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240-Hz-Monitore ausprobiert: Brauchen Gamer die neue Technik?

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Einige Gaming-Laptops wie das Razer Blade 15 Profi-Modell (2019) gibt es mit einem 240-Hz-IPS-Display.

Nach den 240-Hz-Monitoren mit TN-Panel gibt es nun die ersten 240-Hz-Displays mit blickwinkelstabiler IPS-Technik – vorerst aber nur in einigen Gaming-Laptops. Aber was bringen Displays mit dieser hohen Bildwiederholfrequenz, was brauchst Du für 240 FPS und wie fühlt sich das Zocken damit an? Hier erfährst Du es.

240 Hz jetzt auch mit IPS – aber ist das sinnvoll?

Diesmal sind die Gaming-Laptops den Desktop-PC-Monitoren bei der technischen Entwicklung einen Schritt voraus. Hier gibt es erste Modelle, die die blickwinkelstabile IPS-Technik mit geschmeidigen 240 Hertz kombinieren. Auf IPS-Bildschirme musst Du nicht direkt frontal schauen, sie bleiben auch bei seitlicher Betrachtung scharf und zeigen realistische Farben. Zu den Gaming-Laptops mit IPS und 240 Hz zählen das MSI GS65 Stealth, das Asus ROG Strix Scar III, das Gigabyte Aero 15 Classic, das Asus ROG Zephyrus S und schließlich das Razer Blade 15 Profi-Modell. Letzteres stand uns für einen Test zur Verfügung.

IPS-Displays ("In-Plane Switching") sind TN-Screens ("Twistet Nematic") nicht nur bei der Blickwinkelstabilität, sondern auch bei der Farbdarstellung überlegen. So decken sie oft bis zu 100 Prozent des sRGB-Farbraums oder weitere Farbräume wie AdobeRGB ab. IPS-Panels haben allerdings den Nachteil, dass der Input-Lag bei ihnen etwas höher ist als bei TN-Panels. Das heißt, dass Eingaben wie die Betätigung eines Buttons weniger schnell eine auf dem Bildschirm sichtbare Folge haben.

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Grafisch weniger anspruchsvolle Games wie "Bioshock Infinite" schaffen bei entsprechender Hardware die 240 FPS, um die 240-Hz-Displays ausnutzen zu können.

Tippst Du in einem Shooter etwa auf den Ausweich-Button, weicht die Figur auf dem Bildschirm bei IPS dem feindlichen Beschuss etwas langsamer aus als bei TN. Die Bewegungen selbst werden auf 240-Hz-Screens mit entsprechend vielen FPS aber so oder so viel geschmeidiger dargestellt als auf 60-Hz- oder sogar 144-Hz-Displays. Mehr Hertz reduzieren grundsätzlich auch die Reaktionszeit, wobei das Endergebnis bei TN noch besser ausfällt als bei IPS. Die Reaktionszeit gibt an, wie lange ein Pixel braucht, um von einem Zustand auf einen anderen zu schalten, etwa von Schwarz zu Weiß. Eine geringe Reaktionszeit bedeutet ein scharfes und schlierenfreies Bild.

Wer in Clans kompetitiv schnelle Action-Spiele zockt, der wird sich vielleicht eher für einen 240-Hz-Monitor mit TN-Panel entscheiden. Für die meisten anderen dürften eher die Vorzüge von IPS überwiegen. Letztlich kommt es darauf an, ob Dir eine besonders geringe Reaktionszeit und ein kurzer Input-Lag die TN-Nachteile wert sind. Zukünftig könnten auch VA-Panels mit 240 Hz auf den Markt kommen, die eine möglicherweise gute Alternative darstellen werden, aber aktuell sind noch keine angekündigt.

Gaming-Laptops mit optionalem 240-Hz-IPS-Display

  • MSI GS65 Stealth
  • ASUS ROG Strix Scar III
  • Gigabyte Aero 15 Classic
  • ASUS ROG Zephyrus S
  • Razer Blade 15 Profi-Modell / Advanced Model (2019)

Wozu sind 240-Hz-Monitore gut?

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240-Hz-Monitore für Desktop-Rechner wie den Dell Alienware AW2518HF gibt es bislang nur mit TN-Panel.

240-Hz-Panels bieten in Hinblick auf die Display-Hardware die Möglichkeit, bis zu 240 Bilder pro Sekunde darzustellen. Um dieses Potenzial nutzen zu können, muss der verbundene Gaming-PC allerdings erst einmal in der Lage sein, die 240 Bilder in der Sekunde an den Monitor zu schicken. Das schaffen nur die stärksten Grafikkarten, verbunden mit den schnellsten Prozessoren – und selbst die nur bei älteren und grafisch weniger anspruchsvollen Games oder mit erheblichen Kompromissen bei Auflösung und Grafikqualität. Wenn es um sehr hohe Bildwiederholraten geht, sind es übrigens eher die Prozessoren, die die Grafikkarten ausbremsen – normalerweise ist es umgekehrt.

