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Wie ich auszog, (fast) tote Battle-Royale-Games auszuprobieren

"Radical Heights" war ein besonders kurzlebiges Battle-Royale-Game.
"Radical Heights" war ein besonders kurzlebiges Battle-Royale-Game.

Der Überraschungserfolg von "Apex Legends" hat gezeigt: Battle Royale ist nach wie vor quicklebendig! Für unzählige Genrevertreter, die in den vergangenen Monaten ein Stück vom Kuchen abhaben wollten, gilt das allerdings nicht. Einige der Battle-Royale-Flops kann man heute trotzdem noch spielen – ich habe reingezockt.

100 Spieler, eine Arena, Kampf bis zum letzten Überlebenden – mit dieser Formel schaffte "Playerunknown's Battlegrounds" 2017 den Durchbruch. "Fortnite" zog wenig später nach und wurde zum globalen Phänomen. Und spätestens ab da wollte jedes Studio den nächsten Hit im noch jungen Battle-Royale-Genre landen.

Unzählige Survival-Shooter nach demselben Prinzip kamen in den vergangenen zwei Jahren auf den Markt und die meisten sind heute längst tot. Erfolge wie der jüngste Neuzugang "Apex Legends" sind mehr die Ausnahme als die Regel. Die Battle-Royale-Landschaft ähnelt vielmehr ihrem eigenen Spielprinzip: Einige wenige überleben, die meisten gehen drauf.

"Apex Legends" konnte das Battle-Royale-Jahr 2019 mit einem Knall einläuten. fullscreen
"Apex Legends" konnte das Battle-Royale-Jahr 2019 mit einem Knall einläuten.

Die Reste des Battle-Royale-Hypes: Wie tot ist tot?

Doch wo ein Abschuss in "PUBG" und Co. das Rundenende bedeutet, verschwinden tote Spiele nur in den Untiefen des Spieleangebots bei Steam. Sie sind nicht weg – es spielt sie nur kaum jemand mehr. Ich wollte wissen: Kann man ein Battle Royale mit einstelliger Spielerzahl überhaupt noch starten? Was passiert da? Gibt es Games, die von einer Handvoll treuen Fans am Leben erhalten werden? Und: Werde ich auf Perlen stoßen, die ganz zu Unrecht untergegangen sind?

Experimente am lebenden (?) Objekt

Für mein Experiment habe ich mir zwei Regeln gesetzt. Die erste: Was ein "gescheitertes" Spiel ist, bestimme ich! Mithilfe des "Battle Royale"-Tags bei Steam und der Website Steamcharts habe ich mir eine Handvoll Games mit durchschnittlichen Spielerzahlen zwischen 0 und ungefähr 100 Spielern gesucht. Für ein Standard-Battle-Royale braucht es schließlich 100 Mitstreiter und wenn die nicht zusammenkommen – was dann?

Last Game Standing? "PUBG" hat den Battle-Royale-Hype überlebt – und ist damit besser dran als viele andere Spiele. fullscreen
Last Game Standing? "PUBG" hat den Battle-Royale-Hype überlebt – und ist damit besser dran als viele andere Spiele.

Dazu gesellen sich ein paar persönliche Favoriten, denen es zum Release und kurz danach mal gut ging, die ich dann aber aus den Augen verloren habe – und die nun auch mit einem Publikum knapp über dem Existenzminimum hantieren müssen.

Die zweite Regel: Alle Testobjekte sind kostenlos spielbar. Ich bin zwar neugierig, aber alles hat seine Grenzen. Ausnahme: Das 20-Euro-MOBA "Battlerite Royale" lag noch bei mir rum und sieht in Sachen Spielerzahlen auch nicht mehr so gesund aus – also kommt es mit.

Startklar? Dann los! Endlose Matchmaking-Warteschlangen harren meiner! Ich stell mich dann mal an ...

"Zeus Battlegrounds"

  • Durchschnittliche Spielerzahl in den letzten 30 Tagen: 3,2
  • Maximale Spieler gesamt: 695

"Zeus Battlegrounds" verfrachtet Battle Royale in die Antike und ehrlich gesagt habe ich schon zum Release anhand der fragwürdigen Grafik erahnt, dass das kein Hit wird. Ausprobieren wollte ich es trotzdem und es ist wohl Schicksal, dass es nun zum recht traurigen Anlass dieses Artikels erstmals dazu kam.

