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"Zelda: Link's Awakening" macht mit Komplettlösung mehr Spaß

Ein "Zelda"-Spiel mit Komplettlösung zocken? Da kann man schon mal skeptisch gucken...
Ein "Zelda"-Spiel mit Komplettlösung zocken? Da kann man schon mal skeptisch gucken...

Das Remake von "The Legend of Zelda: Link's Awakening" schickt Fans des Originals und Neueinsteiger gleichermaßen durch Dungeons, Bosskämpfe und allerlei verrückte Quests. Für mich war es die erste Begegnung mit dem Adventure – und statt den Rätseln der Insel Cocolint allein auf den Grund zu gehen, habe ich gleich mal gehörig gemogelt. Und ich bereue nichts!

Als "The Legend of Zelda: Link's Awakening" 1993 erstmals erschien, war ich zu jung, um es zu spielen. Außerdem hatte ich keinen Game Boy. Und später auch keinen Game Boy Color für die "DX"-Version. Und dann keinen DS für den Port. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, den Klassiker als Remake für die Nintendo Switch endlich nachzuholen – und habe es an einem erfüllten Wochenende durchgespielt. Allerdings nicht, ohne auf dem Smartphone ständig die Komplettlösung griffbereit zu haben.

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"Link's Awakening" zügig durchzuspielen ist kein Hexenwerk, aber ohne Vorwissen und Internet nicht ganz so einfach.

Wie früher? Wie frustig!

Für das "Link's Awakening"-Remake wurde das Original fast eins zu eins in moderne Optik übersetzt. Die Switch hat mehr Tasten als der Game Boy, deshalb gibt es hier ein paar Vereinfachungen. Was Struktur, Quests oder Spielmechaniken angeht, bekommt man aber größtenteils ein Game, das ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat.

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Die Bosskämpfe sehen heute schicker aus, funktionieren aber wie 1993.

Für viele Spieler ist der besondere Reiz von Retro-Spielen ja gerade, dass sie einen nicht so sehr an die Hand nehmen. Dass man auch mal herumirrt und sich seinen eigenen Weg suchen muss. Dass einem nicht alles mit Questmarkern, Tutorials und Einblendungen auf dem Silbertablett präsentiert wird, wie das in modernen Rollenspielen und Adventures mittlerweile Standard ist. Und dass das Glücksgefühl beim Überwinden der Hindernisse dann umso größer ist. Habe ich mich also um einen Teil des Spielspaßes gebracht?

Ratlos auf Cocolint

Ehrlich gesagt: Ich glaube, ich hatte dank dem Internet (und speziell den Kollegen von Eurogamer) unterm Strich sogar mehr Spaß mit "Link's Awakening" als auf die "klassische Art". Oft stand ich mitten auf der malerischen Insel Cocolint und fragte mich, wo ich eigentlich hin muss. Welchen der vielen NPCs ich ansprechen soll, damit es weitergeht. Wo ich den entscheidenden Hinweis bekomme, der mich zur nächsten Etappe dieses klar strukturierten, aber auch recht weitläufigen Adventures führt. Oder auch: Welche meiner Attacken dem aktuellen Bossgegner überhaupt Schaden zufügt. Zu oft – für meinen an modernen Games geschulten Geschmack.

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Die Dungeon-Rätsel machen eigentlich Spaß – aber wenn man festhängt, dann so richtig.

Denn ich verliere ziemlich schnell die Lust, durch Rumrennen und Ausprobieren irgendwann vielleicht auf dem richtigen Pfad zu landen – und schaue lieber gleich nach. Das ist natürlich ein äußerst luxuriöses Problem. Wäre "Link's Awakening" das einzige Spiel, das ich gerade spielen kann (etwa, weil ich zwölf bin und mein Taschengeld der nächsten sechs Monate nur für dieses eine Game-Boy-Spiel reicht), ich würde mich vermutlich wochenlang eingraben und stundenlang den Weg zum nächsten Dungeon oder die richtige Boss-Strategie ausknobeln. Ist es aber nicht.

Spielen in Zeiten des Überflusses

Stattdessen freue ich mich über jedes Spiel, in das ich zwischen all den anderen spannenden Titeln mal nicht mindestens 30 Stunden investieren muss, um den Abspann zu sehen. Und "Link's Awakening" ist genau so ein Game, denn es ist locker in acht bis zehn Stunden "schaffbar" – aber nur, wenn man genau weiß, wo man hin muss.

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Diesen geheimen Händler, der den mächtigen Bumerang verkauft, hätte ich ohne Anleitung vielleicht nie entdeckt. Und das wäre schon etwas schade gewesen.

Bei vielen Spielern, die sich jetzt das Remake zulegen, wird genau das der Fall sein. Sie haben das Original irgendwann in den letzten 25 Jahren mal gespielt und zumindest grob noch eine Ahnung, mit wem sie wann sprechen müssen, wie sie in welches Gebiet kommen und welcher Gegner wie besiegt werden muss. Ich lese mir dieses Vorwissen beim Spielen eben an.

Maßlos googlend in die Unselbstständigkeit

Das hat durchaus seine Tücken: Anfangs schlage ich nur nach, wenn ich wirklich feststecke und so gar keinen Schimmer habe, wo ich nun hin muss. Mit der Zeit wird mein Umgang mit der Komplettlösung aber merklich lockerer: Ich schaue auch Kleinigkeiten nach, suche nach der idealen Reihenfolge, um Quests abzuarbeiten und spiele mindestens einen Dungeon auch komplett nach Anleitung. Der Nachteil: Ich klebe parallel am Smartphone und an der Switch – und fühle mich plötzlich sehr unselbstständig.

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Im Traumschrein hätte ich dagegen gern vorher gewusst, dass er erst komplett (und frustfrei) lösbar ist, wenn ich die Pegasusstiefel habe.

Ein bisschen Disziplin beim Nachschlagen ist also der Preis, den ich für einen flotten Durchgang durch das Spiel zahlen musste. Und klar: Um die Befriedigung, jedes Rätsel selbst geknackt zu haben, habe ich mich auch gebracht. Dafür habe ich mir auch viel Frust und viele Durststrecken erspart, die oft die Kehrseite des alten Spieldesigns ist, das von Retro-Fans so geschätzten wird.

Ein schönes Spiel für jeden Anspruch

"Link's Awakening" traut seinen Spielern sicherlich mehr zu als es viele neuere Titel heutzutage tun würden. Und es ist bestimmt ein fantastisches Gefühl, sich eigenständig durch alle Dungeons, Quests und Bosskämpfe Cocolints gearbeitet zu haben. Wer es darauf anlegt, kann mit dem Remake auch zwei, drei oder mehr erfüllte Wochenenden verbringen – natürlich ganz unabhängig vom Alter oder der Höhe des Taschengeldes.

Es ist aber auch schön, ein zügig durchgespieltes Abenteuer nach acht Stunden leichter Unterhaltung einfach mit einem guten Gefühl wegzulegen. Dass beide Herangehensweisen unterschiedliche, aber auf jeden Fall angenehme Erlebnisse bieten, zeichnet "Link's Awakening" als echten Klassiker aus.

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