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"Destiny 2", oder auch: Recycling als Weiterentwicklungskonzept

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Die Rüstung aus der Menagerie kannst Du Dir in "Destiny 2" nur noch wenige Wochen erspielen. Bild: © Bungie 2020

Wie Bungie vor einiger Zeit bekannt gab, wandern im November einige Spielinhalte in den Content-Tresor. Mit dem neuen DLC "Jenseits des Lichts" kehrt dafür ein Stück "Destiny" zurück ins Universum. Das bringt Day-One-Spielerin Jasmin zum Nachdenken.

2014 wurde meine Jägerin geboren. Über die Jahre hinweg schubste sie Atheon unzählige Male in den Tod und stellte sich tapfer dem Zorn der Maschinen entgegen. Mittlerweile reißt sie Ghalran mit Hingabe die Krone des Leids vom Kopf. Bis heute trägt meine Jägerin die "Erinnerung an Cayde", hüllt sich in ihre "Opulente Rüstung" und nennt sich stolz "Schatten". In den schaurig schönen Gemäuern der Leviathan fand sie ein Zuhause und in Imperator Callus ihren wohl interessantesten Verbündeten.

Doch mit der neuen großen Erweiterung im November, "Jenseits des Lichts", müssen meine Jägerin und ich Abschied von dem Riesenfisch über Nessus nehmen.

Die Leviathan verschwindet – und damit viel Content

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Die Menagerie ist nur noch bis Ende dieser Saison Teil von "Destiny 2". Bild: © Bungie 2020

Bungie beschrieb in einem wöchentlichen Update ausführlich, welche Inhalte, Waffen und Katalysatoren ab November nicht mehr (er-)spielbar sind. Besonders um alle Inhalte auf der Leviathan tut es mir und einem großen Teil der Community leid. Hier befinden sich gleich vier Raids:

  • Leviathan
  • Weltenverschlinger
  • Sternschleuse
  • Krone des Leids

Und noch mehr: Für alle, die nicht regelmäßig einen Sechs-Mann-Trupp für einen Raid zusammentrommeln können, wartet die Menagerie als "Mini-Raid" mit Spielersuche auf. Sie ist ideal für alle, die lieber als Single-Spieler durchs "Destiny 2"-Universum streifen – und für neue Spieler, die sich in den verschiedenen Phasen mit den unterschiedlichen Rätseln und Lösungstechniken langsam ans Raid-Prinzip herantasten können.

Mit der Leviathan verschwindet dieser coole Content, der in der "Destiny"-Geschichte einmalig ist. Und das betrauere ich nicht nur, weil ich ihn cool finde. Sondern weil er einzigartig ist und die stetige Weiterentwicklung des Games symbolisiert. Im Herbst macht das Spiel aber mit recyceltem Inhalt aus dem ersten "Destiny"-Teil herbe Rückschritte.

Zurück ins Kosmodrom: Uldren, bist du's?

Vor etwa einem Jahr wurde eine kurze Cutscene veröffentlicht: Uldren Sov, Caydes Mörder aus dem "Forsaken"-DLC, wird darin von einem Geist als Hüter wiedererweckt. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen von ihm. Aber: Er könnte in "Jenseits des Lichts" wieder auf der Bildfläche erscheinen.

Denn ursprünglich war für Uldren eine Rolle im Kosmodrom vorgesehen. Dort sollte er als "Krähe" einen Gebietshändler darstellen. Seine Rolle wurde aber kurzerhand zum durchgeknallten Bruder der intriganten Erwachtenkönigin Mara Sov umgeschrieben. Seit Bungie erklärt hat, dass das Kosmodrom als Gebiet zurück ins "Destiny 2"-Universum kommt, spekuliert die Community: Kehrt Uldren auch zurück? Und wie werden die Hüter auf ihn reagieren? Immerhin weiß er nichts von seiner Vergangenheit oder davon, dass er den beliebten Cayde-6 getötet hat.

Ich begrüße seine Rückkehr. Nicht weil ich diesen Schizophrenen mit seinem ungesunden Schwesternkomplex so sympathisch finde. Sondern da er frischen Wind ins Kosmodrom bringt. Als Day-One-Spieler kenne ich das Gebiet bereits und war alles andere als begeistert, den durchgekauten Content stumpf zu wiederholen. Zumal ich mich auch schwer damit tue, zu verstehen, wie es im Hinblick auf die Story Sinn ergibt, dass ich Schar-Hexe Omnigul oder Gefallenen-Servitor Sepiks Primus nun schon zum dritten Mal endgültig zerschneiden soll.

Ab in die Kammer, schon wieder ...

Das gleiche gilt für den Raid "Die Gläserne Kammer". Ja, es hat viel Spaß gemacht, Boss Atheon dank eines Bugs monatelang vom Spielfeld in den Tod zu treiben. Ja, es würde aus purer Nostalgie sicher wieder Spaß machen. Zwei- oder dreimal. Danach wäre es dasselbe Spiel wie vor sechs Jahren. Und dafür werden "Destiny 2"-exklusive Raids – die teilweise noch gar nicht so alt sind – aus dem Spiel genommen? Darin sehe ich nichts, woran ich mich längerfristig erfreuen kann.

Spieler, die erst mit "Destiny 2" dazu gestoßen sind, werden sich hierbei nicht viel denken. Alte Hasen wie ich dagegen zucken etwas gleichgültig mit den Schultern. Ist immerhin nicht das erste Mal, dass Bungie Content von "Destiny" leicht abgewandelt in "Destiny 2" integriert (Stichwort: Prüfungen von Osiris). Vielleicht warte ich noch ein paar DLCs ab und lösche "Destiny" endgültig von meiner PS4 – bis dahin dürfte die ganze Vanilla-Version mit Teil 2 verschmolzen sein.

Bleibt zu hoffen, dass genug wirklich neuer Content erscheint, der das Spiel interessant bleiben lässt. Denn Nostalgie und Content-Recycling bedeuten Stillstand – und keine Weiterentwicklung. Gerade die hat "Destiny 2" aber dringend nötig.

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