Meinung

Wie HDR mich davon überzeugte, dass 4K-UHD-TVs doch kein Quatsch sind

Sind 4K-UHD-HDR-Fernseher nur ein Marketing-Gag?
Sind 4K-UHD-HDR-Fernseher nur ein Marketing-Gag? (©Sergey Ryzhov / Adobe Stock 2018)

Vor allem die Hersteller wollen, dass wir uns alle paar Jahre einen neuen Fernseher kaufen. Doch wie revolutionär sind Technologien wie 4K oder HDR im Heimgebrauch wirklich? Für mich war das alles nur Marketing – bis mich aktuelle Games von HDR überzeugt haben. Mittlerweile kann ich mir den Schritt zurück nicht mehr vorstellen.

Ich bin in Sachen neuer Technik weiß Gott nicht das, was man einen Early-Adopter nennt – also jemand, der die neuesten Trends immer als Erster haben muss. Tatsächlich stehe ich vielen Neuentwicklungen in der Unterhaltungselektronik immer erst einmal skeptisch gegenüber. Virtual-Reality-Gaming zum Beispiel ist für mich eine nette Idee, aber bisher nicht viel mehr als ein witziges Gadget. Dementsprechend desinteressiert war ich, als 4K-UHD als "das nächste große Ding" die Runde machte.

Mich erinnerte der Werbe-Hype zu Ultra High Definition zunächst stark an den gescheiterten Boom von 3D-Fernsehen. Damals wurden sogar kurzzeitig einige Bundesliga-Spiele dreidimensional übertragen, mittlerweile kräht kein Hahn mehr nach dem Heimgebrauch von 3D-Technologie. Dass eine besonders hohe Anzahl an Pixeln auf dem Bildschirm mir einen langfristigen Mehrwert bieten sollte, hielt ich als Besitzer eines soliden Full-HD-Geräts daher erst einmal für fragwürdig.

UHD – bringt das was? Erst aktuelle Games machten mich neugierig

 Zum Release der PS4 Pro demonstrierte Sony mir die HDR-Fähigkeiten der Konsole. fullscreen
Zum Release der PS4 Pro demonstrierte Sony mir die HDR-Fähigkeiten der Konsole. (©TURN ON 2016)

Die Tatsache, dass ich meinen Fernseher mittlerweile mehr als Bildschirm für Spielkonsole und für Streaming-Dienste statt fürs traditionelle Fernsehen nutze, setzte aber ein Umdenken in Gang. Ob eine Konsole wirklich "echtes" 4K liefert, erscheint mir zwar bis heute albern – denn für mich zählt die subjektive Wahrnehmung. Mein Geldbeutel ließe es ohnehin nicht zu, einen so großen Fernseher in mein Wohnzimmer zu hängen, dass auf der einige Meter weit entfernten Couch Pixel noch zählbar zu erkennen sind.

Das entscheidende Argument für einen moderneren Bildschirm hatte dann aber auch gar nichts mit der eigentlichen Auflösung zu tun. Stattdessen hat mich mit HDR (High Dynamic Range) letztlich ein Zusatzfeature aktueller TV-Geräte davon überzeugt, einen neuen Fernseher zu kaufen. Und gäbe es günstige Geräte, die HDR mitbringen, aber dafür auf 4K-Auflösung verzichten, hätte ich wohl tatsächlich zugegriffen. Im Handel ist das Paket 4K-UHD inklusive HDR jedoch mittlerweile Standard – und HDR nicht ohne 4K zu haben.

HDR klingt wie Marketing-Sprech, sieht aber toll aus

Der Mehrwert, den das Hochkontrastbild durch HDR mir bringt, klang für mich zuerst nach reinstem Marketing-Sprech: Der höhere Dynamikumfang bringt deutlich mehr Farben und ein lebendigeres Bild – klingt toll, aber braucht man das? Nun ja, "brauchen" ist eine Sache, aber die optische Verbesserung, die mir dadurch vor allem in Sachen Games geboten wird, hat mich dann doch umgehauen: Für Spiele wie "Horizon: Zero Dawn" und zuletzt "God of War" empfehle ich mittlerweile unbedingt einen HDR-Bildschirm.

Das Bild wirkt durch den tieferen Farbraum tatsächlich lebensechter – vor allem Waldlandschaften in Videospielen, in denen Licht und Schatten nah beieinander liegen und in denen etwa die Sonne durch das Blätterdach lugt, sehen einfach atemberaubend aus. Der Unterschied zum herkömmlichen Bild erscheint mir im direkten Vergleich gigantisch.

Bei Streaming-Diensten wie Netflix oder Amazon Prime, die auch HDR-Inhalte im Angebot haben, fällt mir das Feature dagegen nicht ganz so deutlich auf. Jedoch kommt es wohl in erster Linie darauf an, inwieweit die Macher hinter Spiel, Serie oder Film HDR schon während des kreativen Prozesses im Hinterkopf haben.

Schneller, höher, schärfer: Spieleentwickler treiben Technologien voran

Mir persönlich ist es wichtig, das jeweilige Werk nach Möglichkeit in der Form zu sehen, die der Idee des jeweiligen Schöpfers am nächsten kommt. Das gilt auch im Kino: Hat ein Regisseur seinen Kinofilm als 3D-Erlebnis konzipiert oder wurden die entsprechenden Effekte im Nachhinein nur als Gimmick hinzugefügt? Ich habe den Eindruck, dass Spiele-Entwickler hier oft näher am Puls der Zeit liegen und vor allem mit Exklusivtiteln wie "God of War" die aktuelle Technologie der Konsolen ausreizen wollen.

 Optisch ist "God of War" ein reiner Augenschmaus. fullscreen
Optisch ist "God of War" ein reiner Augenschmaus. (©Screenshot TURN ON 2018)

Der Schritt zum 4K-HDR-Fernseher war für mich gefühlt ähnlich groß wie beim Anschauen meines ersten HD-Fußballspiels im Fernsehen – der Unterschied war enorm, und das, obwohl ich alles andere als ein Pixel-Zähler bin. Aber der Aha-Effekt wird diesmal ja auch weniger von der Anzahl der Pixel als vom Bild selbst ausgelöst.

Denn das Gesamtbild macht's: Für mich zahlen in das Erlebnis vor allem der künstlerische Wert der Grafik und schöne, flüssige Animationen ein. Zum Glück bieten viele aktuelle Spiele einen Performance-Modus, der zugunsten von Leistung auf die hohe Auflösung verzichtet – denn anders als HDR interessiert die mich kaum.

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