Wie eine Mod den Launch von "Kingdom Come: Deliverance" gerettet hat

"Kingdom Come: Deliverance" erhält großzügige Schützenhilfe aus der Modding-Community.
"Kingdom Come: Deliverance" erhält großzügige Schützenhilfe aus der Modding-Community. (©Warhorse Studios 2017)
Patrick Schulze Fragt sich, wann VR-Brillen endlich so massentauglich werden wie in "Ready Player One".

Mit "Kingdom Come: Deliverance" hat der Indie-Entwickler Warhorse Studios eines der ambitioniertesten und interessantesten Rollenspiele der letzten Jahre veröffentlicht – jedoch mit einigen technischen Schwächen. Letztlich war es die Modding-Community, die den Launch des Spiels rettete. 

Eigentlich dürfte ich "Kingdom Come: Deliverance" gar nicht mögen. Das Mittelalter-Rollenspiel präsentiert mir zwar eine hervorragende Atmosphäre, inszeniert eine glaubwürdige und liebevoll designte Spielwelt, punktet mit interessanten Quests und lässt mich stundenlang großartige Abenteuer erleben.

Das alles wird jedoch beinahe völlig ruiniert, wenn immer wieder nervige Bugs und Questfehler auftreten und ich dank der nicht vorhandenen Möglichkeit zum manuellen Zwischenspeichern um Stunden meines Spielfortschritts gebracht werde.

Zahlreiche Bugs zwingen zum erneuten Laden des Spielstandes

Nein, die Release-Version des ambitionierten Rollenspiels ist wahrlich alles andere als perfekt und wirkt nicht wirklich so, als hätten die Entwickler genügend Zeit in das Feintuning von Grafik, Physik und Spielmechanik stecken können.

Immer wieder kam es in meinen mehrstündigen Spielesessions vor, dass irgendein Clipping-Fehler oder eine verbuggter NPC das Spielgeschehen ruiniert haben. Normalerweise hätte ich in solchen Fällen dann einfach einen älteren Spielstand geladen und die bestehende Passage noch einmal gespielt – aber genau das ist in "Kingdom Come: Deliverance" nicht vorgesehen. Eigentlich.

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Bugs wie die unsichtbare Brücke vor mir kommen immer wieder vor in "Kingdom Come: Deliverance". (©Screenshot Deep Silver/TURN ON 2018)

Das Speichersystem: Gut gedacht, schlecht gemacht

Das automatische Speichersystem sichert den Spielstand nämlich nur an einigen wenigen Schlüsselstellen in der Story. Wann genau, das ist für den Spieler jedoch nicht unbedingt erkennbar. Manuelles Speichern ist hingegen nur mithilfe spezieller In-Game-Items namens "Retterschnaps" möglich, die zudem auch noch sehr selten sind. In der Spielpraxis bedeutet dies, dass man als Spieler teilweise stundenlang spielen muss, bevor man die Möglichkeit zum erneuten Sichern des Spielstandes bekommt.

Das Speichersystem im Detail
"Kingdom Come: Deliverance" bietet ein zweigeteiltes Speichersystem auf Autosaves und einem beschränkten manuellen Mechanismus. Wie genau sich der Spielstand in dem Rollenspiel sichern lässt, erfährst Du in unserem Ratgeber.

Den Grund, warum sich die Entwickler für dieses rigide Speichersystem entschieden haben, kann ich dabei sogar noch gut nachvollziehen: Sie möchten erreichen, dass ich als Spieler einmal im Spiel getroffene Entscheidungen nicht mehr so leicht rückgängig machen kann, indem ich einfach einen vorherigen Spielstand lade – eben weil ich dadurch mehrere Stunden an Spielfortschritt verlieren würde. Auf diese Weise soll ich gezwungen werden, mit meinen Entscheidungen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen zu leben und umzugehen.

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Das Speichern ist in "Kingdom Come: Deliverance" nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. (©TURN ON/Warhorse Studios 2018)

Das klingt nach einem frischen und sympathischen Ansatz, der den Aktionen, die man als Spieler ausführt, eine echte Bedeutung innerhalb der Spielwelt gibt. Es zeigt auch, dass die Entwickler die Bezeichnung "Rollenspiel" wirklich ernst nehmen wollten.

