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HTC Vive und Oculus Rift: Die VR-Brillen im Vergleich

HTC Vive
HTC Vive (©HTC 2016)

Mit Oculus Rift und HTC Vive treten in diesem Sommer gleich zwei VR-Brillen gegeneinander an. Wir haben uns alle Fakten zu den Geräten angeschaut und verraten Dir im Vergleich, was sie können.

Virtual Reality könnte einer der großen Gaming-Trends in diesem Jahr werden. Gleich mehrere Hersteller wollen noch vor dem Sommer ihre VR-Brillen in den Handel bringen und virtuelles Gaming erstmals salonfähig machen. Als große Konkurrenten stehen sich dabei die Oculus Rift von Oculus VR und die HTC Vive beziehungsweise Steam VR von HTC und Valve gegenüber. Beide VR-Brillen versprechen eine technische Revolution und ein nie da gewesenes Spielerlebnis.

Oculus Rift: Die Facebook-Brille für VR-Zocker

Die Oculus Rift wurde ursprünglich vom Designer Palmer Luckey entwickelt, einem Designer an der University of South California. Weil seine Erfindung bei Spieleentwicklern extrem gut ankam, entschied sich Luckey dafür, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, bei der am Ende knapp 2,5 Millionen US-Dollar eingespielt wurden – 974 Prozent des ursprünglichen Finanzierungsziels. 2014 wurde das Unternehmen Oculus VR von Facebook übernommen, was zu Protesten von zahlreichen Unterstützern führte.

Facebook brachte natürlich neues Geld ins Spiel, wodurch Entwicklung und Produktion der Brille deutlich beschleunigt wurden. Eine direkte Anbindung der Oculus Rift an das soziale Netzwerk Facebook ist nach aktuellem Stand nicht geplant.

 Die "Oculus Rift" war ursprünglich ein Crowdfunding-Projekt. fullscreen
Die "Oculus Rift" war ursprünglich ein Crowdfunding-Projekt. (©Picture Alliance/ Eric Risberg 2016)

HTC Vive: Virtual Reality mit Steam-Power

Die HTC Vive ist das Produkt einer Kooperation zwischen dem Hardware-Hersteller HTC und dem Software-Entwickler Valve. Letzterer betreibt mit Steam die weltweit größte digitale Distributions-Plattform für PC-Spiele. Geplant ist, die HTC Vive direkt mit Steam zu verknüpfen. Spiele, die mit der Vive kompatibel sind, dürften somit ausschließlich über diese Plattform erhältlich sein. Das Geschäftsmodell könnte einige PC-Spieler abschrecken, die nach wie vor einen großen Bogen um Steam machen. Gleichzeitig könnte Steam eine wichtige Rolle bei der Anpassung von Spielen an die VR-Brillen spielen und als Schnittstelle dienen, die dem Nutzer eigene Arbeit abnimmt.

Die Hardware: Was bieten Oculus und Vive?

Oculus Rift: Technisch gesehen sind beide Brillen beeindruckend. Die Oculus Rift besitzt zwei OLED-Displays, die gemeinsam eine Auflösung von 2160 x 1200 Pixeln und ein horizontales Sichtfeld von 100 Grad erzeugen. Die Bildwiederholrate beträgt 90 Hertz. Die Brille ist mit zahlreichen Sensoren wie Gyrosensor, Accelerometer und Magnetometer ausgestattet. Diese dienen dazu, die Bewegungen des Kopfes zu erfassen und diese in Echtzeit auf das jeweilige Spiel zu übertragen. Gesteuert wird die Oculus Rift über einen Microsoft Xbox One-Controller, der den meisten PC-Spielern vertraut sein dürfte. Ein speziell entwickelter Controller namens Oculus Touch soll in Zukunft ebenfalls zu kaufen sein. Dieser kostet jedoch knapp 200 Euro extra.