Eine hohe Bildwiederholrate hilft dabei, Grafikfehlern wie Tearing den Garaus zu machen. "Tearing" bezeichnet einen Riss im Bild, der entstehen kann, wenn der Aufbau der Einzelbilder durch die Grafikkarte nicht mit der Monitorwiedergabe synchronisiert wird. Es ruckelt und zuckt mit stabilen 240 FPS einfach nichts – alles läuft so schnell und flüssig, wie es laufen soll. Zudem wirken Bewegtbilder deutlich schärfer als mit dem derzeitigen Standard 60 Hertz. Spätestens bei FPS in Bereichen um die 200 werden die Technologien G-Sync und FreeSync, die Monitor und Grafikkarte auch bei weniger FPS synchronisieren, nicht mehr gebraucht.

240 Hz (bei 240 FPS) bedeuten ein nochmal spürbar geschmeidigeres Spielerlebnis als 144 Hz und eine noch schärfere Bewegtbilddarstellung. Der Grund, warum die Bildrate trotzdem als "nischig" gilt, lautet, dass die praktischen Vorzüge nicht mehr so groß sind wie beim Sprung von 60 auf 144 Hz. Zudem sind die Anforderungen an die Hardware enorm und daher die Anschaffung entsprechend teuer.

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Rennspiele wie "Dirt Rally" machen mit über 200 FPS noch einmal mehr Spaß.

Es gibt immerhin einen messbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber 144-Hz-Bildschirmen in kompetitiven Spielen. Uns selbst fehlen die mehrere tausend Euro teuren Geräte, um das zu prüfen, aber die Aufgabe hat zum Glück Linus von Linus Tech Tips übernommen. Er konnte in einem Test mit einer Zeitlupenkamera nachweisen, dass 240-Hz-Screens wirklich noch einmal zu besseren Spielergebnissen führen können – jedenfalls bei geübten Spielern. Im Zweifelsfall bringt natürlich Spielerfahrung mehr als ein Hardware-Upgrade.

Wie schaffst Du 240 FPS?

Der Razer Blade 15 bietet mit der RTX 2080 Max-Q eine der schnellsten Laptop-Grafikkarten und mit dem Intel Core i7-9750H einen der schnellsten Notebook-Prozessoren. Trotzdem war es mit aktuellen Games praktisch ausgeschlossen, 240 FPS zu erreichen. Möglich war das bei Full-HD-Auflösung fast nur mit älteren Klassikern wie "Counter Strike: Source" und "Half-Life 2", die sogar ungefähr 290 FPS schafften. "Dark Messiah of Might & Magic" liegt auch in diesem Bereich.

Der Ego-Shooter "Bioshock Remastered" flutschte tatsächlich mit ungefähr 240 FPS über den Screen. Schließlich lief zu unserer Überraschung auch das recht aktuelle Gruselspiel "Layers of Fear" mit über 200 FPS. Das ist zwar für das eher langsame Gameplay hier nicht von praktischem Gameplay-Vorteil, aber geschmeidiges Zocken fühlt sich immer gut an. "Dirt Rally" erreichte lediglich mit niedrigen Settings 180 FPS, "Quantum Break" kam mit mittleren Settings auf 170 FPS. Alles nur in Full HD, versteht sich. 240 FPS in QHD oder 4K gehen mit der aktuellen Technik überhaupt nicht, außer vielleicht in 2D-Spielen.

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Selbst Games mit einem eher langsamen Gameplay wie "Layers of Fear" profitieren von einer hohen Bildwiederholrate.

Etwas mehr schaffst Du mit den Desktop-GPUs Nvidia RTX 2080 Ti sowie mit der kommenden RTX 2080 Super. Aktuelle Spiele bewältigen aber auch die leistungsfähigsten erhältlichen Grafikkarten längst nicht mit über 200 FPS – die RTX 2080 Ti schafft bestenfalls ungefähr 150 im Durchschnitt, wie die Benchmarks von GameStar zeigen.

Das sind die Vorteile von 240-Hz-Displays

  • Kein Screen-Tearing
  • Kein Stottern
  • G-Sync und FreeSync nicht mehr nötig (bei entsprechenden FPS)
  • Scharfe Darstellung von Bewegtbildern
  • Reagiert schneller auf Eingaben

Wie fühlen sich 240 Hz an?

Das Zocken mit 240 Hz und einer entsprechenden Framerate fühlt sich fantastisch an. Ob Bewegungen der Spielfigur oder Kameraschwenks, alles wird scharf und flüssig dargestellt. Das ist jedenfalls meine Meinung – denn wie sich etwas anfühlt, ist immer ein wenig subjektiv. Wer nur gelegentlich "Fifa" spielt, wird sich um eine derart hohe Bildrate nicht weiter kümmern. Auch, wer nur mal ein Blockbuster-Spiel durchzockt und dann wieder monatelang den Rechner lediglich für Excel nutzt, braucht keinen 240-Hz-Screen.

