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"Wolfenstein"-Macher über Stadia & Co.: "Cloud wird Spiele verändern"

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"Wolfenstein Youngblood" erscheint auch für Google Stadia.

Durch Cloud-Gaming werden große Blockbuster-Games künftig auch auf Smartphones spielbar. Kann das überhaupt gehen? Wer sich schon auf dem großen TV über zu kleine Schrift oder Mini-Icons auf einer Map ärgert, wird seine Zweifel haben. Ich habe mit Andreas Öjerfors, dem leitenden Entwickler von "Wolfenstein: Youngblood", über die Herausforderungen gesprochen, die Cloud-Technologie an Game-Designer stellt.

Es ist laut und eng auf der Gamescom 2019, trotzdem wirkt Andreas Öjerfors von Machine Games gut gelaunt. Als Lead Game Designer hat er entscheidend an Spielen wie "Wolfenstein Youngblood" mitgearbeitet, der Messestress scheint an ihm abzuperlen. In meinem Interview mit dem Schweden geht es um Cloud-Gaming und darum, welche Auswirkungen es auf seine Arbeit haben könnte, wenn Google Stadia & Co. seine Spiele zukünftig auf mächtigen Servern berechnen und sie über das Internet zu den Spielern streamen.

Umbruch durch Cloud-Gaming?

Viele Spieler sind von dieser Idee bislang wenig begeistert – nur etwa 10 Prozent interessieren sich angeblich für die neue Technologie, die von der Industrie zurzeit forciert wird. Öjerfors dagegen ist fasziniert von den Möglichkeiten, die Cloud-Gaming in den nächsten Jahren bieten könnte: "Das wird Spiele auf eine Art verändern, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können. Ich glaube, das wird neue Möglichkeiten für Gameplay eröffnen und neue Multiplayer-Erlebnisse ermöglichen, die es bisher nicht gab. Wie das alles genau funktionieren wird, ist bisher noch rätselhaft. Aber das Ganze ist wirklich interessant."

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Andreas Öjerfors, Lead Game Designer bei Machine Games.

Zusätzliche Rechenleistung bringt Spieler näher an die Vision der Macher heran

Die Berechnung von aufwändigen Blockbuster-Games auf Cloud-Servern, ohne Limitierung durch lokale Hardware, reißt für den Entwickler Grenzen nieder. Ebenso soll es möglich werden, einem Streamer auf YouTube beim Spielen zuzusehen und dann mit einem Klick selbst an den Punkt im Game zu springen, der gerade zu sehen war. Ideen wie diese werden die Art und Weise, wie Spiele zukünftig konzeptioniert und entwickelt werden, verändern.

Wie die neue Konsolengeneration, die 2020 auf den Markt kommt, wird auch Stadia den Entwicklern bald deutlich mehr Rechenleistung zur Verfügung stellen: "Wenn Du Dir ein neues Spiel ausdenkst, dauert es etwa eine Minute, bis Dir klar wird: Okay – das kann man nicht machen, weil es zu viel Speicher frisst oder das kann die CPU  nicht leisten, und so weiter. Die Hardware begrenzt vieles, was man mit Games tun kann. Je mächtiger sie also wird, desto weniger Barrieren gibt es für uns. Ich hoffe, dass die neuen Konsolen und Dienste wie Stadia uns helfen, näher an die Ideen zu kommen, die in unseren Köpfen sind", so Öjerfors.

Vom 70-Zoll-TV aufs iPhone und zurück

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Hier ohne UI-Elemente: Google Stadia.

Spiele-Publisher erhoffen sich von Cloud-Gaming auch Zugang zu neuen Zielgruppen: AAA-Titel können dann auch auf Mobilgeräten wie Tablets und Smartphones gespielt werden – gestreamt aus der Cloud. Die Hersteller wollen so auch Spieler erreichen, die sich niemals eine teure Konsole oder gar einen Gaming-PC kaufen würden, aber trotzdem mal ausprobieren möchten, ob "Doom Eternal" ähnlich viel Spaß bringt wie "Candy Crush".

"Wenn wir unsere Spiele auf diese Plattformen [wie Stadia] bringen wollen, müssen wir uns mit Dingen wie der Skalierung von Nutzer-Interfaces beschäftigen", so Öjerfors. "Ein 'Wolfenstein'-Spiel wird auf dem Smartphone ganz andere Anforderungen daran stellen, wie wir dem Spieler Informationen mitteilen, als auf einem 70-Zoll-Fernseher. Das ist auf jeden Fall etwas, mit dem wir uns beschäftigen müssen."

Wie Sony und Microsoft Videospiele für uns verbessert haben

Dabei sind die Entwickler laut Öjerfors auf Vorgaben von Stadia, xCloud und Co. angewiesen: "Die Regeln, die jeder Plattformbetreiber aufstellt, helfen Entwicklern dabei, diese Anforderungen zu erfüllen. Wenn Du ein Spiel auf PlayStation, Xbox oder Stadia veröffentlichen willst, geben sie ein großes Regelwerk vor, das Dein Spiel einhalten muss. Da sind auch Dinge wie das UI [Nutzer-Interface] geregelt. Wenn wir also auf diesen Plattformen vertreten sein wollen, müssen wir Games entwickeln, die sich sowohl auf kleinen als auch auf großen Bildschirmen toll spielen."

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"Wolfenstein 2: The New Order": Detailreiche Spielwelten müssen auch auf kleinem Bildschirm überzeugen.

Das klingt zuerst mal nach mehr Einschränkungen für die Spielemacher. Bedeuten mehr Plattformen für Öjerfors also vor allem noch mehr Regeln? Er lacht: "Ja schon, aber weißt du, die Regeln, die wir jetzt schon von PlayStation und von Xbox haben, haben Spiele insgesamt verbessert. Es geht da vor allem um Nutzerfreundlichkeit – Ladezeiten und so weiter, viele Dinge die man einhalten muss. Es geht insgesamt um die Qualität von Spielen. Ich glaube, Games sind durch die Regelwerke der Plattformbetreiber besser geworden."

Stadia & Co.: Mehr Publikum, mehr Möglichkeiten & mehr Arbeit

Ein einheitlicher Qualitätsstandard sorgt beispielsweise heute schon dafür, dass Schriften in den meisten Fällen gut lesbar sind oder dass ein Großteil an fragwürdigen Inhalten gar nicht erst veröffentlicht werden darf. Da Entwickler ihre Spiele meist auf mehreren Plattformen anbieten wollen, müssen sie sich auch an eine Vielzahl von Standards halten. Das ist zwar komplex, verhindert aber auch Wildwuchs wie es ihn etwa im Google Play Store oder auf Steam gibt.

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Microsoft will seine Games noch 2019 mit Project xCloud auf beliebige Displays bringen.

Insgesamt werden Publisher ihre Spiele durch Cloud-Gaming-Dienste wie Stadia an mehr Menschen verkaufen können. Microsoft will so irgendwann zwei Milliarden Gamer weltweit erreichen, von denen sich viele nie eine Xbox-Konsole kaufen würden. Die Entwickler müssen dann aber auch mehr Aufwand in Produktion und Qualitätssicherung stecken, damit Anzeigen, Schriften und andere UI-Elemente sich automatisch an kleinere Bildschirme anpassen. Für Andreas Öjerfors und sein Team ist das wohl ein adäquater Preis, wenn ihnen die Cloud dafür hilft, ihre Ideen zu verwirklichen.

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