 Die Oculus Rift kommt mit klassischem Gamepad. fullscreen
Die Oculus Rift kommt mit klassischem Gamepad. (©Oculus VR 2016)

HTC Vive: Die HTC Vive ist der Oculus Rift im Vergleich technisch leicht überlegen. Der Spieler sieht seine virtuelle Umgebung ebenfalls durch zwei OLED-Displays, die gemeinsam jedoch eine Auflösung von 2400 x 1080 Pixel und ein horizontales Sichtfeld von 110 Grad erzeugen. Die Bildwiederholfrequenz liegt wie bei der Oculus Rift bei 90 Hertz. Als Sensoren kommen ebenfalls ein Gyrosensor und ein Accelerometer zum Einsatz. Darüber hinaus verfügt die HTC Vive über einen Laser-Positionsmesser. Mit diesem lässt sich die Position der Brille im Raum erfassen. Der Spieler kann sich theoretisch also sogar auf den eigenen Füßen durch den Raum bewegen. Die Bewegungen werden dann in das jeweilige Spiel übertragen. Zudem ist die HTC Vive mit einer Außenkamera ausgestattet, mit welcher der Träger seine wahre Umgebung jederzeit einblenden kann, um nicht gegen irgendwelche Möbel zu laufen.

Im Gegensatz zur Oculus Rift soll die Vive bereits zum Marktstart mit einem speziell entwickelten Controller ausgeliefert werden. Der Steam VR-Controller wurde dabei speziell für das Spielen in virtuellen Welten entwickelt und soll sich deutlich von herkömmlichen Gamepads unterscheiden.

 Die HTC Vive kommt mit speziell entwickelten Controllern. fullscreen
Die HTC Vive kommt mit speziell entwickelten Controllern. (©Picture Alliance/ Matthias Oesterle 2016)

Systemanforderungen: Welchen Rechner brauche ich?

Oculus Rift: Wer in diesem Jahr in die virtuelle Realität eintauchen möchte, sollte besser einen leistungsfähigen Rechner im Haus haben. Die Systemvoraussetzungen für die Nutzung einer Oculus Rift haben es nämlich in sich. So benötigt der geneigte Gamer mindestens einen Intel i5-4590-Prozessor und 8 GB RAM an Arbeitsspeicher. Der eigentliche Knackpunkt dürfte jedoch die Grafikkarte sein. Hier sind mindestens eine Nvidia GeForce GTX 970 oder eine Radeon R9 290 nötig, um die VR-Darstellung zu ermöglichen.

War die Brille ursprünglich noch für Windows PC, Linux-Systeme und Mac gedacht, so wurde die Entwicklung für die beiden letzteren Plattformen mittlerweile zugunsten von Windows auf Eis gelegt. Allerdings sollen Besitzer einer Xbox One in der Lage sein, ihre Konsolen-Spiele über den PC auf eine Oculus Rift zu streamen.

 Hersteller wie Asus bieten starke Gaming-Rechner für die Oculus Rift an. fullscreen
Hersteller wie Asus bieten starke Gaming-Rechner für die Oculus Rift an. (©Asus 2016)

HTC Vive: Die Systemanforderungen der HTC Vive fallen überraschenderweise etwas moderater aus als für die Rift. Benötigt wird mindestens ein Intel i5-4590 oder ein AMD FX 8350 als Prozessor. Beim Arbeitsspeicher soll sich die Vive allerdings schon mit 4 GB RAM zufriedengeben. Der Knackpunkt dürfte aber auch bei der HTC-Brille die Grafikkarte sein. Genau wie die OculusRift verlangt auch die Vive mindestens nach einer GeForce GTX 970 oder einer AMD Radeon R9 290.

Auch die HTC Vive wird zunächst nur Windows-Systeme unterstützen. Genau wie bei Oculus scheint man auch hier die Prioritäten zugunsten der mit Abstand größten Zielgruppe zu setzen. Wer die virtuelle Realität unter Linux oder Mac OS X besuchen möchte, schaut somit erst einmal in die Röhre.

Zusätzlich zum PC braucht es für die HTC Vive allerdings auch Platz. Damit das Positions-Tracking im Raum funktioniert, muss der Spieler eine freie Fläche schaffen, in welcher er sich bewegen kann, ohne dabei Schaden an der Einrichtung oder an sich selbst anzurichten.