In ein Match habe ich es leider trotz ausgiebigem Rumlungern in der Warteschlange nicht geschafft. Dafür hatte ich großen Spaß mit der deutschen Lokalisierung: Alle Texte wurden offenbar direkt per Google Translate aus dem Polnischen übersetzt, was unfreiwillig komisch ist. Allein dafür kann ich "Zeus Battlegrounds" empfehlen!

So richtig Lust auf "Zeus Battlegrounds" macht der Lobby-Bildschirm nicht ... fullscreen
So richtig Lust auf "Zeus Battlegrounds" macht der Lobby-Bildschirm nicht ...

"The Culling"

  • Durchschnittliche Spielerzahl in den letzten 30 Tagen: 27,9
  • Maximale Spieler gesamt: 12.622

"The Culling" machte schon Battle Royale, als "PUBG" noch keiner kannte. Über 12000 Spieler hatte das Game zeitweise – im Jahr 2016. Jetzt schafft es mit Glück mehr als 30. Es lebt aber, im Gegensatz zum direkt nach dem Launch wieder abgeschalteten Sequel "The Culling 2", immerhin noch: Für eine Runde braucht es nur 16 Teilnehmer, weshalb ich mir zumindest ein paar Hoffnungen machte.

Aber Pustekuchen: Die meiste Zeit blieb ich allein im Matchmaking-Bildschirm. Ganz selten gesellte sich ein zweiter wartender Spieler dazu, verschwand aber bald wieder. Immerhin: Das Tutorial konnte ich zocken – aber sonderlich spaßig war's da nicht. Nächster!

Keine Spieler in der Warteschlange, aber Items verkaufen wollen – das hat Klasse. fullscreen
Keine Spieler in der Warteschlange, aber Items verkaufen wollen – das hat Klasse.

"Radical Heights"

  • Durchschnittliche Spielerzahl in den letzten 30 Tagen: 4,3
  • Maximale Spieler gesamt: 12.314

Ach, "Radical Heights"! Irgendwie mochte ich das schräge Eighties-Gameshow-Flair des Spiels, das 2018 als letzter verzweifelter Rettungsversuch von Cliff Bleszinskis Studio BossKey veröffentlicht wurde. So schnell, wie der offensichtliche Cash-Grab erschienen war, verschwand er aber auch wieder.

Ich schaffte es bei meinem Experiment nicht einmal bis in die Lobby – denn die Server sind komplett abgeschaltet. Schade: Ich hätte mich gern noch mal auf eins dieser physikalisch völlig kaputten BMX-Bikes gesetzt. (Keine Ahnung übrigens, wie die aktuellen Steamcharts-Zahlen hier zustande kommen ...)

Ruhe in Frieden, "Radical Heights". fullscreen
Ruhe in Frieden, "Radical Heights".

"Outworld Battlegrounds"

  • Durchschnittliche Spielerzahl in den letzten 30 Tagen: 0,7
  • Maximale Spieler gesamt: 11

Ein Zufallsfund, von dem ich gar nichts erwartet hatte – denn der Spieler-Zähler von "Outworld Batlegrounds" steht quasi konstant bei Null. Umso überraschter war ich, als ich tatsächlich regelmäßig Matches fand! Als Top-Down-Shooter in Retro-Optik hat das Game ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, allerdings fühlt es sich insgesamt ein wenig träge und gewöhnungsbedürftig an.

Nicht gerade das nächste "Fortnite", aber mal was anderes und wer ein Herz für Indie-Spiele hat, darf reinschauen. "Outworld Battlegrounds" ist offensichtlich noch nicht ganz tot – kann aber jeden Spieler und jede Spielerin dringend gebrauchen.

