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Wenn Steam und Epic Store sich streiten, gewinnt am Ende Ubisoft

Ubisoft profitiert derzeit am meisten vom Machtkampf zwischen Steam und dem Epic Store.
Ubisoft profitiert derzeit am meisten vom Machtkampf zwischen Steam und dem Epic Store.

Auch "Anno 1800" läuft von Steam zum Epic Store über. Der Gewinner im Plattform-Krieg der digitalen Spiele-Stores heißt derzeit jedoch Ubisoft.

Wenn es ein Unternehmen gibt, dass den PC-Spiele-Markt derzeit so richtig in Aufruhr versetzt, dann ist es Epic Games: Seit der Publisher aus North Carolina im Dezember letzten Jahres seinen eigenen digitalen Store für PC-Games ins Leben gerufen hat, bleibt in der Branche kaum noch ein Stein auf dem anderen. Denn um seine neue Plattform zu pushen und Spieler (und damit potenzielle Kunden) anzulocken, setzt Epic auf etwas, dass es bislang in der PC-Welt so noch nicht gab: Exklusivdeals.

Um gegen die schier unbändige Übermacht von Valve's Gaming-Plattform Steam anzukämpfen, nutzt Epic Games seine dank "Fortnite" gut gefüllte Kriegskasse und lotst Entwickler mitsamt ihrer Spiele von Steam weg in den eigenen Epic Game Store. Dass der Publisher dabei keineswegs zimperlich vorgeht, zeigte Anfang des Jahres der Fall von "Metro Exodus". Nur wenige Wochen vor dem lange geplanten Release des Spiels auf Steam schloss Epic einen Exklusivdeal mit den Entwicklern. Diese stellten den Vorverkauf über Steam daraufhin komplett ein und zogen in den Epic Store um. Dort ist "Metro Exodus" vorerst für mindestens zwölf Monate exklusiv erhältlich.

Epic schnappt Steam nun auch "Anno 1800" weg

Nun ist Epic scheinbar ein weiterer solcher Coup gelungen, denn wie am Freitag bekannt wurde, wechselt auch der lange auf Steam angekündigte Strategie-Blockbuster "Anno 1800" in den Epic Game Store – und das nur gut zwei Wochen vor seinem Release am 16. April. Doch was im ersten Moment nach einem Mega-Deal für Epic aussieht, dürfte in Wahrheit ein richtig gutes Geschäft für Ubisoft sein, den Publisher des Titels.

Genau genommen ist "Anno 1800" nach "The Division 2" bereits der zweite Titel, den Ubisoft von Steam abzieht und stattdessen über den Epic Game Store vertreibt. Wie genau dabei der Deal zwischen Epic Games und Ubisoft aussieht, wissen wir natürlich nicht. Es ist aber anzunehmen, dass die "Fortnite"-Macher dem französischen Publisher ordentlich Geld dafür bieten, zugunsten des Epic Game Store auf die massive Reichweite von Steam zu verzichten.

Ubisoft kann bei Deals mit Epic derzeit nur gewinnen

Tatsächlich ist das Risiko, dass Ubisoft mit einem solchen Geschäft eingeht, für den Publisher relativ gering. Zusätzlich zu Steam und dem Epic Game Store nutzt dieser schließlich schon seit Jahren seine eigene Plattform Uplay, um PC-Spieler an sich zu binden – und natürlich lassen sich auch "The Division 2" und "Anno 1800" über Uplay kaufen und zocken.

Mehr noch: Selbst wenn Kunden ein Ubisoft-Spiel bei Steam oder den Epic Store kaufen, kommen sie um eine Aktivierung des Titels über Uplay nicht herum. Der Publisher nutzt den Vertrieb seiner Spiele auf anderen Plattform deshalb seit jeher, um mehr Kunden zu Uplay zu locken. Einmal da, werden diese dann auch langfristig an die Plattform gebunden. Denn wer neue Spiele regelmäßig über Uplay statt Steam und Co. kauft, erhält üppige Rabatte und Zusatzinhalte.

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Auch "The Division 2" ist nicht auf Steam erschienen – geschadet hat das Ubisoft offenbar nicht.

Steam oder Epic Game Store? Das dürfte Ubisoft relativ egal sein. Beide Plattformen sind für die Franzosen vor allem Rekrutierungsstellen, um Spieler letztlich an Uplay zu binden. Die Aufregung um einen Exklusivdeal mit Epic bringt Ubisoft – neben Geld vermutlich – vor allem Publicity für sein eigenes Spiel. Gamer, die "Anno 1800" nun nicht wie geplant bei Steam erwerben können, werden vermutlich direkt zu Uplay überwechseln und den Epic Store links liegen lassen. Im Falle von "The Division 2" scheint dies laut Angaben des Publishers bereits hervorragend funktioniert zu haben.

Vorbesteller können "Anno 1800" weiterhin über Steam bekommen

Doch wirklich genial ist der "Anno"-Deal mit Epic für Ubisoft vor allem deswegen, weil das Spiel bis zu seinem offiziellen Release am 16. April noch über Steam vorbestellbar bleibt. Heißt im Klartext: Wer "Anno 1800" jetzt bei Steam vorbestellt, kann es ab dem 16. April auch auf der Plattform spielen. Nur neue Käufe werden ab dann nicht mehr über Steam möglich sein.

Das ist zugegeben eine ziemlich clevere Taktik aus Sicht von Ubisoft. Denn damit könnten sich "Anno"-Fans, die den Titel gern in ihre Steam-Bibliothek aufnehmen möchten, nun zu einer Vorbestellung genötigt sehen. Und so könnte Ubisoft tatsächlich ein dreifacher Coup gelingen: Man streicht eine Kompensation von Epic ein, um "Anno 1800" in deren Store zu bringen, man gewinnt gleichzeitig mehr Spieler für die eigene Plattform Uplay und man pusht zusätzlich noch die Vorbestellerzahlen über Steam – besser kann es fast gar nicht laufen.

Auf dem PC tobt ein Plattform-Krieg und Ubisoft kann sich freuen

Eines dürfte in den ersten Monaten des Jahres 2019 klar geworden sein: Der PC-Spielemarkt befindet sich mitten in einem ausgewachsenen Plattform-Krieg. Ob es Epic mit riesigen Investitionen in Exklusivdeals gelingt, sich mittelfristig als Anlaufstelle für Gamer neben Steam zu etablieren, lässt sich bislang noch nicht absehen. Den besten Schnitt bei der Sache scheint bislang jedoch Ubisoft zu machen.

Das sagt Patrick:
Im PC-Spiele-Markt ist derzeit richtig Feuer drin. Leider profitieren wir Gamer bislang fast noch gar nicht vom Wettbewerb zwischen Epic Games, Steam und anderen digitalen Stores. Es sind vielmehr die Entwickler und Publisher, welche die verschiedenen Anbieter geschickt gegeneinander ausspielen, und sich für Exklusiv-Deals sicherlich nicht zu knapp bezahlen lassen. Die besten Karten scheint dabei im Moment Ubisoft zu haben, denn die Franzosen können Partnerschaften mit allen Seiten schmieden und die Spieler landen am Ende doch fast alle früher oder später auf ihrer eigenen Plattform Uplay.
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