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Xbox Game Pass: Warum für Microsoft viel auf dem Spiel steht

Was steckt hinter der Spiele-Flatrate von Microsoft?
Was steckt hinter der Spiele-Flatrate von Microsoft? (©TURN ON 2017)

Für unter 10 Euro monatlich bietet der Xbox Game Pass nun auch die neuesten Exklusivspiele für die Xbox One – direkt zum Release. Mit diesem Schachzug macht Microsoft das "Flatrate-Zocken" salonfähig und sagt Angeboten wie PS Plus oder Origin Access den Kampf an. Steckt hinter dem spendablen Angebot ein Masterplan?

Fast ungläubiges Staunen regierte im Internet, als Microsoft seine Erweiterung für den Xbox Game Pass ankündigte: Exklusivtitel der Microsoft-Studios werden künftig direkt zum Release für Inhaber eines Game-Pass-Abonnements spielbar sein – als Vollversion. Für 9,90 Euro im Monat ein attraktives Angebot für Gamer: Ohne Zeitlimit und zusätzlichen Kaufpreis können dann "Sea of Thieves" oder "Crackdown 3" aber auch noch unangekündigte Titel wie "Forza Horizon 4" oder das nächste "Gears of War"-Spiel gespielt werden.

Netflix, Spotify, Kindle, Xbox: Mieten statt kaufen

Das Prinzip funktioniert bei Anbietern wie Spotify oder Netflix in den Bereichen Musik, Serien und Film hervorragend. Wieso also nicht auch bei Games? Für die Spieleindustrie ist Microsofts Ankündigung eine große Sache: Bevor ein Spieler sich eine Vollversion kauft, kann er künftig für das gleiche Geld auch über ein halbes Jahr einen Xbox Game Pass abonnieren und das Spiel, neben vielen anderen, ausprobieren. Aber nicht alle sind begeistert: Laut Gamesmarkt nehmen erste Händler bereits die Xbox One aus dem Sortiment. Schließlich werden sie zukünftig nicht mehr an Microsofts Geschäftsmodell mitverdienen, denn die Marge bei Konsolen-Hardware ist deutlich geringer als bei der Software.

Xbox-Exklusivtitel im Abo: Aus der Not eine Tugend machen?

Das größte Problem für Microsofts Gaming-Sparte ist das exklusive Spieleangebot für die Xbox One – eine Plattform, die der Konkurrenz nicht erst seit der Xbox One X technisch überlegen ist. Sony und vor allem Nintendo haben aber bewiesen, dass 4K und grenzenlose Bildwiederholraten einem Großteil der Konsolen-Fans weitaus unwichtiger sind als angenommen. Nintendo Switch und PS4 verkaufen sich vor allem über die Games, die nur für das jeweilige System erhältlich sind. Der Schritt, Exklusivspiele leichter zugänglich zu machen, kann also als mutig, aber auch als Verzweiflungstat interpretiert werden. Schließlich hatte Microsoft zuletzt stark in die Weiterentwicklung seiner Xbox investiert.

 Xbox Game Pass: Zu über 100 Games aus dem bisherigen Katalog gesellen sich nun auch neue Exklusivspiele. fullscreen
Xbox Game Pass: Zu über 100 Games aus dem bisherigen Katalog gesellen sich nun auch neue Exklusivspiele. (©Microsoft 2018)

Warum gibt es so wenige Xbox-Exklusivspiele?

Die Gründe für Microsofts andere Strategie in Sachen Exklusivtitel, vor allem gegenüber Platzhirsch Sony, sind vor allem deren hohe Produktionskosten. Xbox-Chef Phil Spencer erzählte dem Guardian, dass Service-basierende Games heutzutage zu viel Aufmerksamkeit der Kunden für sich beanspruchen. Dazu sind die Produktionskosten Story-getriebener Exklusivtitel enorm hoch, wie Phil Harrison (ehemaliger Gaming-Chef sowohl bei Sony als auch bei Microsoft) Eurogamer in einem Interview verriet: "Das traditionelle First-Party-Modell, ein Spiel exklusiv nur für Dein Gerät zu machen ist wirtschaftlich wirklich schwer. Ich sage nicht, dass es nicht funktioniert, aber es es läuft nicht mehr in so vielen Fällen wie früher."

Rückzug aus dem Konsolen-Markt?

Bei entsprechenden Spielen ist es auch immer ein Glücksspiel, ob diese Titel ihre Kosten wieder einbringen können, wenn nur ein Teil der ohnehin schon kleineren Xbox-Fangemeinde diese dann auch kauft. Mit der Integration in das Game-Pass-Abo verhilft man den Exklusivtiteln nun automatisch zu einem viel größeren Pool an Spielern. Zudem ist Microsoft traditionell ein Software- und Service-Anbieter, Sony dagegen hat schon immer vor allem Hardware wie den Walkman oder Fernseher verkauft. Wie Gameindustry.biz hervorhebt, könnte die Ankündigung daher einen langfristigen Rückzug aus dem Hardware-Geschäft andeuten.

"Flatrate-Gaming": Verändert Xbox den Spielemarkt?

"Verramscht" Microsoft jetzt also seine ohnehin schon wenigen Exklusivspiele? Zumindest ist zu erwarten, dass eine Art Umschwung stattfinden könnte und viele Xbox-Fans auf das Abo setzen. Weitere Einnahmen winken durch die Tatsache, dass auch PC-Spieler dank Xbox Play Anywhere mit einem Xbox Game Pass Zugriff auf die Spiele haben. Der Schritt, Exklusivspiele kurzfristig "abzuwerten", ist also vielleicht eher ein langfristiges Investment in ein attraktives Servicemodell.

Sony unter Druck: Werden PS-Plus-Spiele jetzt besser?

Bleibt die Frage, wie die Konkurrenz reagiert: Die monatlichen Spiele, die beim Online-Service PS Plus ohne Zusatzkosten auf der PS4 spielbar sind, werden von vielen Abonnenten als ungeliebtes Beiwerk kritisiert. Und EAs Origin Access wird meist nicht wegen enthaltenen älteren Vault-Spiele angeschafft, sondern wegen des früheren Zugriffs auf neue Spiele. Im Vergleich hierzu ist der Xbox Game Pass jetzt für viele Kunden ein gigantischer Sprung. Das Experiment könnte glücken: Auch Netflix startete schließlich einst als Online-Videothek völlig ohne neue Eigenproduktionen.

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