 MSi bietet auch Laptops an, die mit der HTC Vive funktionieren. fullscreen
MSi bietet auch Laptops an, die mit der HTC Vive funktionieren. (©MSi 2016)

Die Spiele: Was gibt’s zum Zocken?

Oculus Rift: Bereits vor dem Release der Oculus Rift haben zahlreiche Entwickler ihr Interesse an der VR-Technik bekundet. Demzufolge befinden sich auch mehrere Spiele für die Oculus in Arbeit. Eine ganze Liste an Titeln, die in den kommenden Monaten erscheinen sollen, findet sich derzeit bei Wikipedia. Die Vertriebsplattform Steam listet aktuell 56 Titel, die zum Start der Rift verfügbar sein oder bald erscheinen sollen. Dazu gehören vor allem kleinere Independent-Titel und ein paar wenige Schwergewichte wie "Project: Cars". Käufer der Brille erhalten direkt zum Start die beiden Titel "EVE: Valkyrie" und "Lucky's Tale“ als kostenlose Beigaben.

 "EVE Valkyrie" wird mit der Oculus Rift ausgeliefert. fullscreen
"EVE Valkyrie" wird mit der Oculus Rift ausgeliefert. (©CCP Games 2016)

HTC Vive: Auch die Vive kann gleich zum Start mit einer größeren Zahl von Spielen aufwarten. Zu den populärsten Games dürfte die Space-Simulation "Elite Dangerous" gehören. Steam listet derzeit rund 50 Titel, die zum Release der Vive oder kurz danach verfügbar sein sollen. Auch hier handelt es sich größtenteils um Games von Indie-Entwicklern. Die wirklich interessanten Spiele dürften für beide Brillen allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen. Zu nennen sind hier unter anderem die Space-Simulationen "Star Citizen" und "Fallout 4 VR".

 Auch bei "Elite Dangerous" handelt es sich um eine Space-Sim. fullscreen
Auch bei "Elite Dangerous" handelt es sich um eine Space-Sim. (©Frontier Developements 2016)

Der Preis: Was kosten die Brillen?

Oculus Rift: Wer als sogenannter Early Adopter in die virtuelle Realität einsteigen will, muss dafür tief in die Tasche greifen. Satte 699 Euro verlangt Oculus VR für seine Brille. Hinzu kommen teilweise noch Kosten für die Aufrüstung des Rechners oder den kompletten Neukauf eines VR-tauglichen Systems.

HTC Vive: Wer in das Steam VR-System einsteigen möchte, muss dafür sogar noch mehr Geld berappen. In Deutschland wird die Brille für 899 Euro angeboten. Dafür wird allerdings auch mehr geliefert als bei der Oculus. So gibt es zwei Laser-Positionsmesser und zwei drahtlose Controller. Bei der Konkurrenz muss der speziell angepasste Controller hingegen zu einem späteren Zeitpunkt nachgekauft werden.

Vorläufiges Fazit: Welche Brille ist besser?

Wie gut Oculus Rift und HTC Vive wirklich sind, wird sich natürlich erst noch zeigen müssen. Technisch gesehen ist die Vive der Rift ein wenig überlegen. So ist es mit der Steam VR-Brille möglich, sich im Raum zu bewegen. Das könnte allerdings auch ein Knackpunkt sein. Denn dazu muss erst einmal der nötige Platz zur Verfügung stehen. Zudem greifen Gamer für die Vive noch deutlich tiefer in die Tasche.

Im Endeffekt dürften aber die Spiele den Ausschlag geben. Wer mehrere Hundert Euro für eine VR-Brille auf den Tisch legt, möchte dafür sicherlich mehr geboten bekommen als nur aufwendige Grafik-Demos mit Alibi-Gaming-Funktionen. Hier müssen die Entwickler zeigen, was sie tatsächlich an immersiven Spielerlebnissen schaffen können. Entscheidend könnte sein, wer letztlich die ersten Triple-A-Titel bekommt, die explizit für VR-Brillen entwickelt wurden.

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