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Wichtiger als E3 & Gamescom? Warum den Game Awards die Zukunft gehört

Die Game Awards werden für Fans und Publisher immer wichtiger.
Die Game Awards werden für Fans und Publisher immer wichtiger. (©Twitter / The Game Awards 2018)
Meru Klee Bezeichnet Games als 'durchgespielt' sobald er die Kampagne durch hat – auch "Black Ops 4".

Neuankündigungen, Trailer und exklusive Enthüllungen – die Game Awards haben in den letzten Jahren einen Riesensprung in Sachen Relevanz gemacht. Was bringt Publisher und Entwickler dazu, dieser Veranstaltung, deren Preisverleihung im Grunde unwichtig ist, wachsende Beachtung zu schenken? Und was bedeutet das für uns Fans – und für Veranstaltungen wie die E3 oder die Gamescom?

Auf den Game Awards 2018 wurden aufregende Neuigkeiten für Spiele-Fans enthüllt: Ubisoft stellte mit "Far Cry: New Dawn" überraschend einen neuen Teil seines wichtigen Franchises vor, Activision zog ein Remaster von "Crash Team Racing" aus dem Hut. EA's Studio BioWare zeigte einen Teaser zum nächsten "Dragon Age", die ursprünglichen "Fallout"-Schöpfer Obsidian Entertainment präsentierten mit "The Outer Worlds" ein völlig neues Game. Und das war nur die Spitze des Eisberges: Dutzende neue Trailer wurden der Weltöffentlichkeit in Los Angeles per Livestream präsentiert.

Dabei sind die Game Awards selbstverständlich nicht das erste Event in diesem Jahr, bei dem Spiele-Fans mit Enthüllungen beschenkt werden: Die Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles etwa ist seit Jahren die Leitmesse der Videospiel-Industrie. Jeden Juni präsentieren Publisher und Entwickler dort ihre Neuheiten und enthüllen erste Eindrücke von kommenden Spielen. Dort gibt es im Rahmen einer echten Messe zudem Anspielmöglichkeiten auf dem Show-Floor, seit einigen Jahren auch für öffentliches Publikum.

Sind die Game Awards also einfach eine weitere Gelegenheit für die Spieleindustrie, Neuankündigungen zu zeigen? Oder beobachten wir hier eine ganz andere Entwicklung? Schließlich gibt es mit der Gamescom in Köln, der Paris Games Week oder der Tokio Game Show im Grunde genügend Messen, auf denen neue Spiele präsentiert werden könnten.

Die E3 wird immer unwichtiger – woran liegt's?

Fakt ist: Seit Jahren muss die E3 abwandernde Aussteller verkraften – Microsoft und EA etwa sind längst nicht mehr wirklich auf der Messe vertreten, sondern veranstalten ihre Pressekonferenzen in räumlicher Nähe zum Gelände, aber kurz vor dem Beginn der eigentlichen E3. Nintendo veröffentlicht seine Ankündigungen sogar nur noch als vorproduzierte Video-Livestreams, zuletzt hat auch noch Sony die Teilnahme im nächsten Jahr abgesagt.

Die Gründe dafür liegen nahe: Eine aufwändige Präsentation mit zweistündiger Show, wie sie zum Beispiel das Xbox-Team zur letzten E3 zeigte, ist ein organisatorischer Kraftakt, auch wenn – oder gerade weil – die großen Unternehmen viel Zeit und Aufwand investieren, um in einer kurzen und pointierten Show die wichtigsten Neuigkeiten für die kommenden Monate vorzuführen.

Danach nimmt die Fachpresse (uns eingeschlossen) dann in der Regel das Gezeigte auseinander und entscheidet öffentlich darüber, wer die E3 im jeweiligen Jahr "verloren" oder "gewonnen" hat. Die Bedeutung der Messe, auf die Gamer monatelang hinfiebern, wird damit künstlich überhöht – und für die PR-Abteilungen der Publisher ist das jährliche Brimborium sicher nicht immer ein Segen.

Niedergang der Messen? Die Gaming-Welt hat sich stark verändert

Parallel verändert sich die Gaming-Welt rasant: Anstatt Zeit und Geld zu opfern, um nach stundenlangem Anstehen für wenige Minuten ein unfertiges Spiel auf einer überfüllten Messe zocken zu dürfen, schauen viele Fans nun gemütlich von Zuhause aus zu, wenn vertraute Streamer oder Let's-Play-Youtuber ein Game spielen. Die erhalten daher mittlerweile oft früheren Zugriff auf neue Titel.

Neue Trailer haben sich dazu – berechtigt oder nicht – zum wichtigsten Vehikel einer Spiele-Enthüllung entwickelt. Auch diese Videos lassen sich viel gemütlicher abseits einer Spiele-Messe genießen oder mit Freunden über soziale Medien diskutieren und teilen.

Events wie die Game Awards, die von Moderator und Spielejournalist Geoff Keighley seit 2014 jährlich veranstaltet werden, sind also aus Sicht des Trailer-Publikums deutlich angenehmer als eine über mehrere Tage gezogene Messe.

Auch für die Publisher sind sie eine bessere Möglichkeit der Präsentation: Anstatt eine vollständige Show füllen zu müssen, kann ein Unternehmen ganz bequem einen neuen Trailer im prominenten Umfeld der Award-Show "Premiere" feiern lassen und bei Bedarf auch noch etwas mehr beisteuern. Sollte es in einem Jahr mal nur wenig Vorzeigbares geben, fällt es auch kaum ins Gewicht, wenn man den Awards fern bleibt – im Gegensatz zu einem öffentlichen Rückzug von einer der großen Messen.

Der Preis ist alles andere als heiß – wie lange hält die E3 noch durch?

Es überrascht daher auch wenig, dass die Game Awards von den großen Publishern organisatorisch und finanziell unterstützt werden – hier liegen sich sogar die Konkurrenten von Xbox und Sony PlayStation brüderlich in den Armen.

Die eigentliche Preisverleihung ist dagegen eher kosmetischer Natur: Ob nun "God of War" den Titel des besten Spieles 2018 anstelle von etwa "Red Dead Redemption 2" einheimst, ist schließlich eher nebensächlich – Keighleys ausgewiesenes Ziel für die Game Awards lautet daher auch, allgemein "die Gaming-Industrie zu zelebrieren".

Messen wie die E3 und die Gamescom werden in den nächsten Jahren möglicherweise noch mehr zum reinen Treffpunkt der Gaming-Szene und zum Ausflugsziel für Fans, die neue Spiele nicht nur sehen, sondern auch anzocken wollen. Wer bloß auf Trailer und Ankündigungen aus ist, richtet seine Aufmerksamkeit aber vermutlich immer weniger auf die großen Messen und immer mehr auf kleinere Branchen-Events – wie die Game Awards.

Meru Klee Bezeichnet Games als 'durchgespielt' sobald er die Kampagne durch hat – auch "Black Ops 4".
Das sagt Meru:
Ich fliege nicht jedes Jahr zur E3 nach Los Angeles und bin es daher eh gewohnt, Neuheiten erst mit einiger Verzögerung spielen zu dürfen. Eine deutlich kompaktere Show im Rahmen der Game Awards finde ich daher ressourcensparend und gut!
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