"Islands of Nyne"

  • Durchschnittliche Spielerzahl in den letzten 30 Tagen: 67,2
  • Maximale Spieler gesamt: 9.277

Einst im Fahrwasser von "PUBG" relativ groß gehypt, ist "Islands of Nyne" mittlerweile offiziell Geschichte: Im Dezember 2018 verkündeten die Entwickler des Sci-Fi-Battle-Royales, dass die Entwicklung ein- und das Spiel auf free-to-play umgestellt wird. Kurzzeitig waren danach über 9000 Spieler an Bord, die sind aber alle wieder verschwunden: Auf keinem der fünf internationalen Server fand ich ein Match, immerhin konnte ich kurz in der spielbaren Warte-Lobby rumlaufen. Ist schick – aber eben auch tot.

Dieser Screenshot ist alles, was ich an Gameplay-Eindrücken zu "Islands of Nyne" vorweisen kann. fullscreen
Dieser Screenshot ist alles, was ich an Gameplay-Eindrücken zu "Islands of Nyne" vorweisen kann.

"Battlerite Royale"

  • Durchschnittliche Spielerzahl in den letzten 30 Tagen: 124,5
  • Maximale Spieler gesamt: 9.355

Der einzige Kandidat mit Kaufpreis ist zugleich einer der interessanteren: "Battlerite Royale" versucht es mit einem MOBA-Twist, den dazugehörigen Helden mit einzigartigen Fähigkeiten und Iso-Perspektive. Von Höhenflügen ist das Game weit entfernt, doch immerhin hat es offenbar eine treue Community, die es am Leben erhält. Ich kam jedenfalls nach maximal fünf Minuten Wartezeit immer in Matches. Ob das so bleibt, steht aber in den Sternen: Die Steam-Bewertungen stimmen äußerst pessimistisch, was die zu erwartende Lebenszeit angeht. Vielleicht hilft es ja, auf free-to-play umzustellen?

Bei "Battlerite Royale" geht's noch rund – nicht nur in der Lobby. fullscreen
Bei "Battlerite Royale" geht's noch rund – nicht nur in der Lobby.

"Darwin Project"

  • Durchschnittliche Spielerzahl in den letzten 30 Tagen: 161,1
  • Maximale Spieler gesamt: 12.513

Von allen Battle-Royale-Spielen auf dem Markt hat "Darwin Project" meiner Meinung nach die interessanteste Prämisse. Zehn Spieler kämpfen in jeder Runde ums Überleben, müssen Waffen und Ausrüstung craften und gegen andere Spieler sowie eisige Kälte bestehen. Ein elfter Teilnehmer übernimmt die Rolle des Spielleiters und kann direkt ins Geschehen eingreifen, Spieler bevorzugen oder ihnen Steine in den Weg legen. Hauptsache, er bietet eine gute Show!

Leider hat das Game längst nicht mehr die Spielerzahlen, die es zu Hochzeiten mal hatte, tot ist es aber auch noch nicht. Auf Matches musste ich ein paar Minuten warten – dafür hatte ich sogar einige richtig motivierte Spielleiter.

Fazit: Scheintot bei Steam

"Darwin Project" scheint es seinem Spielprinzip gleichzutun und aus wenigem das Beste zu machen. Das ist vielleicht die freudigste Erkenntnis, die mir mein kleines Experiment gebracht hat. Ansonsten bin ich nun immerhin um die Einsicht reicher, dass viele "tote" Games zumindest theoretisch noch spielbar sind. "Radical Heights" teilte mir als einziges getestetes Spiel mit, dass die Server schlicht abgestellt wurden. Mit einer großen, begeisterten Discord-Gruppe ließe sich also möglicherweise manches Spiel zumindest zeitweise "beleben".

Ob sich das fürs Gameplay dann auch lohnt, steht aber auf einem anderen Blatt. Einen absoluten Überraschungshit, dem ich den Erfolg mehr gönne als ausgereiften Games wie "Fortnite" oder "Apex Legends", habe ich jedenfalls nicht entdeckt. Aber: Steam ist groß – und vielleicht habe ich nicht tief genug gebuddelt.

Das sagt David:
Einer Discord-Gruppe zur Rettung sterbender Multiplayer-Spiele würde ich jetzt nicht direkt beitreten. Aber: Wenn Du Empfehlungen für richtig gute Battle-Royale-Games hast, die es tragischerweise nicht geschafft haben, nehme ich sie in den Kommentaren gern entgegen!
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