Dank der schon erwähnten Bugs und Glitches mutierte dieses System für mich während des Spielens teilweise zu einem echten Albtraum. Tatsächlich waren es nämlich oftmals nicht meine eigenen Entscheidungen, mit denen ich haderte, sondern Questfehler und NPC-Bugs, die dafür sorgten, dass sich einige Aufgaben nicht abschließen konnte. Teilweise gingen so dann am Ende doch Stunden an Spielfortschritt und tolle Erlebnissen verloren, weil ich einfach gezwungen war, wegen eines Programmierfehlers das letzte Save-Game erneut zu laden.

Warum ich „Kingdom Come: Deliverance” dennoch mag

Wie eingangs schon geschrieben, müsste "Kingdom Come: Deliverance" wegen dieser Designentscheidung für mich eigentlich unspielbar sein. Dass dies nicht so ist, liegt zu einem Großteil an der wirklich hervorragenden Modding-Community, die bereits am Release-Tag damit begonnen hat, die teilweise schwerwiegenden Fehler der Entwickler auszubügeln.

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Die Mod "Unlimited Saving" hat "Kingdom Come: Deliverance" für mich gerettet. (©Screenshot Nexus Mods/TURN ON 2018)

Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle dem Hobby-Programmierer EddieShoe aussprechen, der noch am Tag des Releases einen Mod veröffentlicht hat, mit dem sich das Spiel unbegrenzt manuell speichern lässt. Es war der dieser Mod mit dem Namen "Unlimited Saving", der mich davor bewahrt hat, "Kingdom Come: Deliverance" wieder von meiner Festplatte zu kicken.

Wenn Modder ein Spiel retten

Für mich persönlich hat ein Modder mit einer einzigen 2-Kilobyte-großen Datei damit ganz offiziell ein komplettes Spiel gerettet. Und allein die knapp 150.000 Downloads (Stand: 22. Februar) auf der Plattform Nexus Mods  legen nahe, dass es vielen anderen Gamern ähnlich gehen mag. Dass das Speichersystem des Spiels in seiner aktuellen Form nicht optimal ist, haben mittlerweile übrigens auch die Entwickler selbst erkannt und für die nächsten Wochen einen offiziellen Patch angekündigt.

Selbstverständlich ist "Unlimited Saving" nur einer von vielen Mods, die bislang für die PC-Version von "Kingdom Come: Deliverance" erschienen sind und soll hier deshalb auch stellvertretend für viele andere gute Modifikationen stehen. Überhaupt ist es nicht das erste Mal, dass Modder ein gnadenlos verbuggtes Spiel so weit reparieren, dass es für einen Großteil der Gamer wieder zu einem Genuss wird. Ein Beispiel aus dem letzten Jahr ist beispielsweise das japanische Actionspiel "Nier Automata", dessen Framerate-Probleme am PC nur dank eines Zusatzprogramms aus der Community behoben werden konnten. Der Fall von "Kingdom Come: Deliverance" hat mir jedoch wie kein anderer zuvor verdeutlicht, welche zentrale Rolle Mods für ein Spiel haben können. Nur eine einzige kleine Datei war nötig, damit ich das riesige Rollenspiel in vollen Zügen genießen konnte.

Speicher-Mod gibt "Kingdom Come: Deliverance" eine zweite Chance

Habe ich nun ein schlechtes Gewissen, weil ich das Spiel nun nicht so spiele, wie es die Vision der Macher vorsieht? Nein: Die zahlreichen ärgerlichen Fehler rechtfertigen die Speicher-Mod für mich allemal und wer ein Spiel in diesem Zustand veröffentlicht, muss mit "Konsequenzen" dieser Art nach einfach leben. Außerdem: Hätte es die Mod nicht gegeben, wäre das Spiel für mich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein kompletter Reinfall geworden. So hat es immerhin die Chance bekommen, mich von seinen Qualitäten zu überzeugen.

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