinter der Aussage zu verschanzen, dass Politik in Games schlecht für das Geschäft sei, wie es Ubisoft tut, finde ich etwas feige.

Das Potenzial für Tiefe ist da

Massive Entertainment ist eigentlich wahnsinnig gut darin, immersive Spielwelten zu erschaffen – das war schon im ersten "Division"-Teil so. Überall in "The Division 2" finden sich versteckte Easter Eggs, geheime Räume, Rätsel und Lore-Schnipsel. Wer sich für die Geschehnisse im Hintergrund interessiert, kann sich sogar eine Art Hörspiel-Serie über Amazon Alexa anhören. In gewisser Weise ist es schade um die Handlung von "The Division 2", die Möglichkeiten geboten hätte, das Thema mit Substanz zu behandeln und die Entwickler hätten auch ganz sicher die Kompetenz dazu.

Wegen dieses Know-Hows ist die Backstory von "The Division 2" auch auffällig detailliert. In einem Loot-Shooter wie diesem steht das Gameplay im Vordergrund, das Spiel an sich funktioniert auch mehr oder weniger ohne Kontext. Käme jemand in den Raum, der noch nie etwas von "The Division" gehört hat, während ich gerade einen Kontrollpunkt angreife, könnte ich ihm in zwei Sätzen erklären, was passiert: "Wir sind die Guten, wir müssen die Gangs töten. Dann bekommen wir bessere Ausrüstung, mit der wir stärkere Feinde besser töten können."

Umso überraschender ist es, in der Spielwelt immer neue Lore-Details zu entdecken: Für eine Story, um die niemand gebeten hat, ist die Handlung von "The Division 2" in dieser Hinsicht ziemlich umfangreich.

Trotz toller Spielwelt: Vordergründiger Militär-Humbug zerstört die Immersion

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Böse abknallen, um besseres Loot zu bekommen – um Böse besser abknallen zu können.

Mein Problem mit der absichtlich hohl gehaltenen Story kommt aber nicht nur vom Wunsch nach verantwortungsvollerem Umgang mit politischen Themen. Jedes Mal, wenn die Entwickler in "The Division 2" wieder zu einer bedeutungsschwangeren Andeutung ansetzen, die dann aber doch wieder nur platt abgebügelt wird, geht für mich ein Stück Immersion verloren. "The Division 2" ist ein toller Shooter, in dem Unmengen an potenziellen Spielstunden stecken, und ich freue mich auf jede einzelne davon. Action und Gameplay fesseln so sehr, dass ich die miese Story auch einfach völlig ausblenden kann. Aber gerade weil die Themen da sind, die Spielwelt lebt, New York und Washington brennen, ist es so schade, dass ich nicht noch tiefer in das Drama eintauchen kann.

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