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Schnelle Action-Games wie "Quantum Break" sind auf 240-Hz-Screens besonders mitreißend.

Als erfahrener Gamer mit einer umfassenden Spielebibliothek, der alle möglichen Gaming-relevanten Technologien getestet und auf allen möglichen Systemen seit dem Atari 2600 gezockt hat, erlebe ich 240 Hz jedoch als durchaus spürbaren Fortschritt – und das selbst gegenüber 144 Hz. Razer schickte uns das Blade 15 einmal mit 4K-OLED-Screen und einmal mit dem 240-Hz-Display. Der OLED-Bildschirm hat mich zwar visuell beeindruckt, zu meiner eigenen großen Überraschung habe ich ihn für Games aber schnell links liegen gelassen. Gleiches gilt für meinen eigenen 4K-HDR-Bildschirm, der beim Testen dahinter stand.

War der 240-Hz-Razer einmal angeworfen, war ich die nächsten paar Stunden vor den Bildschirm geklebt und nicht mehr davon zu entfernen. Endlich scharfe Bewegungen, kein Screen Tearing, Stottern und andere Grafikfehler dieser Art mehr. Endlich fühlen sich Spiele richtig flüssig an! Mein Highlight war "Quantum Break" mit immerhin bis zu 170 FPS bei mittleren Settings. Die Zeit-Manipulationseffekte des Spiels in Kombination mit der hohen Framerate sind unglaublich mitreißend – etwa, wenn man in gefrorener Zeit an den Gegnern vorbeirast.

144 Hz durfte ich zuvor schon einmal mit dem MSI GS75 Stealth testen und ich wurde davon noch nicht überwältigt. So schrieb ich: "144 Hz sind immer nett, aber ich sehe sie nur bei kompetitiven Multiplayer-Shootern und vergleichbaren Spielen als Vorteil an, für den es sich lohnt, spürbar mehr Geld auszugeben."

Der 240-Hz-Screen hat es nun aber geschafft, mich zum High-FPS-Kult zu bekehren. Das Spielerlebnis ist deutlich besser, selbst wenn nicht die vollen 240 Bilder pro Sekunde erreicht werden. Dabei profitiert das Spielerlebnis mit einfach allen Games, nicht nur mit schnellen Actiontiteln. Ich will eigentlich nicht mehr zu 60 FPS zurück – außer für Konsolenspiele, weil die zur Zeit sowieso nicht mehr schaffen. Alles andere – seien es 4K, HDR oder sonstwas – ist mir beim Zocken weniger wichtig.

Solltest Du Dir einen 240-Hz-Monitor kaufen?

Für die meisten Gamer ist die Frage eigentlich nicht "Solltest Du Dir ein 240-Hz-Display kaufen?", sondern: "Solltest Du Dir einen High-End-Gaming-Rechner und einen 240-Hz-Monitor kaufen oder lieber eine andere Art von Display?" Ohne die nötige Grafik- und Prozessorpower erreichst Du nämlich leider keine 240 FPS in halbwegs modernen Spielen – tatsächlich wird es selbst damit schwierig. Und damit sind 240 FPS in Full-HD gemeint. In QHD oder gar 4K kannst Du das auf absehbare Zeit vergessen.

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Als erfahrener Gamer finde ich 240 Hz genial – aber nicht jeder braucht die Technik.

Es kommt auch stets darauf an, was Du sonst noch mit dem Monitor tust, ob Du etwa für die Foto- oder Videobearbeitung einen weiten Farbraum oder eine höhere Auflösung als Full-HD brauchst. Leider dauert es noch etwas, bis 240-Hz-IPS-Monitore auf den Markt kommen, bislang gibt es diese Technik nur für Gaming-Laptops.

Bist Du aber ein leidenschaftlicher PC-Gamer, würde ich sagen: Ja, Du solltest Dir einen 240-Hz-Screen samt High-End-Rechner kaufen – zumindest, sobald die IPS-Varianten der 240-Hz-Monitore verfügbar sind. Der Vorteil der hohen Bildwiederholrate ist bei Spielen meiner Meinung nach spürbar größer als die Vorzüge von 4K und HDR. Für mich ist das ein ganz neues Spielerlebnis, das ich nicht mehr missen möchte.

Das sagt Andreas:
Leider habe ich selbst keinen Gaming-PC, der 240 FPS erreichen könnte. Das durfte ich nur auf unserem Testgerät von Razer erleben. Ich warte auf die nächste Grafikkarten- und Prozessor-Generation in der Hoffnung, dass sie solche Bildwiederholraten in mehr Spielen schafft.
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